1. Home
  2. Themen
  3. Verteilung und öffentliche Finanzen
  4. Rente, Pflege, Kranken- und Arbeitslosenversicherung
Inhaltselement mit der ID 18

Rente, Pflege, Kranken- und Arbeitslosenversicherung

Die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland haben mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung eines gemeinsam: ein Demografieproblem.

Über das Thema

- Beispielsweise die Rentenversicherung: 2020 kommen auf 100 Beitragszahler 57 Rentner; im Jahr 2030 dürften es 67 sein, im Jahr 2050 etwa 77. Die Beitragssätze müssten deshalb steigen – oder die Rentner weniger Geld beziehen. Um die steigenden Lasten der Alterssicherung fair auf Beitragszahler und Rentner zu verteilen, wurden in den letzten Jahrzehnten immer wieder Anpassungen an der umlagefinanzierten Rentenversicherung vorgenommen. Dazu gehören die Riester-Rente, der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel, mit dem der demografische Wandel berücksichtigt wird, und – seit dem Jahr 2012 – die Rente mit 67. Die Mütterrente und die abschlagfreie Rente mit 63 Jahren für langjährige Versicherte werden die Rentenkasse jedoch wieder stärker belasten.

- Auch in der umlagefinanzierten Pflegeversicherung droht ein demografisch bedingtes Finanzierungsproblem, denn bereits bis 2030 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen von heute 4,1 auf dann rund 4,5 bis 5 Millionen Menschen erhöhen – weitere Tendenz steigend. Auch deshalb werden die benötigten Pflegekräfte und Heimplätze zunehmend knapp. Doch statt die Pflegeversicherung demografiefest zu machen, hat die Politik bislang vor allem neue Leistungsansprüche beschlossen. Einen Ausweg aus dem Dilemma steigender Beitragssätze für nachfolgende Generationen bietet der Umstieg auf ein teilweise kapitalgedecktes System, das die Menschen verpflichtet, für die eigene Pflege vorzusorgen.

- Die Krankenkassen stehen unter Druck: In den vergangenen Jahrzehnten konnten die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen nur über höhere Beitragssätze mit den steigenden Ausgaben Schritt halten. Die alternde Bevölkerung und der medizinische Fortschritt werden die Gesundheitsausgaben künftig weiter in die Höhe treiben. Die Gründe für die ausufernden Ausgaben liegen auch im System: Für die Versicherten zahlt sich Kostenverantwortung bislang nicht aus, denn den persönlichen Beitrag beeinflusst sie nicht. Würde sich die das eigene Verhalten stärker im Portemonnaie der Patienten niederschlagen, hätten sie ein größeres Interesse, bei gleicher Leistung einen Tarif mit effizienterem Versorgungsmanagement zu wählen.

Deshalb sollten die Versicherungsbeiträge je nach Wahl der Leistungsanbieter unterschiedlich hoch ausfallen dürfen. Dazu sollte an die Stelle des derzeitigen einkommensabhängigen Krankenkassenbeitrags mindestens ein anteiliger Versicherungsbeitrag treten. Für Einkommensschwache könnte der Versicherungsschutz über einen steuerfinanzierten Transfer sichergestellt werden. Langfristig führt aber auch in der Kranken- und Pflegeversicherung kaum ein Weg an ergänzender Privatvorsorge vorbei.

- Die Arbeitslosenversicherung dient dazu, Menschen, die arbeitslos werden, einen Teil ihres entgangenen Einkommens zu ersetzen, so dass sie keine materielle Not leiden müssen. Arbeitslose erhalten in der Regel ein Jahr lang 60 Prozent des zuletzt erzielten Nettoeinkommens – wenn sie Kinder haben sogar 67 Prozent. Die Leistungen werden hauptsächlich aus einkommensabhängigen Beiträgen finanziert, die je zur Hälfte die Versicherten und ihre Arbeitgeber aufbringen. Steigt in einer Rezession die Arbeitslosigkeit, wird die Arbeitslosenversicherung durch sinkende Einnahmen und wachsende Ausgaben doppelt belastet. Erholt sich die Beschäftigung wieder, läuft es genau umgekehrt: Die Beitragseinnahmen der Versicherung steigen und die Ausgaben sinken.

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Artikel lesen
Der Krankenstand in Deutschland
Fehlzeiten iwd 16. Januar 2023

Der Krankenstand in Deutschland

Der Krankenstand 2021 verbleibt wie im Vorjahr auf stabilem Niveau, obwohl die Corona-Variante Omikron für deutlich mehr Ausfälle in den Belegschaften gesorgt hat. Im Schnitt war jeder Arbeitnehmer in Deutschland für 18,2 Tage krankgeschrieben, das geht aus der Auswertung der neuesten Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen hervor. Weitere Daten und Fakten ...

iwd

Artikel lesen
„Versicherungsmathematisch faire” Abschläge bei vorgezogenem Rentenbezug – eine systematische Betrachtung der Budget-, Belastungs- und Anreizneutralität
Jochen Pimpertz IW-Trends Nr. 4 2. Januar 2023

„Versicherungsmathematisch faire” Abschläge bei vorgezogenem Rentenbezug

Die Forderung nach „versicherungsmathematisch fairen“ Abschlägen bei vorgezogenem Renteneintritt suggeriert, dass der Vorruhestand ohne Zusatzlasten organisiert werden kann.

