Die industrielle Transformation wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten verändern – durch Umbauten von Industriestandorten, neue Leitungsinfrastrukturen und den Ausbau erneuerbarer Energien.
Transparente Kommunikation stärkt lokale Transformationsakzeptanz
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die industrielle Transformation wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten verändern – durch Umbauten von Industriestandorten, neue Leitungsinfrastrukturen und den Ausbau erneuerbarer Energien.
Eine kleinräumige Vermessung des aktuellen Planungsstands zeigt: Knapp die Hälfte der Bevölkerung wird vor Ort überhaupt keine, ein Viertel nur geringfügige Veränderungen erleben. Lediglich ein Viertel der Menschen lebt in Regionen mit hoher Relevanz von Transformationsinfrastrukturen. In Regionen mit großen anstehenden Veränderungen ist ein kritischer Blick auf die anstehenden Veränderungen im Wohnumfeld ausgeprägter. Auch dort nimmt jedoch nicht einmal jeder Fünfte die lokale Transformation als negativ wahr – eine große Gruppe (38,6 Prozent) ist hingegen unentschieden. Gerade was die Umsetzung von neuen Transformationsinfrastrukturen wie Wasserstoff- oder CO2-Leitungen angeht, fühlt sich eine überwältigende Bevölkerungsmehrheit unzureichend informiert.
In einem Befragungsexperiment wird gezeigt, dass sich die Transformationsablehnung durch Transparenz über eine große lokale Betroffenheit nicht weiter verfestigt. Dieser Befund ist auch daher bemerkenswert, da der Großteil der Bewohner von Regionen mit hoher Infrastrukturrelevanz die Betroffenheit im eigenen Wohnumfeld unterschätzt. Demgegenüber kann die lokale Transformationsakzeptanz sogar gestärkt werden, wenn auf einen offiziellen Planungsstand hingewiesen wird, der geringe oder keine Veränderungen ausweist. Diese Wirkung ist besonders ausgeprägt bei Personen mit hoher Besorgnis oder starker Heimatverbundenheit. Ganz besonders wird die Bewertung durch parteipolitische Präferenzen beeinflusst: Auffällig ist dabei, dass positive Informationen bei AfD-Sympathisanten nicht wirken.
Die Befunde zeigen nicht nur, wie unterschiedlich die regionale Betroffenheit ausfällt, sondern auch, welche Kommunikationsstrategien daraus folgen können: Für nicht betroffene Regionen genügt die kommunikative Verbreitung des Planungsstands, während in stark betroffenen Gebieten partizipative Formate entscheidend sein können, um Widerstand lokaler Minderheiten zu vermeiden. Die Analyse belegt die Bedeutung der Kommunikation für eine erfolgreiche und gesellschaftlich kohäsive Dekarbonisierung.
Zur Methodik
Die interaktive Grafik stellt die infrastrukturelle Bedeutung für die zukünftige industrielle Transformation auf Ebene der Postleitzahlgebiete dar.
Berücksichtigt wurden:
Modellierungen zu den Wasserstoffverbräuchen* und CCS-Anwendungen an Industriestandorten,
die aktuellen Planungsstände zum Ausbau des Wasserstoffkernnetzes, der CO2-Hauptleitungen sowie der Strom-Übertragungsnetze,
die vorgesehenen Neubauten von Windkraftanlagen und Solarparks.
Die anstehenden infrastrukturellen Veränderungen wurden gewichtet mit der jeweiligen Akzeptanz in der Bevölkerung. Solarparks und das Wasserstoffkernnetz werden stärker akzeptiert und erhalten daher ein geringeres Gewicht, die Anwendung neuer Technologien an Industriestandorten sowie Windkraftanlagen erfahren eine stärkere Ablehnung und fließen folglich stärker ein.
Infrastrukturen wurden eindeutig einem Postleitzahlgebiet zugerechnet. Es wurden keine Spill-Over Effekte auf anliegende Regionen miteinbezogen.
Unterschieden werden kann zusätzlich zwischen einer einwohnergewichteten und einer nicht-einwohnergewichteten Version der Grafik.
Für weiterführende Informationen (siehe Methodenreport)
Quellen: bayernets, 2024; Bundesnetzagentur, 2024; CapTransCO2, 2024; EHB, 2024; FNB Gas, 2024; VDZ, 2021; Marktstammdatenregister, 2024; Sci4Climate.NRW, 2023
*Hier wurde lediglich die modellierte Wasserstoffnachfrage in der Industrie berücksichtigt, nicht aber die Erzeugung von Wasserstoff (siehe Sci4Climate.NRW 2023)
Transformations-Infrastruktur: So spürbar verändert sich Ihre Region
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DOI: 10.67087/13.20591
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