Zwar fielen die Bewertungen im Zuge der zuletzt rückläufigen Arbeitslosigkeit etwas positiver aus. Gleichwohl vermuteten sowohl im Jahr 2008 als auch in 2016 rund 40 Prozent der Deutschen, die Arbeitslosenquote läge bei mindestens 20 Prozent. Auch in den meisten anderen Ländern hat die Überschätzung zwischen 2008 und 2016 zugenommen. Zwar bewegen sich die Bewertungen in Richtung der tatsächlichen Entwicklung, eine positive Dynamik wird allerdings meist zu wenig positiv, eine negative Dynamik hingegen noch negativer wahrgenommen. Je stärker die Bürger die Arbeitslosigkeit überschätzen, desto weniger vertrauen sie dem politischen System, der Demokratie, den Mitmenschen und supranationalen Institutionen wie der EU. Dies gilt ebenso bei Berücksichtigung des individuellen Bildungs- und Einkommensniveaus – und weitestgehend auch im europäischen Ländervergleich. Die Relevanz der Ergebnisse für die aktuelle politische Debatte zeigt sich in besonderem Maß in dem Zusammenhang zwischen Überschätzung der Arbeitslosigkeit und rechtspopulistischem Wahlverhalten. Vor allem in Westeuropa neigen Menschen mit einer pessimistischen Einschätzung der Arbeitslosigkeit eher rechtspopulistischen Parteien zu.