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Helen Hickmann / Ruth Maria Schüler IW-Kurzbericht Nr. 85 13. November 2021 Die 20 lukrativsten Berufe für junge Fachkräfte

Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen. Eine Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass Berufe im Metall- und Elektrobereich für junge Fachkräfte besonders lukrativ sein können.

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Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen. Eine Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass Berufe im Metall- und Elektrobereich für junge Fachkräfte besonders lukrativ sein können.

Das monatliche Median-Vollzeitgehalt junger sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer unter 30 Jahren lag 2020 bei knapp 2.900 Euro brutto (BA, 2021). Die Bundesagentur für Arbeit unterscheidet die Berufe von formal qualifizierten Beschäftigten anhand folgender drei Anforderungsniveaus: Fachkraftberufe setzen in der Regel eine (duale) Ausbildung voraus. Spezialisten qualifizieren sich zumeist durch einen Meister-, Techniker- oder Bachelor-Abschluss während Expertenberufe häufig einen Master oder ein Diplom erfordern. Im Segment der Fachkräfte mit Berufsausbildung finden sich viele Berufe, in denen junge Arbeitnehmer Entgelte erzielen können, die deutlich über dem mittleren Gehalt aller Beschäftigten dieser Altersgruppe liegen.

In den Top 5 der Fachkraftberufe mit den höchsten Bruttomedianlöhnen 2020 rangieren die Technische Produktionsplanung und -steuerung auf Platz 1, die Luft- und Raumfahrttechnik auf Platz 2, die Versicherungs- und Finanzdienstleistungen auf Platz 3, die Chemie- und Pharmatechnik auf Platz 4 und schließlich der Brandschutz auf Platz 5 (Abbildung 1). In diesen Berufen verdienten junge Fachkräfte im Alter von unter 30 Jahren bereits ein monatliches Bruttoentgelt von mehr als 4.000 Euro (Median).

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Die Hälfte der 20 Fachkraftberufe mit den höchsten Bruttomediangehältern zählt zu den Metall- und Elek-troberufen. Mit den Berufen in der Technischen Produktionsplanung und der Luft- und Raumfahrttechnik nehmen gleich zwei Berufe der Branche die ersten beiden Plätze ein.

Wenn der Arbeitsmarkt ein perfekter Markt wäre, müssten Arbeitsangebot und -nachfrage den Preis für Arbeit bestimmen und demzufolge Berufe mit sehr hohem Fachkräftebedarf höhere Löhne aufweisen und damit mehr Fachkräfte anziehen. Ein Blick auf die Fachkräfteengpässe in den 20-Topverdiener-Berufen zeigt jedoch, dass sich in dieser Liste sowohl Berufe mit zum Teil deutlichen Engpässen finden als auch solche, bei denen keine Fachkräftelücke besteht. So lag trotz überdurchschnittlichem Gehalt die Stellenüberhangsquote, welche den Anteil der offenen Stellen angibt, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt, in der Elektrischen Betriebstechnik und der Automatisierungstechnik über 60 Prozent (Abbildung). In der Energie- und Kraftwerkstechnik sowie der Hüttentechnik lagen hingegen keine Engpässe vor. Diese Beobachtung deckt sich mit den Erkenntnissen aus der Literatur, dass Löhne in Fachkraftberufen weniger stark von Angebot und Nachfrage abhängen als zum Beispiel Löhne in Expertenberufen (Burstedde/Schüler, 2020; Arnold et al., 2017). Das liegt zum einen daran, dass in Fachkraftberufen häufig institutionelle Mechanismen die Lohnfindung mitbestimmen. Der nicht-systematische Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Fachkräfteengpässen ist darüber hinaus ein Hinweis darauf, dass die Lohnhöhe nur einer von vielen Aspekten ist, der in diesem Segment des Arbeitsmarkts über die Attraktivität eines Berufs entscheidet.

Dass neben dem Lohn auch weitere Faktoren die Attraktivität von Berufen beeinflussen, zeigt sich auch für die zehn Ausbildungsberufe, in denen der Anteil unversorgter Bewerber an allen gemeldeten Bewerbern 2020 am höchsten war. Für acht dieser zehn Berufe liegt das mittlere Entgelt unter 2.500 Euro brutto und somit auch deutlich unter dem Medianentgelt der unter 30-jährigen Arbeitskräfte insgesamt, welches bei knapp 2.900 Euro brutto liegt. So verdienten Tierpfleger ein monatliches Medianentgelt von knapp 2.100 Euro, Fotografen lagen mit gut 2.000 Euro noch etwas darunter und auch der von Bewerbern stark nachgefragte Ausbildungsberuf Film- und Videoeditor blieb immer noch knapp unter der 2.500-Euro-Marke.

Während es aus arbeitsmarkttheoretischer Perspektive konsistent ist, dass sich für Berufe, in denen es ein Überangebot an Bewerbern gibt, niedrigere Löhne ergeben, verdeutlicht die Beobachtung, dass die späteren Verdienstmöglichkeiten bei der Wahl des Ausbildungsberufs nur eine untergeordnete Rolle spielen. Andere Kriterien wie die Möglichkeit, Interessen und Begabungen beruflich zu realisieren, die Bekanntheit sowie der soziale Status des Ausbildungsberufs und die subjektiv empfundene Passung des gewählten Berufs zur sozialen Schicht beeinflussen die Berufswahl teils sehr viel stärker als der zu erwartende Verdienst (Reichenbach, 2001).

Der deutsche Arbeitsmarkt ist stark beruflich segmentiert, weswegen Fachkräfteengpässe in einem Beruf nicht einfach durch ein Überangebot an Fachkräften anderer Berufe ausgeglichen werden können (Edler et al., 2015). Die deskriptive Betrachtung der 20 lukrativsten Fachkraftberufe gibt Hinweise darauf, dass der Lohn für die Attraktivität eines Ausbildungsberufs nicht primär ausschlaggebend ist. So werden in vielen industriellen Kernberufen wie etwa in den Metall- und Elektroberufen, in denen ein Fachkräftemangel besteht, überdurchschnittlich hohe Löhne gezahlt, und das bereits seit vielen Jahren. Da die Berufswahl auch davon bestimmt wird, welche Berufe einen höheren Bekanntheitsgrad haben, wäre es wichtig, Berufe mit Engpässen und guten Verdienst- und Karrieremöglichkeiten in der Berufsorientierung stärker bekannt zu machen.

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Zahl der unversorgten Ausbildungsbewerber gestiegen und das auch in Engpassberufen wie der Elektrischen Betriebstechnik und der Automatisierungstechnik. Zwar sind die Fachkräfteengpässe im Jahr 2020 in den meisten Topverdiener-Berufen gesunken, doch mit zunehmender Erholung der Wirtschaft ist zu erwarten, dass die Fachkräftelücken schon bald wieder das Vorkrisenniveau erreichen, wie es bereits 2021 bei den Expertenberufen der Fall war (Burstedde et al., 2021). Demografisch bedingt wird dies allerdings mit einem niedrigeren Angebot an Fachkräften einhergehen. Schon bestehende Engpässe könnten sich also verschärfen.

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