Im Jahr 2020 wird die globale Wirtschaftsleistung um über 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Dies markiert den stärksten Einbruch in der Nachkriegszeit. Das Vorkrisenniveau dürfte erst gegen Ende des Jahres 2021 erreicht werden. Dies setzt voraus, dass es zu keiner zweiten Welle der Virusausbreitung und einem „second lockdown“ kommt. Das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 dürfte dann in der Größenordnung von etwa 6 Prozent liegen. Der Einbruch der weltweiten Wirtschaftsaktivitäten hat gravierende Folgen für die Dynamik des Welthandels. Dieser bricht 2020 um 9 Prozent ein. 2021 ist ein Plus beim globalen Güteraustausch in Höhe von 8 Prozent zu erwarten.

Die Erholung der deutschen Konjunktur wird sich nach den starken Beeinträchtigungen im zweiten Quartal 2020 auf weite Teile des kommenden Jahres erstrecken. Beim Export wirkt – trotz der sich wieder stabilisierenden Weltkonjunktur – die stark beeinträchtigte globale Investitionstätigkeit hemmend. Beim Konsum deckeln zunächst fehlende Nachholmöglichkeiten, zum Teil sich nur allmählich auflösende Angebotsrestriktionen und Verunsicherungen die Dynamik. Mit der Festigung der konjunkturellen Erholung trägt der private Konsum mit seinem hohen Gewicht an der Inlandsnachfrage maßgeblich zum Aufschwung bei. Bei den Inlandsinvestitionen ist eine längere Erholungsphase zu erwarten. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Perspektiven für die Weltwirtschaft, denn das schwache globale Umfeld dämpft auch die Investitionsanreize in Deutschland. Anziehende Insolvenzzahlen können zusätzlich die Investitionen bremsen. Durch das Zusammenspiel dieser derzeit retardierenden Momente geht das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahr 2020 um 9 Prozent zurück. Unter der Annahme, dass es keinen erneuten globalen Schock geben wird, hält die zur Jahresmitte 2020 einsetzende Erholung an und die deutsche Produktionsleistung wird im Jahr 2021 um 8 Prozent über dem Vorjahr liegen.

Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Trotz umfassender Nutzung des Instruments der Kurzarbeit wird die Erwerbstätigkeit zum ersten Mal seit 2005 wieder zurückgehen. Die Arbeitslosigkeit wird im Jahresverlauf 2020 die 3-Millionen-Grenze überschreiten. Die Erholung im Jahr 2021 wird zwar einen großen Teil des Einbruchs wieder wettmachen können, der Beschäftigungsstand von 2019 wird allerdings noch nicht wieder erreicht. Der Staatshaushalt erwartet nach sechs Jahren, die von Überschüssen geprägt waren, einen starken Dämpfer im Zuge der Corona-Krise. Steuermindereinnahmen und Mehrausgaben werden zu einem Defizit von 265 Milliarden Euro in diesem Jahr führen. Durch die erwartete einsetzende wirtschaftliche Erholung kann die Finanzierungslücke im Jahr 2021 wieder auf gut 130 Milliarden Euro zurückgeführt werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat frühzeitig auf Anspannungen an den Märkten für Staatsanleihen reagiert. Zudem hat sie rechtzeitig Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditversorgung und der Liquiditätsversorgung der Banken beschlossen. Von wirtschaftspolitischer Seite muss eine weitere durch Nachfrageausfälle bedingte Schrumpfung verhindert und zugleich müssen neue Wachstumsimpulse gesetzt werden. Dazu reicht es nicht aus, auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage als makroökonomische Größe abzuzielen. Vielmehr müssen die identifizierten Verspannungen durch zielgerichtete nachfrage- oder angebotsseitige Maßnahmen adressiert werden. Entscheidend bei allen Maßnahmen ist, dass sie nicht nur zielgerichtet sind, sondern auch rechtzeitig im entscheidenden Zeitraum zum Einsatz kommen können.