Die meisten Steuersätze ändern sich zwar im Zeitablauf nur wenig oder gar nicht. Andere Abgaben, insbesondere solche auf den Stromverbrauch, unterliegen hingegen großen Veränderungen. Namentlich EEG-Umlage und Netzentgelte sind zuletzt deutlich angestiegen. Die Höhe der EEG-Umlage hat sich seit 2010 verdreifacht. Angesichts des geplanten weiteren Ausbaus Erneuerbarer Energien und der notwendigen Investitionen in eine adäquate Netzinfrastruktur wird die Belastung in den nächsten Jahren weiter steigen.

Unternehmen in mittelständisch geprägten Branchen, die zwar einerseits nicht unter die Kriterien für besonders energieintensive Unternehmen fallen, für die andererseits die Energiekosten dennoch einen wesentlichen Kostenfaktor darstellen, sind von den steigenden Kosten besonders betroffen. Denn der Großteil dieser Unternehmen kann nur in wenigen Fällen Ausnahmeregelungen oder Ermäßigungen von der staatlichen Abgabenbelastung in Anspruch nehmen. Die Untersuchung der Entwicklung der Energieverbräuche, -preise und -ausgaben der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes zeigt folgende Ergebnisse:

  • Die Energiebeschaffungskosten, also der Energieverbrauch multipliziert mit den energieträgerspezifischen Preisen ohne Abgaben, sind im Zuge der Erholung von der Finanzkrise von 2008 zunächst gestiegen, jedoch seit 2012 rückläufig.
  • Die Gesamtausgaben, die Unternehmen für ihren Energieverbrauch tatsächlich aufwenden müssen, vollziehen diese Entwicklung nicht nach, sie verharren in den letzten Jahren auf hohem Niveau.
  • Die wachsende Differenz zwischen Energiebeschaffungskosten und tatsächlichen Gesamtausgaben korrespondiert mit dem Anstieg der EEG-Umlage und der Netzentgelte in den letzten Jahren.
  • Für Unternehmen in mittelständisch geprägten Branchen ist die Differenz zwischen den Energiebeschaffungskosten und den tatsächlichen Energiegesamtausgaben relativ stärker ausgeprägt als im verarbeitenden Gewerbe insgesamt. Zwischen 2009 und 2014 wuchs die Differenz im verarbeitenden Gewerbe insgesamt um 18 Prozent. In den mittelständisch geprägten Branchen betrug der Anstieg im selben Zeitraum 70 Prozent.
  • Unternehmen, die nicht unter die Kriterien für energieintensive Unternehmen fallen, zahlen die volle EEG-Umlage. Diese Unternehmen sind nicht nur mit einer besonders hohen, sondern dazu noch steigenden Abgabenbelastung konfrontiert. Am deutlichsten trifft das die Unternehmen mit hohem Stromverbrauchsanteil.

Für Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben wollen, bedeutet dies einen gravierenden Nachteil, denn ihre Konkurrenten im Ausland sind nicht der gleichen steigenden Abgabenbelastung ausgesetzt wie sie selbst. Bei zu erwartenden steigenden Energiepreisen sehen sich deutsche mittelständische Unternehmen einer doppelten Belastung ausgesetzt: steigende Strombeschaffungskosten und wachsende Abgabenbelastung. Ihre Konkurrenten im internationalen Wettbewerb dagegen haben lediglich die Belastung höherer Strompreise zu tragen. Dieser Wettbewerbsnachteil wirkt sich auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen aus. Denn für viele der in Deutschland ansässigen mittelständischen Unternehmen wird es nicht nur grundsätzlich schwieriger Investitionen zu finanzieren; zudem wird es für die Unternehmen attraktiver, die Produktion an Standorten mit geringeren Kostenrisiken auszubauen und vorrangig außerhalb Deutschlands zu investieren.

Eine Kurzstudie für den Bundesverband die Deutschen Gießerei-Industrie, den Bundesverband Keramische Industrie, den Fachverband Anlagenbau, den Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie, den Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, den Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie und den Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung

Thilo Schaefer: Energiekostenbelastung mittelständisch geprägter Branchen in Deutschland – Analyse von Verbräuchen, Preisen und Abgaben

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