Verteilungsstudien haben Hochkonjunktur. Die Ergebnisse verschiedener Studien werden häufig in einem Atemzug genannt oder in Medienberichten miteinander vermengt. Dabei lassen sie sich – ohne ausführliche Einordnung – kaum unter einen Hut bringen oder widersprechen sich sogar.
Äpfel, Birnen, Fakten
Laut einer neuen Studie des Weltwirtschaftsforums schaffen es die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen und Finnland besonders gut, Wachstum und eine relativ gleichmäßige Verteilung der Einkommen zu kombinieren. Allerdings zitiert das Weltwirtschaftsforum im Kontext seiner Studie eine weitere Studie der OECD. Und die kommt zu einem anderen Befund: Wegen der steigenden Einkommensungleichheit haben Finnland und Norwegen laut OECD zwischen 1990 und 2010 über acht Prozentpunkte ihres BIP-Wachstums eingebüßt.
Die mediale Berichterstattung zur Studie des Weltwirtschaftsforums verweist zudem auf die vergleichsweise hohe Vermögensungleichheit in Deutschland. Auch das überrascht, konzentriert sich die Studie doch bei den Schlüsselindikatoren auf die Einkommens- und nicht die Vermögensverteilung. Und bei der Einkommensverteilung steht Deutschland im oberen Mittelfeld der 30 hochentwickelten Industrienationen (Platz 11 bei der Armutsquote, Platz 13 beim Gini-Koeffizienten der Nettoeinkommensungleichheit).
Ohnehin ist es ein Irrglaube, dass Vermögensungleichheit und Einkommensunterschiede zwangsläufig Hand in Hand gehen: Die Länder, die in der Studie des Weltwirtschaftsforums bei der Einkommensungleichheit besonders gut abschnitten, sind keineswegs nur Länder mit einer besonders geringen Vermögensungleichheit: Laut Global Wealth Databook der Credit Suisse ist die Vermögensungleichheit in Norwegen und Dänemark höher als beispielsweise in Deutschland.
Auch die im Kontext der Berichterstattung zitierte Forderung, die Mehrwertsteuer zu erhöhen, um gleichzeitig die soziale Umverteilung des Abgabensystems und das Wachstum zu erhöhen, irritiert. Schließlich steht gerade die Mehrwertsteuer sinnbildlich für einen Trade-Off zwischen Effizienz und Gerechtigkeit – sie wirkt zwar weniger verzerrend und damit wachstumsfreundlicher als andere Steuern, belastet aber die geringen Einkommen überdurchschnittlich.
Soziodemografie: Wer steht wo in der Einkommensverteilung?
Der Median der bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland lag im Jahr 2024 bei 2.419 Euro im Monat.
IW
Vermögensverteilung in Deutschland und Europa
In Deutschland beträgt das durchschnittliche Vermögen der Haushalte mit rund 450.000 Euro mehr als in Frankreich, aber weniger als in Belgien oder Luxemburg. Im Vergleich zu den drei Nachbarstaaten ist das Vermögen in der Bundesrepublik allerdings ungleicher verteilt.
iwd