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IW-Report Nr. 1 2. Januar 2024 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die deutsche Wirtschaft

Der Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel hat die Welt erschüttert. Jenseits der damit verbundenen humanitären Krise, die Millionen von Menschenleben betrifft, hinterlässt der Nahostkonflikt auch dauerhafte Spuren auf das Wirtschaftsgeschehen, zuerst in der betroffenen Region, aber auch in Deutschland und der Welt insgesamt. Der vorliegende Report erörtert die verschiedenen Kanäle, über die sich der Konflikt auf die deutsche Wirtschaft auswirken kann.

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Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die deutsche Wirtschaft
IW-Report Nr. 1 2. Januar 2024 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls

Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die deutsche Wirtschaft

Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel hat die Welt erschüttert. Jenseits der damit verbundenen humanitären Krise, die Millionen von Menschenleben betrifft, hinterlässt der Nahostkonflikt auch dauerhafte Spuren auf das Wirtschaftsgeschehen, zuerst in der betroffenen Region, aber auch in Deutschland und der Welt insgesamt. Der vorliegende Report erörtert die verschiedenen Kanäle, über die sich der Konflikt auf die deutsche Wirtschaft auswirken kann.

So führte der geopolitische Konflikt im Oktober 2023 zu Turbulenzen sowohl auf den Finanzmärkten als auch auf dem Ölmarkt. Gestiegene Risikoaufschläge erhöhten die Finanzierungskosten für verschuldete Staaten, die steigende Unsicherheit trieb viele Investoren in die Suche nach sicheren Häfen, was sich etwa in einem dauerhaft höheren Goldpreis spiegelte. Das bereits durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gestiegene Risiko einer Blockbildung in der Weltwirtschaft nimmt eine neue Dimension an, was das auf internationaler Arbeitsteilung aufgebaute Geschäftsmodell vieler deutscher Unternehmen erneut erschüttert. Auf dem Ölmarkt hat sich zwar die Lage etwas beruhigt, doch es ist bereits wieder die Diskussion um einen drohenden neuen Ölpreisschock entbrannt. Modellsimulationen mithilfe des Global Economic Model von Oxford Economics zeigen, dass ein Anstieg des Ölpreises auf 150 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent mit einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung in Deutschland in Höhe von etwa 1 Prozent und einem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,3 Prozent innerhalb von zwei Jahren verbunden wäre. Doch die Ergebnisse der vorliegenden Analyse verdeutlichen auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios sehr gering ist. Die Ölintensität der gesamtwirtschaftlichen Produktion ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken und Europa und die USA sind deutlich weniger abhängig von Öllieferungen aus dem Persischen Golf, als es in den 1970er Jahren noch der Fall war. Dies wiederum macht den Einsatz der „Ölwaffe“ wenig wahrscheinlich.

Vor allem die schwächelnde Weltwirtschaft und der damit verbundene Rückgang der Ölnachfrage haben bereits wenige Wochen nach Beginn des Konflikts den Ölpreis erheblich gesenkt und die Prognosen gehen zunächst von einem deutlich geringeren Ölpreis aus als der, dessen Auswirkungen in dem oben genannten Extremszenario untersucht wurde. Dennoch bleibt die angespannte geopolitische Lage ein wichtiger Bremsklotz für die Erholung der Wirtschaft, sowohl in Deutschland als auch weltweit. Denn die unsichere geopolitische und wirtschaftliche Lage bremst die Investitionstätigkeit vieler Unternehmen aus. Somit bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen sich in den kommenden Monaten noch materialisieren werden, wenngleich die kurzfristigen Volatilitäten in den Märkten überstanden zu sein scheinen.

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