Der Bildungsmonitor 2026, den das Institut der deutschen Wirtschaft seit dem Jahr 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt, misst nun bereits zum 23. Mal, in welchen Handlungsfeldern der Bildungspolitik Fortschritte erzielt werden konnten.
INSM-Bildungsmonitor 2026: Bildungsstand, Bildungschancen und Bildungsmobilität
Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Der Bildungsmonitor 2026, den das Institut der deutschen Wirtschaft seit dem Jahr 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt, misst nun bereits zum 23. Mal, in welchen Handlungsfeldern der Bildungspolitik Fortschritte erzielt werden konnten.
In dieser Studie wird explizit eine bildungsökonomische Sichtweise eingenommen. Die Ergebnisse der Studie sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren und einzuordnen. Es steht folglich im Fokus, welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten.
Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden historischen Umbruch – einem Epochenbruch, bei dem mehrere langfristige disruptiv wirkende Transformationsprozesse gleichzeitig stattfinden und die bisherigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ordnungen infrage stellen (Demary et al., 2021; 2024). Im Kern stehen dabei vier sogenannte „D-Transformationen“: Demografie, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Deglobalisierung. Diese Entwicklungen treten nicht nacheinander, sondern gleichzeitig auf und beeinflussen sich wechselseitig – mit erheblichen Konsequenzen für Wirtschaft, Gesellschaft und das Bildungssystem. Der demografische Wandel verändert die Bevölkerungsstruktur grundlegend: Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nimmt ab. Zwischen den Jahren 2026 und 2029 werden rund 5,2 Millionen Personen das Rentenalter erreichen, während im selben Zeitraum nur rund 3,1 Millionen Personen das Alter von 20 überschreiten. Ohne gegenläufige Maßnahmen droht ein jährlicher Rückgang der Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozentpunkte. Durch Zuwanderung über die Hochschulen (Handlungsfeld Internationalisierung) kann einem bedeutenden Anteil dieses Rückgangs entgegengewirkt werden. Internationale Studierende stärken langfristig Wachstum, Wohlstand und die öffentlichen Haushalte (Geis-Thöne et al., 2025). Zuwanderung bietet generell große Chancen. Langfristig ist dabei entscheidend, wie gut die Bildungschancen sind und wie gut Bildungsintegration gelingt (Handlungsfeld Integration). Dabei zeichnen sich demografisch bedingt vor allem Engpässe bei beruflich qualifizierten Fachkräften ab, denen durch entsprechende Bildungsmaßnahmen entgegengewirkt werden muss (Handlungsfeld berufliche Bildung). Mit Blick auf die demografische Herausforderung ist auch der effiziente Umgang mit Zeit entscheidend (Handlungsfeld Zeiteffizienz). Klassenwiederholungen und Abbrüche von Bildungsphasen sollten vermieden werden.
Die Dekarbonisierung erfordert eine umfassende Transformation nahezu aller Wirtschaftsbereiche. Für die notwendigen Innovationen werden vor allem MINT-Fachkräfte (Handlungsfeld MINT) benötigt (Anger et al., 2026a). Da mit der Transformation auch Umbrüche und ein Strukturwandel am Arbeitsmarkt verbunden sein können, ist die Beschäftigungsfähigkeit aller Personen von zentraler Bedeutung. Damit muss es auch aus diesem Blickwinkel ein wichtiges politisches Ziel sein, die Entstehung von Bildungsarmut (Handlungsfeld Bildungsarmut) zu vermeiden bzw. entstandene Bildungsarmut deutlich zu reduzieren.
Die Digitalisierung eröffnet erhebliche Chancen für Produktivität und Innovation. Die Anwendung von KI nimmt am Arbeitsmarkt deutlich zu. Untersuchungen zeigen, dass der Produktivitätsvorsprung der USA gegenüber Deutschland und Europa auch auf die breitere Anwendung von KI im Arbeitsmarkt zurückzuführen ist (Bick et al., 2026). Zugleich birgt die Digitalisierung aber auch Risiken – insbesondere für Kinder und Jugendliche durch übermäßige Smartphone-Nutzung (Anger et al., 2026b). Insgesamt ist die Forschung im Be reich Digitalisierung zu stärken (Handlungsfeld Forschungsorientierung). Die digitale Grundbildung ist entscheidend dafür, ob Chancen genutzt und Risiken reduziert werden können (Handlungsfeld Digitalisierung). INSM-Bildungsmonitor 2026 5 Die Deglobalisierung schließlich schwächt die Dynamik internationaler Verflechtungen und erhöht geopolitische Risiken. Weltoffenheit und eine proeuropäische Haltung gewinnen vor diesem Hintergrund noch stärker an Bedeutung. Geistes- und Kulturwissenschaften, internationaler Austausch wie Erasmus+ helfen andere Kulturen und Wirtschaftsräume besser zu verstehen und können internationale Netzwerke stärken (Plünnecke/Hüther, 2025).
Zusätzlich zu diesen vier Transformationen entstehen Herausforderungen für die Stabilität der Demokratie, da populistische Bewegungen gerade in wirtschaftlich belasteten Transformationsregionen Zulauf erhalten (Bergmann et al., 2025). Selbstwirksamkeit und das Vertrauen, in disruptiven Zeiten selbst Prozesse zu gestalten, stärken auch hier die Resilienz. Ein durchschnittliches hohes Kompetenzniveau der Schülerinnen und Schüler (Handlungsfeld Schulqualität) stärkt Selbstwirksamkeit und wird selbst durch Selbstwirksamkeit gesichert.
Der kurz beschriebene Epochenbruch stellt das Bildungssystem vor große Aufgaben. Unternehmen bewerten Investitionen in das Bildungssystem als nahezu unverzichtbar für die Bewältigung der Transformation: Im IW Zukunftspanel 2023 vergaben sie dafür einen Medianwert von 96 auf einer Skala von 0 bis 100 – ein höherer Wert als für jede andere Maßnahme (Demary et al., 2024). Investitionen in das Bildungssystem zeigen sich beim Input an verschiedenen Stellen (Handlungsfeld Ausgabenpriorisierung, Handlungsfeld Förderinfrastruktur, Handlungsfeld Betreuungsbedingungen). Wichtig ist aber auch die Effizienz der eingesetzten Mittel zu erhöhen (Handlungsfeld Inputeffizienz).
Das Bildungssystem muss folglich vor dem Hintergrund des Epochenbruchs gleich mehrere Aufgaben erfüllen: Es soll Fachkräfte für die Transformation und Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen sichern. Ob und wie gut das deutsche Bildungssystem diesen Anforderungen gerecht wird, ist eine der zentralen Fragen des INSM-Bildungsmonitors 2026.
INSM-Bildungsmonitor 2026: Bildungsstand, Bildungschancen und Bildungsmobilität
Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Hybride Bedrohungen treffen deutsche Unternehmen
Ob Drohnenangriffe, Anschläge auf die Energieinfrastruktur oder Desinformationskampagnen: Hybride Angriffe sind bei deutschen Unternehmen angekommen.
IW
Jedes fünfte Unternehmen spürt starke Auswirkungen hybrider Angriffe
Fast 40 Prozent der Großunternehmen in Deutschland berichten von starken Auswirkungen hybrider Angriffe aus dem Ausland. Über alle Größenklassen hinweg ist es fast jedes fünfte Unternehmen, zeigt eine Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
IW