IW

Artikel lesen
Wer geht abschlagsfrei vorzeitig in den Ruhestand?
Ruth Maria Schüler IW-Kurzbericht Nr. 98 10. Dezember 2022

„Rente mit 63”: Wer geht abschlagsfrei vorzeitig in den Ruhestand?

Im Jahr 2021 gingen 26,3 Prozent aller Neurentner:innen vorzeitig abschlagsfrei in Rente. Diese Versicherten haben mindestens 45 Versicherungsjahre erreicht und können somit vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in den Ruhestand eintreten. Eine Untersuchung ...

IW

Artikel lesen
Michael Hüther / Jochen Pimpertz in Zeitschrift für Wirtschaftspolitik Externe Veröffentlichung 17. November 2022

Wider eine verpflichtende Aktienrente – auch Vermögen sichert Wohlstand im Alter

Eine verpflichtende Vorsorge in Form einer kapitalgedeckten Zusatzrente wird unter anderem damit begründet, Freifahrerverhalten zu vermeiden. Verzichten Individuen freiwillig auf die Möglichkeit ergänzender Vorsorge, drohe eine ungerechtfertigte ...

IW

Unsere Experten

Person ansehen
Björn Kauder

Dr. Björn Kauder

Senior Economist für Finanz- und Steuerpolitik

Tel: 0221 4981-516
Person ansehen
Jochen Pimpertz

Dr. Jochen Pimpertz

Leiter des Clusters Staat, Steuern und Soziale Sicherung

Tel: 0221 4981-760
Person ansehen
Holger Schäfer

Holger Schäfer

Senior Economist für Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Tel: 030 27877-124
Person ansehen
Ruth Maria Schüler

Dr. Ruth Maria Schüler

Economist für Soziale Sicherung und Verteilung

Tel: 0221 4981-885
Inhaltselement mit der ID 8793

Alle Beiträge

573 Ergebnisse
Artikel lesen
Der Krankenstand in Deutschland
Fehlzeiten iwd 16. Januar 2023

Der Krankenstand in Deutschland

Der Krankenstand 2021 verbleibt wie im Vorjahr auf stabilem Niveau, obwohl die Corona-Variante Omikron für deutlich mehr Ausfälle in den Belegschaften gesorgt hat. Im Schnitt war jeder Arbeitnehmer in Deutschland für 18,2 Tage krankgeschrieben, das geht aus der Auswertung der neuesten Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen hervor. Weitere Daten und Fakten zum Krankenstand in Deutschland finden Sie in unseren interaktiven Grafiken.

iwd

Studie lesen
„Versicherungsmathematisch faire” Abschläge bei vorgezogenem Rentenbezug – eine systematische Betrachtung der Budget-, Belastungs- und Anreizneutralität
IW-Trends Nr. 4 2. Januar 2023

„Versicherungsmathematisch faire” Abschläge bei vorgezogenem Rentenbezug

Jochen Pimpertz

Die Forderung nach „versicherungsmathematisch fairen“ Abschlägen bei vorgezogenem Renteneintritt suggeriert, dass der Vorruhestand ohne Zusatzlasten organisiert werden kann.

IW

Studie lesen
Wer geht abschlagsfrei vorzeitig in den Ruhestand?
IW-Kurzbericht Nr. 98 10. Dezember 2022

„Rente mit 63”: Wer geht abschlagsfrei vorzeitig in den Ruhestand?

Ruth Maria Schüler

Im Jahr 2021 gingen 26,3 Prozent aller Neurentner:innen vorzeitig abschlagsfrei in Rente. Diese Versicherten haben mindestens 45 Versicherungsjahre erreicht und können somit vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in den Ruhestand eintreten. Eine Untersuchung anhand der Daten des Sozio-Oekonomischen Panels und der Deutschen Rentenversicherung zeigt, dass vor allem Personen mit einem mittleren Haushaltseinkommen die Möglichkeit wahrnehmen, vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in Rente zu gehen.

IW

Studie lesen
Wider eine verpflichtende Aktienrente – auch Vermögen sichert Wohlstand im Alter
Externe Veröffentlichung 17. November 2022

Wider eine verpflichtende Aktienrente – auch Vermögen sichert Wohlstand im Alter

Michael Hüther / Jochen Pimpertz in Zeitschrift für Wirtschaftspolitik

Eine verpflichtende Vorsorge in Form einer kapitalgedeckten Zusatzrente wird unter anderem damit begründet, Freifahrerverhalten zu vermeiden. Verzichten Individuen freiwillig auf die Möglichkeit ergänzender Vorsorge, drohe eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme steuerfinanzierter Hilfen im Alter. Diese Argumentation vermag nicht zu überzeugen.

IW

Artikel lesen
IW-Direktor Michael Hüther
Michael Hüther in der Wirtschaftswoche Interview 12. November 2022

Sozialsystem unter Druck: „Wir sollten 100 Stunden mehr im Jahr arbeiten”

Die Demografie setzt die Sozialkassen unter Druck, die Arbeitskosten steigen. Das liege auch am Versagen der Politik, rügt IW-Direktor Michael Hüther im Interview mit der Wirtschaftswoche – und schlägt unpopuläre Reformen vor.

IW

Inhaltselement mit der ID 8880