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Judith Niehues / Ruth Maria Schüler / Jana Tissen IW-Trends Nr. 2 23. Mai 2021 Selektiver Medienkonsum und sozioökonomisches Unwissen: Ein Katalysator für Unzufriedenheit?

Eine Wissensabfrage zu verschiedenen sozioökonomischen Themen deutet auf erhebliche Fehleinschätzungen in Deutschland hin. Im Median vermuten die Befragten beispielsweise, dass 30 von 100 Menschen in Deutschland von Armut bedroht sind und sogar 50 von 100 Rentnern.

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Ein Katalysator für Unzufriedenheit?
Judith Niehues / Ruth Maria Schüler / Jana Tissen IW-Trends Nr. 2 23. Mai 2021

Selektiver Medienkonsum und sozioökonomisches Unwissen: Ein Katalysator für Unzufriedenheit?

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Eine Wissensabfrage zu verschiedenen sozioökonomischen Themen deutet auf erhebliche Fehleinschätzungen in Deutschland hin. Im Median vermuten die Befragten beispielsweise, dass 30 von 100 Menschen in Deutschland von Armut bedroht sind und sogar 50 von 100 Rentnern.

Die tatsächlichen Werte zu den entsprechenden Armutsrisiken liegen hingegen bei 16 und 17 Prozent. Auch im Themengebiet Arbeitslosigkeit gibt es substanzielle Fehleinschätzungen. Besonders das Ausmaß der Arbeitslosigkeit unter ausländischen Mitbürgern wird stark überschätzt. Trotz teilweise großer Unterschiede zwischen einzelnen Themengebieten zeigen sich insgesamt eher zu pessimistische Einschätzungen der Befragten. Hierzu passt, dass stärkere Fehleinschätzungen mit größerer Unzufriedenheit mit der Demokratie, der sozialen Gerechtigkeit und dem sozialen Sicherungssystem einhergehen, selbst wenn für Bildungs- und Einkommensunterschiede sowie finanzielle Sorgen kontrolliert wird. Dies gilt für alle abgefragten Themenbereiche außer der Einschätzung im Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin zeigt sich, dass Fehleinschätzungen mit politischem Informationsverhalten zusammenhängen. Befragte, die sich vorrangig in sozialen Medien über Politik informieren, tendieren häufiger zu Überschätzungen von Armut und Arbeitslosigkeit und zu sehr pessimistischen Einschätzungen bezüglich der Kriminalitätsentwicklung. Auch wenn die Korrelationen keine Ableitungen bezüglich Ursache-Wirkung-Beziehungen erlauben, deuten sie auf ein enges Zusammenspiel von Fehleinschätzungen, Sorgen, politischer Informationsbeschaffung durch soziale Medien, gesellschaftsbezogener Unzufriedenheit und populistischem Wahlverhalten hin.

 

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