Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einer Situation hochbeanspruchter Produktionskapazitäten. Breit angelegte Folgewirkungen einer Überhitzung sind derzeit aber nicht erkennbar. Fehlende Arbeitskräfte stellen ein strukturelles und kein konjunkturelles Problem dar.
Ansätze zur Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsbeanspruchung: Ist die deutsche Wirtschaft am Limit?
IW-Trends
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einer Situation hochbeanspruchter Produktionskapazitäten. Breit angelegte Folgewirkungen einer Überhitzung sind derzeit aber nicht erkennbar. Fehlende Arbeitskräfte stellen ein strukturelles und kein konjunkturelles Problem dar.
Die gegenwärtige konjunkturelle Robustheit der deutschen Wirtschaft hat eine Diskussion über eine potenzielle Überhitzungsgefahr ausgelöst. Eine hohe Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten stellt aber nicht notwendigerweise eine Überhitzung dar.
Um dies zu diagnostizieren, muss die Kapazitätsauslastung mittels einer Projektion des Bruttoinlandsprodukts und des Produktionspotenzials gemessen werden. Im folgenden Beitrag werden einige Ansätze skizziert, mit denen versucht wird, die gesamtwirtschaftliche Potenzialnutzung zu schätzen. Schätzungen von Potenzialwachstum und Output-Lücke über einen Hodrick-Prescott-Filter deuten nicht auf eine zunehmende konjunkturelle Überhitzung der deutschen Wirtschaft hin, sondern vielmehr auf ein sich beschleunigendes Potenzialwachstum in den letzten Jahren. Schätzungen auf Basis eines Growth Accounting zeigen hingegen eine hohe Beanspruchung der Produktionskapazitäten. Auch die Prognose von Oxford Economics mit dem Oxford Economics Global Economic Model weist auf eine recht hohe Kapazitätsauslastung hin. Schließlich liefert auch die Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft originäre Unternehmensevidenz zur Auslastung der Produktionskapazitäten. Demnach spricht gut ein Drittel der deutschen Firmen von einer Überauslastung. Dies ist besonders auf angebotsseitige Gründe im Sinne von fehlenden Fachkräften zurückzuführen und stellt ein strukturelles und kein konjunkturelles Problem dar. Die Wirtschaftspolitik darf deshalb die konjunkturelle Dynamik nicht durch eine expansive Nachfragepolitik weiter befördern, sondern sie muss die zukünftigen Wachstumschancen durch eine potenzialorientierte Wirtschaftspolitik stärken.

Markus Demary / Michael Grömling / Galina Kolev: Ist die deutsche Wirtschaft am Limit? Ansätze zur Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsbeanspruchung
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Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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