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Gutachten 29. Juni 2021 Judith Niehues / Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen

Vermögen sind ungleicher verteilt als Einkommen. Dieser Sachverhalt ist unumstritten und gilt sowohl in Deutschland als auch in anderen Industrieländern, sodass Deutschland hierbei keine Sonderrolle einnimmt.

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Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen
Gutachten 29. Juni 2021 Judith Niehues / Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen

Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen

Gutachten für den vbw

Judith Niehues / Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Vermögen sind ungleicher verteilt als Einkommen. Dieser Sachverhalt ist unumstritten und gilt sowohl in Deutschland als auch in anderen Industrieländern, sodass Deutschland hierbei keine Sonderrolle einnimmt.

Gemessen am Gini-Koeffizienten weist Deutschland gleichwohl eine verhältnismäßig höhere Ungleichheit der Nettovermögen auf als andere Industrieländer. Hieraus ergibt sich jedoch nicht zwangsläufig ein Gerechtigkeitsdefizit, da der Grad der Vermögensungleichheit unter anderem mit dem Umfang sozialstaatlicher Sicherungssysteme zusammenhängt: So sind die individuellen Nettovermögen in Deutschland mit einem Gini-Koeffizienten von rund 0,8 ähnlich ungleich verteilt wie in Schweden oder Dänemark, die sich ebenfalls durch umfangreiche sozialstaatliche und umverteilende Sicherungssysteme auszeichnen und als Vorbilder egalitärer und gerechter Gesellschaften gelten. Dieses Bild bleibt auch dann bestehen, wenn vorhandene Defizite in den Vermögensdaten aus Haushaltsbefragungen korrigiert werden, beispielsweise durch die Hinzuschätzung fehlender Vermögenswerte an der Spitze.

Zudem beeinflussen Alterseffekte die Verteilung von Vermögen deutlich stärker als die Verteilung von Einkommen, da Vermögen in aller Regel erst allmählich im Verlauf des Lebens aus dem laufenden Einkommen gebildet werden. Darüber hinaus fällt die Verteilung der Nettovermögen erheblich gleichmäßiger aus, wenn die konventionelle Vermögensperspektive um die Ansprüche gegenüber den drei Säulen der Alterssicherung erweitert wird. Werden entsprechende Vermögensäquivalente bei der Vermögensverteilung berücksichtigt, verdoppelt sich das individuelle Nettovermögen im Durchschnitt der Bevölkerung. Gerade Personen mit konventionell geringen oder gar negativen Nettovermögen im unteren Bereich der Verteilung, wozu oft auch Jüngere gehören, verfügen meist über Anwartschaften gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung. In konventionellen Vermögensstatistiken werden diese jedoch nicht berücksichtigt, da sie nur eingeschränkt liquidierbar und übertragbar sind. Dies führt jedoch zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Wohlstandsposition vieler Menschen und zu einer Überzeichnung der (relativen) Vermögensungleichheit. Auch Ländervergleiche werden dadurch erschwert und teilweise verzerrt, da der Umfang privater und staatlicher Vermögensbildung zur Alterssicherung je nach Sozialstaatsmodell stark variiert. 

In Deutschland sinkt der Gini-Koeffizient durch die Erweiterung um die Vermögensäquivalente aus der Altersvorsorge im Jahr 2017 um 22 Prozent von knapp 0,8 auf rund 0,6. Die Verteilung der erweiterten Nettovermögen fällt damit erheblich gleichmäßiger aus als bei konventioneller Betrachtung. Zudem ergibt sich daraus ein differenzierteres Bild der Verteilung von Wohlstandschancen, das den ursprünglichen Eindruck relativiert, der sich aus der Betrachtung konventionell erfasster Vermögen ergibt. Damit wird eine Gerechtigkeitsdebatte nicht obsolet. Aber die politikrelevanten Implikationen, die sich aus der Erweiterung um Vermögensäquivalente aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge ergeben, sollten politische Akteure mit in den Blick nehmen, um unkontrollierbare und unerwünschte Effekte auf die Verteilung des Wohlstands zu vermeiden. Die Erweiterung kann helfen, ein oftmals skandalisierendes mediales Bild zu versachlichen und langfristige Anreizeffekte möglicher Politikmaßnahmen besser abschätzen zu können.

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Gerechtes Deutschland – Die Rolle der Vermögen
Gutachten 29. Juni 2021 Judith Niehues / Jochen Pimpertz / Maximilian Stockhausen

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