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Gutachten 18. September 2026 Lennart Bolwin / Jan Felix Engler / Henry Goecke / Vanessa R. Hünnemeyer / Thorsten Lang / Armin Mertens Future Skills Hessen 2032 – Welche Kompetenzen die industrielle Transformation tragen

Die hessische Industrie steht vor einem tiefgreifenden Kompetenzwandel. Gedämpftes Wachstum, geoökonomische Unsicherheit, Dekarbonisierung, technologischer Fortschritt und demografischer Wandel verändern nicht nur Märkte, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten, sondern auch die Arbeit in den Betrieben selbst.

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Future Skills Hessen 2032 – Welche Kompetenzen die industrielle Transformation tragen
Gutachten 18. September 2026 Lennart Bolwin / Jan Felix Engler / Henry Goecke / Vanessa R. Hünnemeyer / Thorsten Lang / Armin Mertens

Future Skills Hessen 2032 – Welche Kompetenzen die industrielle Transformation tragen

Studie für HESSENMETALL

Lennart Bolwin / Jan Felix Engler / Henry Goecke / Vanessa R. Hünnemeyer / Thorsten Lang / Armin Mertens Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die hessische Industrie steht vor einem tiefgreifenden Kompetenzwandel. Gedämpftes Wachstum, geoökonomische Unsicherheit, Dekarbonisierung, technologischer Fortschritt und demografischer Wandel verändern nicht nur Märkte, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten, sondern auch die Arbeit in den Betrieben selbst.

Transformation bedeutet damit nicht allein, neue Technologien einzuführen. Sie verändert, welche Tätigkeiten an Bedeutung gewinnen, wie Arbeit organisiert wird und welche Fähigkeiten Beschäftigte künftig benötigen.

Für Hessen ist dieser Wandel eine Standortfrage. Die Industrie ist ein zentraler Wohlstandsanker des Landes: Sie trägt direkt und über ihre Verflechtungen erheblich – mit mehr als einem Fünftel – zur hessischen Wertschöpfung bei. Mit der Metall- und Elektroindustrie verfügt Hessen zudem über einen technologisch besonders relevanten industriellen Kern. Gleichzeitig steht diese industrielle Basis unter Anpassungsdruck. Beschäftigung und Industrieanteile sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen, besonders in Teilen der M+E-Industrie. Der Wandel verläuft jedoch nicht einheitlich: Während einzelne Teilbranchen stark unter Druck stehen, entwickeln sich andere stabiler oder bauen Beschäftigung auf. Daraus folgt: Es gibt nicht den einen Kompetenzbedarf der Industrie. Future Skills müssen entlang unterschiedlicher Branchen, Tätigkeitsprofile und betrieblicher Anwendungskontexte betrachtet werden.

Bereits die Beschäftigungsstrukturen zeigen, dass industrielle Arbeit anspruchsvoller wird. Akademische Abschlüsse gewinnen an Bedeutung, komplexere Tätigkeiten nehmen zu und digitale Berufe verzeichnen Beschäftigungszuwächse. Zugleich betrifft der Kompetenzwandel nicht nur Expertenfunktionen. Auch Helfer-, Fachkräfte- und Spezialistentätigkeiten verändern sich, wenn sie stärker mit digitalen Systemen, vernetzten Produktionsprozessen, qualitätssichernden Aufgaben, energieeffizientem Arbeiten, neuen Material- und Fertigungstechnologien oder logistischen Steuerungsaufgaben verbunden sind. Future Skills sind damit keine reine Akademikerfrage, sondern betreffen die Breite industrieller Arbeit.

Um diesen Wandel empirisch zu erfassen, analysiert die Studie knapp 360.000 Online-Stellenanzeigen der hessischen Industrie aus den Jahren 2019 bis 2025. Aus den Anzeigentexten wurden 4.499 Einzelkompetenzen identifiziert und zu 41 Kompetenzclustern verdichtet. Ergänzend wurden 134 hessische M+E-Unternehmen zur künftigen Relevanz dieser Kompetenzcluster befragt. Stellenanzeigenanalyse und Unternehmensbefragung wurden anschließend zu einer Gesamtprognose bis 2032 verbunden.

Die aktuelle Kompetenznachfrage ist breit angelegt. Besonders häufig werden überfachliche Kompetenzen nachgefragt. Kommunikation, Kollaboration, Management, Eigeninitiative, Leadership und digitale Basiskompetenzen sind bereits heute stark in den Stellenanzeigen verankert. Technologisch-digitale Spezialkompetenzen treten gegenwärtig noch seltener auf, weisen aber die stärkste Zukunftsdynamik auf. Damit wird deutlich: Die heutige Breitenwirkung einer Kompetenz und ihre künftige Wachstumsdynamik sind nicht dasselbe.

Bis 2032 weisen alle 41 untersuchten Kompetenzcluster ein positives prognostiziertes Wachstum auf. Damit sind alle identifizierten Cluster als Future Skills einzuordnen. Die stärkste Dynamik entfällt auf Künstliche Intelligenz. Ebenfalls besonders dynamisch wachsen Elektrifizierung und Energieeffizienz, Problemlösungsfähigkeit, Cloud, Automatisierung und Robotik sowie Data Analytics. Die stärksten Zukunftsimpulse entstehen damit an der Schnittstelle von Digitalisierung, datenbasierter Wertschöpfung, Automatisierung und industrieller Dekarbonisierung.

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