1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Kein Freibrief für die Sozialpolitik
Zeige Bild in Lightbox Kein Freibrief für die Sozialpolitik
(© Foto: Alexander Raths - Fotolia)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Altersarmut IW-Nachricht 19. November 2014

Kein Freibrief für die Sozialpolitik

Der Anteil der armutsgefährdeten Älteren in Deutschland hat zugenommen. Das sollte nicht bagatellisiert werden. Umgekehrt legitimieren die Zahlen aber keine Sozialpolitik mit der Gießkanne: Damit Hilfen dort ankommen, wo sie tatsächlich benötigt werden, müssen auch die Haushaltssituation und das Vermögen berücksichtigt werden.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes klingen besorgniserregend: Der Anteil der Menschen, die von Altersarmut bedroht sind, ist gestiegen. Ob 12,5 Prozent der Generation 65plus im Osten oder 14,8 Prozent im Westen – das ist zwar weniger als der Bevölkerungsdurchschnitt mit 15,5 Prozent, aber erscheint immer noch intolerabel.

Ohne den Tatbestand der Altersarmut bagatellisieren zu wollen, lohnt es aber, die Frage zu stellen, was dieser Wert überhaupt besagt. Denn als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens verfügt. Hinter dieser komplizierten Formulierung verbirgt sich zweierlei:

  • Zum einen wird die Haushaltssituation berücksichtigt. Das macht Sinn, weil zwei Personen in einem Haushalt gemeinsam wirtschaften können und deshalb für den gleichen Wohlstand weniger Einkommen benötigen als zwei Singles.
  • Zum anderen kann man aus zwei Gründen unter die Armutsgefährdungsgrenze fallen: Entweder, weil das eigene Einkommen gering ist. Oder, weil das mittlere Einkommen stärker gestiegen ist als das eigene. Welcher Effekt die aktuelle Entwicklung der Quote treibt – darüber vermag der Wert alleine nichts auszusagen. Hier bedarf es weiterer Forschung.

Vor Schnellschüssen muss noch aus einem weiteren Grund gewarnt werden. Denn die Vermögensausstattung der Älteren bleibt in der Betrachtung der Armutsgefährdung außen vor. Das kann zu Trugschlüssen führen: Wer zum Beispiel seine betriebliche Altersvorsorge nicht als monatliche Rente bezieht, sondern sich das Kapital auf einen Schlag auszahlen lässt, der weist in der Statistik ein geringeres Einkommen aus. Das wiederum kann die statistisch ermittelte Armutsgefährdung erheblich verzerren, denn die Vermögensausstattung der Älteren ist durchaus beachtlich.

Wie aber kann dann denjenigen geholfen werden, die der Hilfe tatsächlich bedürfen? Mit der Gießkanne a la Mütterrente sicherlich nicht, denn die Gesetzliche Rentenversicherung berücksichtigt weder den Haushaltskontext noch die übrige Einkommens- und Vermögensausstattung. Erst die bedürftigkeitsgeprüfte Grundsicherung kann sicherstellen, dass Hilfen wirklich dahin fließen, wo sie benötigt werden.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Wohlstand für alle?
Maximilian Stockhausen / Kai Maiworm Pressemitteilung 25. September 2021

Wohlstand für alle?

Im Wahlkampf behaupten Politiker gerne, die Armen würden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Tatsächlich ist die Verteilung aber seit Jahren stabil, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): In den Jahren vor der Corona-Pandemie ...

IW

Artikel lesen
Matthias Diermeier / Judith Niehues IW-Trends Nr. 3 15. September 2021

Parlamentarische Verfahrensakzeptanz im Licht individueller Problemwahrnehmung

Eine lebendige Demokratie lebt vom Ringen unterschiedlicher Anspruchsgruppen um die themenspezifische Meinungshoheit. Der institutionalisierte Prozess des Interessenausgleichs und des Anhörens gegenteiliger Standpunkte braucht jedoch Zeit. Die Akzeptanz eben ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880