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Andreas Fischer / Malte Küper IW-Nachricht 7. März 2022

Russisches Gas: Verkraftet Europa einen Importstopp?

Seit nunmehr über einer Woche dauert Putins Krieg in der Ukraine an. Um Russland finanziell schwer zu treffen, steht auch ein Importstopp für Gas zur Debatte. Der würde nicht nur Russland belasten, sondern auch die europäische Gasversorgung.

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Erdgas spielt für Deutschlands Energieversorgung eine wichtige Rolle: Rund 75 Prozent der deutschen Importe aus Russland sind mineralische Brennstoffe, zu denen auch Gas gehört (Grafik 1). Über die Hälfte unseres Importbedarfs decken wir über russische Lieferungen ab. Auch andere Länder in Europa sind stark von russischen Gaslieferungen abhängig, Italien beispielsweise importiert ähnliche Anteile russischen Gases – bei einigen Staaten im Osten Europas wie Finnland oder Bulgarien ist es sogar noch mehr. 

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Die Abhängigkeit besteht auf beiden Seiten: Fossile Rohstoffe sind die zentrale Einnahmequelle für Russland, bei Gas, Öl und Steinkohle gehört das Land zu den größten Exportländern der Welt. Rund drei Viertel der Gasexporte gehen dabei auf den europäischen Kontinent – die Bundesrepublik ist mit knapp 25 Prozent der wichtigste Kunde Russlands (Grafik 2). Um die Sanktionen gegen Putin weiter zu verschärfen, wird daher auch ein Importstopp seitens der EU-Mitglieder diskutiert, Russland würde dieser Schritt hart treffen. Doch wie würde es um die Versorgungssicherheit in Europa stehen?

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Der Großteil des Gases wird über Pipelines nach Europa transportiert, neben Russland etwa aus Norwegen, Algerien oder Aserbaidschan. Flüssiggas (LNG), das per Schiff importiert und an dafür vorgesehenen Terminals wieder in Gasform umgewandelt wird, wird seit einigen Jahren wichtiger. 2020 lag der LNG-Anteil an den europäischen Importen bei 26 Prozent. Boykottiert die EU nun russische Lieferungen, so müsste Europa weitaus größere Mengen des flüssigen Gases beziehen. Rein theoretisch hätten die freien Pipeline- und LNG-Kapazitäten im Jahr 2020 ausgereicht, um das russische Gas zu kompensieren (Grafik 3). Doch das Problem liegt im Detail: Unklar ist etwa, ob die über Pipelines angeschlossenen Länder wie Norwegen und Algerien sowie die Exporteure von LNG, etwa Katar, Australien oder die USA, imstande wären, die benötigten Mengen zu liefern. Auch die Lage der europäischen LNG-Terminals erschwert das Vorhaben.  

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In Spanien gibt es die größten Kapazitäten für Flüssiggas – gemeinsam mit Frankreich kommen die beiden Länder auf 60 Prozent der gesamten europäischen Kapazitäten. Doch es fehlt an Infrastruktur, um das Gas in größeren Mengen in andere EU-Mitgliedsstaaten zu transportieren. Besonders im Südosten Europas fehlt es zudem an eigenen LNG-Terminals, Speichern und Transportmöglichkeiten, um russische Gaslieferungen ersetzen zu können (Grafik 4). Hier würde ein Importstopp als erstes zu spüren sein. 

Schätzungen gehen davon aus, dass mit den aktuellen europäischen LNG-Kapazitäten rund 40 Prozent des Gasbedarfs gedeckt werden könnten. Sollten alle angekündigten oder sich im Bau befindlichen LNG-Projekte realisiert werden, könnten bis zu 65 Prozent bedient werden. In Deutschland sollen beispielsweise zwei Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven entstehen, über ein weiteres Terminal in Stade wird noch diskutiert. Diese Werte beziehen sich allerdings nur auf die maximale Importkapazität der EU. Die Weiterverteilung ist aufgrund der Limitierung der Transportinfrastruktur nicht ohne weiteres in diesem Ausmaß möglich.  
 

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Kurzfristig könnte Europa einen Importstopp nur unzureichend kompensieren. Doch ein zügiger Ausbau der Flüssiggasterminals reduziert zumindest mittel- bis langfristig die Abhängigkeit von Russland. Weil die Terminals außerdem auch für den Wasserstoffimport geeignet sind, können sie sogar ein wichtiger Baustein der Energiewende werden. Langfristig liegt der entscheidende Hebel für die Unabhängigkeit von russischen Gasimporten im Ausbau erneuerbarer Energien.  

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