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Judith Niehues im Wirtschaftsdienst Externe Veröffentlichung 5. April 2022 Armut in Deutschland – Einfluss der Coronapandemie noch nicht ablesbar

Warum die Datenlage auch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließenden Folgerungen darüber erlaubt, wie sich Corona auf die Armutssituation in Deutschland ausgewirkt hat, erklärt IW-Verteilungsexpertin Dr. Judith Niehues im Wirtschaftsdienst.

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Warum die Datenlage auch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließenden Folgerungen darüber erlaubt, wie sich Corona auf die Armutssituation in Deutschland ausgewirkt hat, erklärt IW-Verteilungsexpertin Dr. Judith Niehues im Wirtschaftsdienst.

Während das Armutsrisiko zwischen dem Ende der 1990er Jahre und etwa 2004 recht deutlich angestiegen ist, zeigt sich in der Folge zwar ein weiterer Anstieg, der aber wesentlich flacher verlief als der Anstieg rund um die Jahrtausendwende. Insbesondere im Zuge der positiven Einkommensentwicklung in den Jahren vor der Coronapandemie ging die Entwicklung zudem mit einem stärkeren Anstieg der Armutsgefährdungsschwelle einher, die sich auch in einem Rückgang materieller Entbehrungen spiegelte. Im Jahr 2015 gaben noch beinahe ein Viertel der Haushalte an, dass sie in Notfällen nicht auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen können, während der Anteil im Jahr 2019 auf 18 % zurückging.

Inwiefern die Coronapandemie Armut und Deprivation in Deutschland beeinflusst hat, lässt sich noch nicht bewerten, da die Ergebnisse des Mikrozensus 2020 aufgrund eines Zeitreihenbruchs keine Vergleiche mit den Vorjahren erlauben und sich die Einkommensangaben der 2020er Welle des EU-SILC auf das Kalenderjahr 2019 beziehen. Auch mit der in Kürze zu erwartenden SOEP-Welle-2020 lässt sich der Einfluss der Coronapandemie auf das Jahr 2020 noch nicht abschließend beurteilen, da sich deren detaillierte Einkommensabfragen ebenfalls auf das Jahr 2019 beziehen und gerade für die Bewertung der Einkommensveränderungen durch die Coronakrise die Berücksichtigung unregelmäßiger Einkommen bedeutend ist.

Dass sich die Armutsgefährdungsquote nach der Stichprobenumstellung im Mikrozensus im Jahr 2020 weiterhin auf einem Niveau von rund 16 % bewegt, deutet jedoch darauf hin, dass sich das relative Einkommensarmutsrisiko im Zuge der Coronapandemie möglicherweise nicht stark verändert hat. Simulationsanalysen der Einkommenseffekte der Coronakrise für das Jahr 2020 weisen in eine ähnliche Richtung und legen nahe, dass die Coronapandemie wahrscheinlich eine Erhöhung der Ungleichverteilung der Bruttoeinkommen impliziert, sich die Verteilung der verfügbaren Einkommen insgesamt aber wenig verändert (Bruckmeier et al., 2021). Die Simulationsergebnisse zeigen zudem, dass sich im Jahr 2020 sogar ein leichter Rückgang des statistischen Armutsrisikos ergeben könnte, da gemäß der simulierten Einkommensveränderungen die Medianeinkommen prozentual stärker zurückgingen als die Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle (Beznoska et al., 2020).

Auch wenn Simulationsergebnisse typischerweise mit Unsicherheiten behaftet sind, deutet sich hier erneut an, dass eine relative Einkommensbetrachtung nicht ausreicht, um Armutslagen umfassend zu identifizieren – denn auch wenn die Effekte auf die Einkommensverteilung noch nicht abschließend geklärt sind, werden Einbußen für diejenigen besonders schwer zu verkraften sein, die nicht auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen können. Wie sich materielle Entbehrungen im Jahr 2020 verändert haben, darüber wird die kommende SOEP-Welle zeitnah Aufschluss geben können.

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