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Wido Geis-Thöne IW-Nachricht 31. Juli 2015

Fachkräfteengpässe: Wie Deutschland genügend Zuwanderer gewinnen kann

Deutschland wird in den kommenden Jahren auf qualifizierte Arbeiter aus dem Ausland angewiesen sein. Laut einer Studie des IAB müssten etwa 400.000 Menschen pro Jahr zuwandern, um den Fachkräftebedarf zu decken. Doch damit das passiert, muss sich im Land einiges ändern.

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Auch wenn die demografischen Vorzeichen derzeit nicht allzu schlecht stehen, haben viele Unternehmen bereits heute Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. In den nächsten Jahren drohen noch deutlich massivere Engpässe, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen.

Zuwanderung könnte diesen Effekt abfedern. Das Institut für Berufs- und Arbeitsmarktforschung (IAB) schätzt den Bedarf auf 400.000 Zuwanderer im Jahr. Realistisch sei aber nur eine Nettozuwanderung von rund 200.000 Personen, sagte IAB-Migrationsexperte Herbert Brücker der Rheinischen Post. Um mehr Arbeitnehmer aus dem Ausland zu gewinnen und diese in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, ist eine Reihe an Maßnahmen notwendig:

  • Modernisierung des Zuwanderungsrechts: Deutschland muss vermehrt um Fachkräfte aus dem außereuropäischen Ausland werben, da der demografische Wandel auch andere EU-Länder trifft. Dafür ist ein modernes Einwanderungsrecht notwendig. Deutschland hat in den vergangenen Jahren eine Reihe neuer Zugangswege für Fachkräfte aus dem Ausland geöffnet, wie zum Beispiel die Blaue Karte EU. Ohne konkretes Stellenangebot finden Drittstaatenangehörigen aber immer noch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Zudem ist das deutsche Zuwanderungsrecht an vielen Stellen so komplex, dass selbst Experten nur schwer einschätzen können, ob und unter welchen Bedingungen Bewerber einen Aufenthaltstitel erhalten können.
  • Öffnung des beruflichen Bildungssystems für junge Menschen aus dem Ausland: Besonders bei den beruflich qualifizierten Fachkräften drohen in den nächsten Jahren große Engpässe. Gleichzeitig können diese aufgrund der unterschiedlichen Bildungssysteme nicht so leicht aus dem Ausland gewonnen werden. Daher muss das berufliche Bildungssystem für junge Zuwanderer weiter geöffnet werden. Drittstaatenangehörige sollten beispielsweise leichter Zugang zu passgenauen Sprachkurs-, Nachqualifizierungs- und Betreuungsangeboten erhalten.
  • Etablierung einer gelebten Willkommenskultur: Um Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, ist nicht nur der rechtliche Rahmen von Belang – entscheidend ist, dass sich ausländische Fachkräfte in Deutschland wertgeschätzt und wohl fühlen. Um dies zu erreichen, sind viele kleine Schritte notwendig, etwa gezielte Informationsangebote für potenzielle Zuwanderer, eine offene Servicekultur in den zuständigen Behörden und Rücksichtnahme auf besondere Bedürfnisse der Zuwanderer im alltäglichen Leben.
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