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Stromtrassen, Wasserstoff- und CO₂-Netze, neue Windräder und Solarparks: Viele Regionen werden sich stark verändern (© Getty Images)
Pressemitteilung 13. Januar 2026 Matthias Diermeier / Konrad Doliesen / Armin Mertens / Jan Wendt

Große Mehrheit offen für klimaneutralen Industrieumbau vor eigener Haustür

Nur ein kleiner Teil der Deutschen lehnt den Umbau der Industrie in Richtung Klimaneutralität ab, zeigt eine deutschlandweite Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) – auch wenn er in der direkten Wohnumgebung stattfindet. Wenn transparent über lokal anstehende Maßnahmen informiert wird, steigt die Zustimmung.

Knapp die Hälfte der Deutschen befürwortet den Umbau der Industrie hin zur Klimaneutralität, auch dann, wenn sie im unmittelbaren Wohnumfeld stattfindet. Nur jeder Siebte lehnt ihn ab, weitere 38 Prozent sind unentschlossen. Eine frühzeitige und transparente Information über infrastrukturelle Veränderungen stärkt die Akzeptanz, besonders bei Unentschlossenen. Das zeigt eine deutschlandweite Befragung des IW unter 2.180 Personen. 

Zum Wandel gehören etwa der Ausbau von Stromtrassen, Wasserstoff- und CO₂-Netzen, neue Windräder und Solarparks sowie Anpassungen in bestehenden Industrieanlagen. Trotz der erwartbar weitreichenden Eingriffe sieht nur ein kleiner Teil der Bevölkerung diese Entwicklungen kritisch.

Kommunikation stärkt Akzeptanz

Rund ein Viertel der Bevölkerung lebt in Regionen, in denen größere infrastrukturellen Umbauten anstehen. Allerdings bewerten auch hier nur rund 18 Prozent der Menschen die Veränderungen negativ. Gleichzeitig unterschätzen fast 70 Prozent der Menschen, wie stark ihre Region betroffen ist. Auffällig: Auch wenn die Bürgerinnen und Bürger über das Ausmaß der infrastrukturellen Veränderungen informiert werden, steigt die Ablehnung nicht. In Gebieten, die wenig oder gar nicht betroffen sind, steigert eine entsprechende Information sogar die Zustimmung. Eine Ausnahme sind AfD-Sympathisanten: Zusätzliche Informationen zeigen bei ihnen keine Wirkung, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Keine Angst vor Ehrlichkeit

Auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Industrie ist Kommunikation vor Ort entscheidend, um Akzeptanz zu schaffen und Konflikte zu vermeiden: „Die Politik darf keine Angst haben, in den Dialog zu gehen und das Ausmaß der infrastrukturellen Veränderung transparent zu kommunizieren,“ sagt IW-Experte Matthias Diermeier. „So lässt sich der Gefahr entgegenwirken, dass kritische Minderheiten lokale Meinungsführerschaften erringen und die notwendigen Anstrengungen zur Klimaneutralität torpedieren.“

Zur Methodik: Die Auswertungen basieren auf einer Personenbefragung, die im Rahmen des vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW geförderten Forschungsprojektes SCI4climate.NRW durchgeführt wurde. Über das Online-Access-Panel von Bilendi & respondi wurden im Herbst 2024 insgesamt 2.180 Personen online befragt. Die Befragung ist quotenrepräsentativ in den Merkmalen Einkommen, Wohnort nach Bundesland und Geschlecht/Alter. Die Befragten gaben ihre Postleitzahl an. Auf Basis der tatsächlichen Transformationsinfrastrukturrelevanz wurden sie anschließend darüber informiert, ob für ihren Wohnort keine, geringe oder große Veränderungen zu erwarten sind. Grundlage für den Transformationsinfrastrukturindex sind offizielle Plandaten aus den Bereichen Energie- und Netzausbau sowie Modellierungen der Dekarbonisierung an den Industriestandorten, die den Wohnorten der Befragten zugeordnet wurden.
 

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Transformations-Infrastruktur: So spürbar verändert sich Ihre Region

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Zur Methodik

Die interaktive Grafik stellt die infrastrukturelle Bedeutung für die zukünftige industrielle Transformation auf Ebene der Postleitzahlgebiete dar.  

Berücksichtigt wurden: 

  • Modellierungen zu den Wasserstoffverbräuchen* und CCS-Anwendungen an Industriestandorten, 

  • die aktuellen Planungsstände zum Ausbau des Wasserstoffkernnetzes, der CO2-Hauptleitungen sowie der Strom-Übertragungsnetze,  

  • die vorgesehenen Neubauten von Windkraftanlagen und Solarparks.  

Die anstehenden infrastrukturellen Veränderungen wurden gewichtet mit der jeweiligen Akzeptanz in der Bevölkerung. Solarparks und das Wasserstoffkernnetz werden stärker akzeptiert und erhalten daher ein geringeres Gewicht, die Anwendung neuer Technologien an Industriestandorten sowie Windkraftanlagen erfahren eine stärkere Ablehnung und fließen folglich stärker ein.  

Infrastrukturen wurden eindeutig einem Postleitzahlgebiet zugerechnet. Es wurden keine Spill-Over Effekte auf anliegende Regionen miteinbezogen.

Unterschieden werden kann zusätzlich zwischen einer einwohnergewichteten und einer nicht-einwohnergewichteten Version der Grafik. 

Für weiterführende Informationen (siehe Methodenreport

Quellen: bayernets, 2024; Bundesnetzagentur, 2024; CapTransCO2, 2024; EHB, 2024; FNB Gas, 2024; VDZ, 2021; Marktstammdatenregister, 2024; Sci4Climate.NRW, 2023 

*Hier wurde lediglich die modellierte Wasserstoffnachfrage in der Industrie berücksichtigt, nicht aber die Erzeugung von Wasserstoff (siehe Sci4Climate.NRW 2023)

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Ergebnisse eines kleinräumigen Befragungsexperiments
IW-Policy Paper Nr. 1 13. Januar 2026 Matthias Diermeier / Konrad Doliesen / Armin Mertens / Jan Wendt

Transparente Kommunikation stärkt lokale Transformationsakzeptanz

Matthias Diermeier / Konrad Doliesen / Armin Mertens / Jan Wendt Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

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