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(© Foto: golubovy/iStock)
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Holger Schäfer in der Süddeutschen Zeitung Interview 29. September 2017

Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt: Wechseln ist aufwendig

Wo Lücken gefüllt werden müssen, ist die Fluktuation hoch, sagt IW-Arbeitsmarktökonom Holger Schäfer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. In Branchen dagegen, die ein hohes Qualifikationsniveau erfordern, ist sie geringer.

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In welchen Branchen ist die Fluktuation besonders niedrig?

Bei Behörden beispielsweise, in der Industrie, bei Banken und Versicherungen. Generell kann man sagen: Je höher das Qualifikationsniveau, desto geringer die Fluktuation. So benötigt ein Facharbeiter, der bei einem Automobilzulieferer arbeitet, sehr spezielles Wissen an seinem Arbeitsplatz. In einem neuen Job kann er das vielleicht gar nicht anwenden. Auch sein Arbeitgeber bemüht sich sehr, ihn im Betrieb zu halten. Wir haben das im Krisenjahr 2009 gesehen, als Firmen trotz Produktionsrückgang und Umsatzeinbrüchen ihre Belegschaft gehalten haben.

Wie sieht es im öffentlichen Dienst aus, ist das noch der sichere Hafen?

Dort ist die Fluktuation erstaunlich hoch, weit höher sogar als in der Privatwirtschaft. Vor allem Berufseinsteiger bekommen oftmals nur einen befristeten Vertrag. Aber die Unterschiede innerhalb dieses Sektors sind groß. In den Verwaltungsbehörden werden pro Jahr lediglich 13 Prozent der Arbeitsplätze neu besetzt.

Und wo ist die Fluktuation sehr hoch?

Mit großem Abstand bei Zeitarbeitsfirmen, was ja auf der Hand liegt. Denn viele Beschäftigungsverhältnisse sind darauf ausgelegt, Lücken zu füllen. Sehr hoch ist die Fluktuation auch in der Landwirtschaft oder der Gastronomie. Rechnerisch wechseln dort jedes Jahr zwei von drei Mitarbeitern. Weil generell in vielen Dienstleistungsbereichen die Qualifikationsanforderungen nicht besonders hoch sind, kann man ohne lange Einarbeitung bei einem anderen Arbeitgeber anfangen. Entsprechend niedrig ist die Hemmschwelle für einen Wechsel.

Ist dort, wo wenige Qualifikationen notwendig sind, die Fluktuation also immer hoch - und umgekehrt?

Die Gleichung stimmt nicht immer. Eine große Ausnahme ist etwa der Wissenschaftsbetrieb - Universitäten, wissenschaftliche Einrichtungen. Hier arbeiten sehr viele Hochqualifizierte. Aber jeder Zweite hat nur einen befristeten Vertrag. Die werden zwar erneuert oder verlängert, aber selten entfristet. Die Fluktuation ist dadurch sehr hoch. Mehr Perspektiven für die Mitarbeiter könnten da nicht schaden. Ich würde aber nicht grundsätzlich sagen, dass eine Branche klüger oder besser ist als die andere, nur weil sie eine niedrige Fluktuation hat. Das ergibt sich immer aus den speziellen Gegebenheiten. Prinzipiell ist die Bereitschaft, den Job zu wechseln, und damit die Fluktuationsrate in den Unternehmen in den letzten Jahren gestiegen.

Zum Interview auf sueddeutsche.de

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