Seit ihren Gründungstagen hat die EU das Angleichen nationaler Lebensstandards auf hohem Niveau zu einem Kernziel der europäischen Integration gemacht (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, 1957; Europäische Union, 1992). Aus dieser Zielsetzung heraus begründet sich auch die Finanzierung der Europäischen Kohäsionspolitik, die immerhin 34 Prozent des europäischen Budgets ausmacht (Darvas/Wolff, 2018). Gerade für weniger wirtschaftsstarke Länder sind die Kohäsionsmittel von besonderer Bedeutung: Allein die Zuweisungen der EU-Gelder an Rumänien im Förderungszeitraum 2014–2020 betragen insgesamt rund 31 Milliarden Euro – bei einem rumänischen Bruttoinlandsprodukt von rund 170 Milliarden Euro.

Die hohe Bedeutung der Konvergenzperspektive für ärmere Mitgliedstaaten sowie die großen Zahlungen der reicheren Länder begründen ein erhebliches Evaluationsinteresse. Dabei hat sich die kausale Analyse der Kohäsionspolitik als außerordentlich schwierig dargestellt – auch weil zuallererst die Frage nach einem Maß für die Vereinheitlichung der Lebensverhältnisse beantwortet werden muss. Eine wichtige Messzahl zur Evaluation der Konvergenzanstrengungen ist das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt. Ausgehend von der Idee, dass ärmere Länder ein überdurchschnittliches Wachstum benötigen, um zu reicheren Ländern aufzuschließen, stellt die Abbildung die sogenannte β-Konvergenz dar. Gemäß diesem Maß findet im Großen und Ganzen Konvergenz innerhalb der EU statt, wenn der ärmere Süden und Osten schneller wachsen als der reichere Westen und Norden.

Historisch betrachtet hat – gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf – innerhalb der EU-15 tatsächlich ein solcher Konvergenzprozess stattgefunden. Seit den 1950er Jahren ist die Wirtschaftsleistung in den vergleichsweise armen Ländern Südeuropas – Griechenland, Portugal und Spanien – besonders stark gestiegen, am niedrigsten war das Wachstum im reichen Dänemark. Insbesondere bis in die 1980er Jahre sind die EU-15 stärker zusammengerückt (Goecke, 2013).

Mit dem Eintritt der osteuropäischen Länder in die EU-Familie – deren Einkommensniveaus zum Teil weit unter denjenigen Südeuropas liegen – hat sich der Referenzrahmen der Analyse grundlegend verschoben. Und tatsächlich zeigt sich auf den ersten Blick zwischen 1999 und 2016 ein solides Aufholwachstum der baltischen und osteuropäischen Länder gegenüber dem EU-Durchschnitt, das jedoch durch sehr hohe Wachstumsraten im Vorkrisenzeitraum getrieben wird. Auffällig ist neben der durch die Finanz- und Wirtschaftskrise bedingten schwachen Performance Griechenlands das desaströse Abschneiden Italiens. Im kaufkraftbereinigten Vergleich zwischen 1999 und 2016 verliert Italien gegenüber dem Durchschnitt der EU-28 ganze 25 Prozent (del Hoyo et al., 2017).

Dabei haben sich die Einkommensperspektiven nicht überall in Italien verschlechtert. Dass es den in-
dustriestarken Regionen Norditaliens verhältnismäßig gut ergangen ist, vernachlässigt die Betrachtung der Länderaggregate. Um den Unterschieden innerhalb der Länder gerecht zu werden, ist daher eine differenzierte Betrachtung der regionalen Wirtschaftslage vonnöten. Auf regionaler Ebene bietet sich die Betrachtung der sogenannten NUTS-3 Kategorisierung der EU-Länder an (Goecke/Hüther, 2016). In Deutschland ergibt sich diese Einteilung aus den 402 Landkreisen und kreisfreien Städten, in Italien aus den 110 provincias, in Frankreich aus den 101 départements. Insgesamt ist die EU in 1.341 NUTS-3 Regionen unterteilt (NUTS-2013-Klassifikation).