1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. Kritische Rohstoffe aus China: Sechs von zehn betroffenen Firmen fürchten Produktionsstopps
Zeige Bild in Lightbox Seltene Erde in China
China nutzt seine Rohstoffmacht aus. (© Gettyimages)
Pressemitteilung 6. August 2026 Adriana Neligan / Cornelius Bähr / Hubertus Bardt / Edgar Schmitz

Kritische Rohstoffe aus China: Sechs von zehn betroffenen Firmen fürchten Produktionsstopps

Verschärft Peking seine Exportbeschränkungen bei kritischen Rohstoffen, drohen vielen Unternehmen in Deutschland, die solche Rohstoffe beziehen, massive Produktionsprobleme. Das zeigt eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Sechs von zehn Unternehmen, die kritische Rohstoffe direkt oder indirekt benötigen, befürchten Produktionsstopps oder Verzögerungen, sollte China seine Beschränkungen bei kritischen Rohstoffen wie Seltene Erden, Lithium oder Gallium ausweiten. 88 Prozent rechnen mit höheren Beschaffungskosten, 71 Prozent mit Lieferengpässen, vier von zehn droht der Verlust von Kunden. Das zeigt eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter rund 900 Unternehmen.

Schlüsselindustrien besonders betroffen

Am stärksten betroffen sind die Metall- und Elektroindustrie sowie der Fahrzeugbau. Im Verarbeitenden Gewerbe bezieht knapp jedes fünfte Unternehmen kritische Rohstoffe direkt oder indirekt, in der Metall- und Elektroindustrie sogar mehr als jedes vierte. 

Frühere IW-Befragungen zeigen, dass neun von zehn Industrieunternehmen bereits Maßnahmen zur Risikobegrenzung, vor allem durch mehr Materialeffizienz, langfristige Lieferverträge und eine breitere Aufstellung bei Lieferanten, betreiben. Viele Unternehmen wären jetzt bereit, Abhängigkeiten weiter zu reduzieren – auch wenn das kostet: 41 Prozent würden Rohstoffe aus sicheren Quellen außerhalb Chinas selbst bei spürbaren Kostensteigerungen beziehen, weitere 42 Prozent zumindest bei geringfügigen Mehrkosten.

Europa muss Abhängigkeiten schneller abbauen

Mit dem Critical Raw Materials Act will die Europäische Union zwar kritische Rohstoffe stärker selbst fördern, verarbeiten und recyceln. Bislang geht das aber nur langsam voran: Genehmigungen dauern Jahre, alternative Bezugsquellen sind begrenzt.

„China nutzt seine Rohstoffmacht strategisch. Vor allem die Metall-, Elektro- und Autoindustrie ist verwundbar: Lieferausfälle können schnell in Produktionsprobleme umschlagen oder die Existenz ganzer Betriebe gefährden“, sagt IW-Ökonomin Adriana Neligan. Unternehmen seien bereit, sich durch Diversifizierung, Lagerhaltung, Substitution und Recycling abzusichern und dafür auch etwas zu zahlen. „Aber die Politik muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine bessere Absicherung überhaupt möglich wird“, so Neligan. Dazu zähle die Förderung des Bergbaus kritischer Metalle ebenso wie die Stärkung des Recyclings.  


Zur Methodik: Die Auswertung beruht auf dem IW-Zukunftspanel, einer regelmäßigen repräsentativen Befragung von Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleistern. An der 53. Welle vom 09.02.2026 bis 13.04.2026 nahmen rund 900 Unternehmen teil. 138 von ihnen gaben an, direkt oder indirekt kritische Rohstoffe zu beziehen; sie bilden die Basis für die Fragen zu Risiken, Folgen und Anpassungsstrategien. Die Ergebnisse sind nach Branche und Unternehmensgröße gewichtet (Anzahlgewichte gemäß amtlichem Unternehmensregister) und repräsentativ für die betrachtete Grundgesamtheit.
 

Inhaltselement mit der ID 15568
PDF herunterladen
Kritische Rohstoffe: Unternehmensbetroffenheit, Versorgungsrisiken und Anpassungsstrategien
IW-Trends Nr. 2 6. August 2026 Adriana Neligan / Cornelius Bähr / Hubertus Bardt / Edgar Schmitz

Kritische Rohstoffe: Unternehmensbetroffenheit, Versorgungsrisiken und Anpassungsstrategien

Adriana Neligan / Cornelius Bähr / Hubertus Bardt / Edgar Schmitz Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Kritische Rohstoffe: Unternehmensbetroffenheit, Versorgungsrisiken und Anpassungsstrategien
IW-Trends Nr. 2 6. August 2026 Adriana Neligan et al.

Kritische Rohstoffe: Unternehmensbetroffenheit, Versorgungsrisiken und Anpassungsstrategien

Kritische Rohstoffe sind wichtige Inputs für Schlüsseltechnologien und damit für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig bestehen erhebliche Versorgungsrisiken, da Förderung und Verarbeitung stark auf wenige Länder wie China fokussiert sind.

Adriana Neligan / Cornelius Bähr / Hubertus Bardt / Edgar Schmitz IW

Artikel lesen
Gastbeitrag 7. Juli 2026 Hubertus Bardt in der Börsen-Zeitung

IMP-Index: Deutlicher Rückgang nach fünf Monaten auf Rekordniveau

Nach dem Sprung zum Jahreswechsel von rund 746 auf 829 Punkte hat sich der Industriemetallpreis-Index fünf Monate lang auf Rekordniveau bewegt, schreibt IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt in der Börsen-Zeitung.

Hubertus Bardt in der Börsen-Zeitung IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880