1. Home
  2. Studien
  3. IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2023: Kein Aufschwung in Sicht
IW-Report Nr. 19 27. März 2023 IW-Kooperationscluster Makroökonomie und Konjunktur IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2023: Kein Aufschwung in Sicht

Ein namhafter Aufschwung der deutschen Wirtschaft findet im Jahr 2023 nicht statt. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird zwar nach der Winterpause im Jahresverlauf wieder zulegen. Das Konjunkturtempo wird zum Jahresende jedoch wieder nachlassen, wenngleich eine erneute Winterrezession derzeit nicht gesehen wird.

PDF herunterladen
Kein Aufschwung in Sicht
IW-Report Nr. 19 27. März 2023 IW-Kooperationscluster Makroökonomie und Konjunktur

IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2023: Kein Aufschwung in Sicht

IW-Kooperationscluster Makroökonomie und Konjunktur Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Ein namhafter Aufschwung der deutschen Wirtschaft findet im Jahr 2023 nicht statt. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird zwar nach der Winterpause im Jahresverlauf wieder zulegen. Das Konjunkturtempo wird zum Jahresende jedoch wieder nachlassen, wenngleich eine erneute Winterrezession derzeit nicht gesehen wird.

Neuerliche Knappheiten an den Energiemärkten können für wiederkehrende Preisausschläge sorgen. Insgesamt bleibt die Dynamik hierzulande verhalten und dies spiegelt keine breit angelegte und zugkräftige Erholung nach den dreijährigen Beeinträchtigungen durch die Pandemie und die russische Invasion in der Ukraine wider. Folglich wird in diesem Jahr die Wirtschaftsleistung in Deutschland das Vorjahresergebnis nur um gut ¼ Prozent übertreffen.

Der wirtschaftliche Rahmen bleibt geprägt von den geopolitischen Unwägbarkeiten und ihren ökonomischen Folgen. Material- und Energiesorgen bestimmen weiterhin den unternehmerischen Alltag. Die Preisschwankungen bei Energie haben sich zwar beruhigt, doch das neue Kostenniveau wird weiterhin um ein Mehrfaches über den durchschnittlichen Preisen vor der Krise liegen. Die insgesamt schwache Gangart der Weltwirtschaft hält an und damit bleibt der Welthandel gezügelt. Für die Weltwirtschaft wird für 2023 ein Plus von 2 Prozent erwartet, der Welthandel wird nur um 1 Prozent wachsen. Hinzu kommen jüngst die Unsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen der vorerst noch bleibenden Inflation und der restriktiveren Geldpolitik auf Banken sowie die globalen Finanzmärkte. Das Zinsänderungsrisiko belastet die Fristentransformation der Banken, die in der Europäischen Währungsunion aber hinreichend robust sein dürften. Das bestimmt die Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft und die notwendige Erholung der Investitionen. Eine Rückkehr in die Niedriginflationsphase mit einer expansiv ausgerichteten Geldpolitik wie in den Jahren vor der Pandemie und dem Krieg ist jedenfalls vorerst nicht zu erwarten.

In Deutschland wird der Dienstleistungssektor in diesem Jahr infolge der inflationsbedingten Kaufkraftverluste einen leichten Rückgang zu verkraften haben. Einem voraussichtlich moderaten Zuwachs der Industrie steht ein weiterer Rückgang der Bautätigkeit gegenüber. Die Baukrise trägt ebenfalls zur Stagnation der Bruttoanlageinvestitionen bei. Die Ausrüstungsinvestitionen legen hierzulande vor dem Hintergrund des risikobehafteten Wirtschaftsumfelds nur schwach zu. Die Inflation belastet den privaten Konsum, denn Nachholeffekte, Sparrücklagen und großvolumige fiskalische Entlastungen stehen nicht nochmal zur Verfügung. Stabilisierend wirkt der Arbeitsmarkt, der noch gut von der positiven Entwicklung in der zweiten Hälfte 2022 profitiert. Im Jahresverlauf 2023 entstehen jedoch keine nennenswerten Impulse. Die Beschäftigung bleibt auf Rekordstand, die Arbeitslosenquote steigt gleichwohl leicht auf knapp 5 ½ Prozent an. Die Finanzierungslücke in der deutschen Staatskasse bleibt aufgrund der umfangreichen Energiepakete und der Zinswende mit gut 100 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Der Schuldenstand erreicht mit 2,7 Billionen Euro einen Höchststand.

PDF herunterladen
Kein Aufschwung in Sicht
IW-Report Nr. 19 27. März 2023 IW-Kooperationscluster Makroökonomie und Konjunktur

IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2023: Kein Aufschwung in Sicht

IW-Kooperationscluster Makroökonomie und Konjunktur Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Wirtschaftliches Wachstum im demografischen Wandel
IW-Trends 17. Oktober 2026 Philipp Deschermeier / Michael Grömling / Holger Schäfer

Wirtschaftliches Wachstum im demografischen Wandel

Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in Deutschland demografisch bedingt bis zum Jahr 2040 um 4,3 Millionen oder 7,7 Prozent sinken.

Philipp Deschermeier / Michael Grömling / Holger Schäfer IW

Artikel lesen
IW-Kurzbericht Nr. 70 13. Oktober 2026 Stefanie Seele

KI-Nähe des Berufs bisher kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt

Die KI-nahe Beschäftigung gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Dies liegt auch daran, dass der Beschäftigungsanteil von Fachkräften sinkt und jener von Experten und Spezialisten zunimmt.

Stefanie Seele IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880