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Alle drei Jahre werden Schülerinnen und Schüler in Deutschland getestet. Wie gut schneiden sie im OECD-Vergleich ab? (© Foto: Alex Grimm / GettyImages)
Christina Anger / Wido Geis-Thöne IW-Nachricht 4. Dezember 2023

PISA-Studie: Mangel, Mangel und noch mehr Mangel

Hunderttausende U3-Kitaplätze fehlen, Grundschulkinder bekommen keinen Ganztagsbetreuungsplatz und bis 2030 fehlen voraussichtlich 80.000 Lehrer: Damit das deutsche Bildungssystem wieder erfolgreich wird, muss die Politik endlich ihre Hausaufgaben machen.

Mathe, Lesen und Naturwissenschaften: Im Frühjahr 2022 wurden fast 8.000 Neuntklässler deutschlandweit für die Pisa-Studie getestet, morgen werden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt. Bei der vergangenen Erhebung 2018 waren die deutschen Schülerinnen und Schüler zwar besser als der OECD-Schnitt, doch der Trend zeigte deutlich nach unten. Und: In kaum einem anderen Land war der Leistungsunterschied zwischen schwachen und starken Schülern so groß wie in Deutschland. 

Der Grund: Die soziale Herkunft hat nach wie vor einen großen Einfluss darauf, wie gut Kinder in der Schule abschneiden – in den vergangenen Jahren hat dieser Zusammenhang sogar noch zugenommen. Vor allem zugewanderte Kinder haben es aufgrund der Sprachbarriere schwerer, dem Unterricht zu folgen. Die Eltern, die im Zweifel auch nicht gut Deutsch sprechen, können nicht so gut unterstützen. 

Hundertausende Kitaplätze und Ganztagsplätze fehlen 

Die Probleme dürften nicht kleiner werden: IW-Berechnungen zeigen, dass 2023 fast 300.000 U3-Kitaplätze in Deutschland fehlten. Dabei ist gerade die frühkindliche Bildung wichtig, um Lernrückstände auszugleichen. In den Grundschulen ist die Situation nicht besser: Während im Stadtstaat Hamburg jedes Grundschulkind einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz hat und diesen auch bekommt, fehlten bundesweit im Schuljahr 2021/2022 529.000 Ganztagsbetreuungsplätze. 

Fachkräftemangel auch an den Schulen 

Ein weiteres Problem: Es gibt zu wenige Lehrer, der Fachkräftemangel greift auch hier um sich. Nach IW-Berechnung bräuchte es im Schuljahr 2030/31 987.000 Lehrer, unterrichten werden voraussichtlich aber nur 907.000 Lehrer – eine Lücke von 80.000. Schulleiter sehen in Befragungen den Personalmangel inzwischen als größte Herausforderung für Schulen. 
Was also tun? Einerseits müssen die vielen eingewanderten Kinder und ihre Familien besser integriert werden, sie brauchen Sprachförderung, Ganztagsangebote und die Möglichkeit, eine Kita zu besuchen. Andererseits braucht das deutsche Schulsystem mehr Quereinsteiger, um etwa mehr MINT-Lehrkräfte an die Schulen zu bringen. Das sind die Hausaufgaben, die die Politik auf dem Zettel hat, um den Negativ-Trend nachhaltig umkehren.

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Christina Anger / Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 89 4. Dezember 2023

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