Die betriebliche Ausbildung ist ein zentraler Hebel der Fachkräftesicherung. Am Anfang der Investition in künftige Nachwuchskräfte steht die Ansprache und Gewinnung von neuen Auszubildenden. Für viele Unternehmen ist es eine Herausforderung, angebotene Ausbildungsplätze passend zu besetzen.
Ausbildung erfolgreich gestalten vom Marketing bis zur Übernahme
IW-Studie im Rahmen vom NETZWERK Q, gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die betriebliche Ausbildung ist ein zentraler Hebel der Fachkräftesicherung. Am Anfang der Investition in künftige Nachwuchskräfte steht die Ansprache und Gewinnung von neuen Auszubildenden. Für viele Unternehmen ist es eine Herausforderung, angebotene Ausbildungsplätze passend zu besetzen.
Die Studie analysiert auf Grundlage einer Befragung von über 600 Ausbilderinnen und Ausbildern, welche Maßnahmen aus ihrer Sicht geeignet sind, um Auszubildende für eine Ausbildung zu gewinnen, sie währenddessen bedarfsgerecht zu begleiten, zu qualifizieren und anschließend langfristig im Unternehmen zu halten. Mit Blick auf konkrete Maßnahmen zeigen die Ergebnisse der Studie, dass erfolgreiches Ausbildungsmarketing alle Phasen der Ausbildung im Sinne einer „Candidate Journey“ im Blick haben muss.
Vor Ausbildungsbeginn wirken besonders solche Maßnahmen, die jungen Menschen direkte Einblicke und persönliche Kontakte ermöglichen, insbesondere Praktika erweisen sich als besonders erfolgreich. Bei der Anwerbung funktionieren Online-Stellenanzeigen besonders gut und beim Preboarding vor Ausbildungs-beginn informelle Kennenlernformate. Noch vergleichsweise selten schicken Unternehmen Ausbildungs-botschafterinnen und -botschafter zur Berufsorientierung in die Schulen oder setzen auf niedrigschwellige Bewerbungsformate für einen unkomplizierten Erstkontakt. Da auch diese Instrumente sehr gut funktionieren, liegen hier noch Potenziale für weitere Unternehmen.
Zu Beginn der Ausbildung erachten die Ausbilderinnen und Ausbilder die soziale Einbindung als zentralen Erfolgsfaktor. Willkommensformate und Teambuildingmaßnahmen fördern die Unternehmenskultur und unterstützen die soziale Integration der neuen Auszubildenden. Auch Paten- und Mentoringprogramme sind erfolgreich, werden jedoch noch nicht flächendeckend eingesetzt.
In der Kernphase der Ausbildung tragen regelmäßiges Feedback und eine enge Verknüpfung mit den Prozessen und Arbeitsabläufen im Betrieb entscheidend zum Ausbildungserfolg und zum selbstständigen Lernen bei. Mit Blick auf die zunehmend heterogenen Startvoraussetzungen der Auszubildenden gewinnt die individuelle Förderung an Bedeutung. Rund ein Drittel der Befragten sieht die Heterogenität insgesamt als große Herausforderung. Besonders fordernd sind psychische Belastungen, Motivation, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie Unterschiede im schulischen Vorwissen von Auszubildenden. Merkmale wie Migrationshintergrund, Fluchterfahrung oder Alter spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Unter-stützungsbedarf besteht daher vor allem beim Umgang mit individuellen Belastungen und unterschiedlichen Lernvoraussetzungen.
Die Ergebnisse zeigen alles in allem, dass Ausbilderinnen und Ausbilder während aller Phasen der Ausbildung – von der Berufsorientierung bis zur Übernahme – eine zentrale Rolle und zahlreiche Aufgaben ausfüllen. Daher gilt es, die Rahmenbedingungen der Ausbildungstätigkeit im Unternehmen positiv zu gestalten, die Position der Ausbilderinnen und Ausbilder sichtbar zu definieren und sie bedarfsgerecht mit Zeitbudgets und Weiterbildungsangeboten auszustatten.
DOI: 10.67087/12.21538
Ausbildung erfolgreich gestalten vom Marketing bis zur Übernahme
IW-Studie im Rahmen vom NETZWERK Q, gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
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