1. Home
  2. Studien
  3. Stellungnahme für den Finanzausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags: Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommensteuer
IW-Report Nr. 66 6. Dezember 2022 Martin Beznoska / Tobias Hentze / Björn Kauder Stellungnahme für den Finanzausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags: Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommensteuer

Die Kalte Progression führt einerseits dazu, dass real konstante Einkommen mit der Zeit in höhere Regionen des Einkommensteuertarifs rutschen und stärker belastet werden sowie anderseits die gesamtwirtschaftliche Steuerquote (Steuereinnahmen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt) automatisch steigt.

PDF herunterladen
Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommensteuer
IW-Report Nr. 66 6. Dezember 2022 Martin Beznoska / Tobias Hentze / Björn Kauder

Stellungnahme für den Finanzausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags: Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommensteuer

Martin Beznoska / Tobias Hentze / Björn Kauder Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die Kalte Progression führt einerseits dazu, dass real konstante Einkommen mit der Zeit in höhere Regionen des Einkommensteuertarifs rutschen und stärker belastet werden sowie anderseits die gesamtwirtschaftliche Steuerquote (Steuereinnahmen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt) automatisch steigt.

Unter Ökonomen wird die Kalte Progression daher größtenteils als heimliche Steuererhöhung mit negativen Auswirkungen für Arbeitsanreize angesehen, die es zu korrigieren gilt. Die Verschiebungen der Steuerlastverteilung und die Ausweitung der Steuerquote entziehen sich dabei der demokratischen Kontrolle. Von daher ist es aus systematischer Sicht richtig, die Kalte Progression auszugleichen. Insbesondere im aktuellen Umfeld mit hohen Inflationsraten sind die Belastungswirkungen erheblich. Gemessen am jeweiligen Bruttoeinkommen profitiert dabei die Mitte der Einkommensverteilung von der Rücknahme der Kalten Progression in etwa so stark wie Haushalte mit hohem Einkommen. In absoluten Werten steigt die Entlastung aufgrund des progressiven Tarifverlaufs zunächst mit dem Einkommen, bei Spitzenverdienern fällt der Effekt allerdings wieder leicht. Dies liegt an der Gleitzone des Solidaritätszuschlags und daran, dass der Eckwert des Beginns der Reichensteuer nicht verschoben wird.   

Der einfachste Weg, der Kalten Progression zu begegnen, liegt in der Einrichtung eines Tarifs auf Rädern. Hierbei werden die nominalen Eckwerte des Einkommensteuertarifs automatisch an die Preisentwicklung angepasst. Dabei sollten nicht auszuschließende Schätzfehler über einen Abgleich mit den Ist-Werten ausgeglichen werden. Ein Tarif auf Rädern stellt sicher, dass bei konstanten realen Bruttoeinkommen die reale Steuerbelastung gleichbleibt. Mehrere Länder wie die Schweiz, die Vereinigten Staaten, Schweden oder Frankreich können dabei als Beispiel dienen.

PDF herunterladen
Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommensteuer
IW-Report Nr. 66 6. Dezember 2022 Martin Beznoska / Tobias Hentze / Björn Kauder

Stellungnahme für den Finanzausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags: Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommensteuer

Martin Beznoska / Tobias Hentze / Björn Kauder Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Mitarbeiterin Öffentlicher Dienst am Desktop-Computer arbeitend.
IW-Kurzbericht Nr. 58 1. September 2026 Björn Kauder

Öffentlicher Dienst: Potenziale durch mehr Vollzeit

Der öffentliche Dienst beklagt einen Personalmangel, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Der bezifferte Bedarf ließe sich rein rechne-risch zu einem erheblichen Teil durch eine Auswei-tung der Tätigkeit in Richtung Vollzeit decken.

Björn Kauder IW

Artikel lesen
IW-Kurzbericht Nr. 45 7. Juli 2026 Martin Beznoska / Tobias Hentze

Steuerreform sieht keinen Ausgleich der kalten Progression vor

Die geplante Reform der Einkommensteuer entlastet zwar gezielt kleine und mittlere Einkommen, bleibt insgesamt aber deutlich hinter einer echten Tarifreform zurück. Vor allem der unvollständige Ausgleich der kalten Progression führt im Jahr 2028 zu realen Steuererhöhungen.

Martin Beznoska / Tobias Hentze IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880