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Alexander Burstedde / Helen Hickmann / Sebastian Schirner / Dirk Werner IW-Report Nr. 25 24. Juli 2021 Ohne Zuwanderung sinkt das Arbeitskräftepotenzial schon heute

Der demografische Wandel ist schon lange absehbar, hat jedoch nicht immer zu einer vorausschauenden Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen geführt. Diese Studie zeigt auf, dass der demografische Wandel sich gerade noch einmal deutlich beschleunigt und damit ein entschlossenes und zeitnahes Handeln erfordert. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter könnte ab sofort flächendeckend sinken, wenn dies nicht durch Zuwanderung kompensiert wird.

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Ohne Zuwanderung sinkt das Arbeitskräftepotenzial schon heute
Alexander Burstedde / Helen Hickmann / Sebastian Schirner / Dirk Werner IW-Report Nr. 25 24. Juli 2021

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Der demografische Wandel ist schon lange absehbar, hat jedoch nicht immer zu einer vorausschauenden Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen geführt. Diese Studie zeigt auf, dass der demografische Wandel sich gerade noch einmal deutlich beschleunigt und damit ein entschlossenes und zeitnahes Handeln erfordert. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter könnte ab sofort flächendeckend sinken, wenn dies nicht durch Zuwanderung kompensiert wird.

Diese Studie analysiert die Altersstruktur in allen 401 Stadt- und Landkreisen Deutschlands. In allen Regionen ist die Gruppe der 60- bis 64-Jährigen größer als die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen. Die Älteren werden bei ihrem Renteneintritt also eine Lücke am Arbeitsmarkt hinterlassen, die die jeweils ortsansässigen Jüngeren nicht vollständig schließen können. Ohne Zuwanderung könnte es deswegen von 2019 bis 2024 in allen Regionen mehr Renteneintritte als Arbeitsmarkteintritte geben. Dies ist als Gedankenexperiment zu verstehen und nicht als Prognose, da in der Realität stets Wanderungsbewegungen stattfinden und sich auch die Erwerbsbeteiligung laufend verändert.

Von 2014 bis 2019 zeigte sich der demografisch induzierte Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials vor allem in Ostdeutschland. Von 2019 bis 2024 werden jedoch auch Westdeutschland und alle großen Städte auf Zuwanderung angewiesen sein, um ihre Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter konstant zu halten. Da Binnenwanderung innerhalb Deutschlands ein Nullsummenspiel ist, braucht es für eine gesamtdeutsche Stabilisierung des Arbeitskräftepotenzials qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland.

Der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials trifft keineswegs nur die ländlichen Räume. Die meisten Städte und Landkreise haben ähnliche demografische Voraussetzungen. Es ist lediglich die Gruppe der besonders stark von einem Rückgang bedrohten Regionen, in der ländliche Kreise mit 45 von 49 die große Mehrheit stellen. Diese Gruppe sollte sich besonders um Zuwanderung bemühen, auch die vier städtischen Kreise Greiz, Gera, der Erzgebirgskreis und das Weimarer Land.

Für den Arbeitsmarkt ist letztlich nicht nur die Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials relevant, sondern auch, wie gut es genutzt wird. Die positive Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen der letzten Jahre hing stark von Zuwanderung und steigenden Erwerbstätigenquoten ab. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen, Mittelqualifizierten und Menschen im Alter 55 bis 59 ist bereits stark gestiegen und dürfte künftig daher deutlich weniger zur Entlastung des Arbeitsmarktes beitragen als bisher. Es sollten also weitere Zielgruppen stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden. Zudem gilt es, dauerhaft eine hohe Anzahl qualifizierter Zuwanderer zu gewinnen. Im Pandemiejahr 2020 sank die Bevölkerung Deutschlands erstmals seit neun Jahren, hauptsächlich, weil die Nettozuwanderung 85.000 Menschen niedriger war als im Vorjahr. Dies verdeutlicht, wie abhängig Deutschlands Bevölkerungsentwicklung bereits von Zuwanderung ist.

Auf Basis der vorliegenden Studie lassen sich folgende Handlungsempfehlungen ableiten:

  • Erhöhung der Erwerbstätigenquote der über 60-Jährigen durch mehr Anreize und den Abbau von Hemmnissen,
  • Erhöhung der Jahresarbeitszeit pro Erwerbstätigem, beispielsweise durch den Ausbau der Kinderbetreuung,
  • Digitalisierung für Arbeitszeitausweitung und Produktivitätssteigerungen nutzen,
  • intensivierte Weiterbildung von Geringqualifizierten,
  • Rahmenbedingungen für mehr qualifizierte Zuwanderung weiter verbessern, insbesondere bei beruflich Qualifizierten,
  • Abwanderungsregionen müssen für Menschen aus dem In- und Ausland attraktiver werden.

 

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