Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern, ist Deutschland vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren bis zum Jahr 2035 voraussichtlich um 10,5 Millionen Personen sinken, was einem jährlichen Rückgang um rund 530.000 Personen entspräche. Dabei werden sowohl Akademiker als auch Fachkräfte mit beruflichem Bildungsabschluss benötigt. Bereits im Jahr 2014 hatten 52 Prozent der Unternehmen in Deutschland Probleme bei der Rekrutierung von beruflich qualifizierten Fachkräften, 53 Prozent bei der Gewinnung von Mitarbeitern mit Fortbildungsabschlüssen, wie Meister oder Techniker, und 42 Prozent bei der Suche nach Akademikern. Differenziert man nach Berufssegmenten bestehen bei den fertigungstechnischen Berufen besonders große Bedarfe. Hier lag die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen im Oktober 2015 bei 91.000, wovon 71.000 auf Fachkraftstellen entfielen, die typischerweise einen beruflichen Abschluss voraussetzen.

Welchen Beitrag die aktuell in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zur Fachkräftesicherung leisten können, hängt von mehreren Faktoren ab. Insbesondere ist von großer Bedeutung, wie viele von ihnen überhaupt längerfristig im Land bleiben und welche Qualifikationen sie mitbringen oder in Deutschland erwerben können. Letzteres lässt sich derzeit kaum abschätzen, da keine verlässlichen Zahlen zu den Bildungsabschlüssen von Asylbewerbern vorliegen. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass ihr Bildungsniveau eher niedrig ist. So hatten im Juni 2015 nur 8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten oder erwerbssuchend Gemeldeten aus Kriegs- und Krisenländer einen Hochschul- und 8 Prozent einen beruflichen Abschluss. Damit einhergehend waren 44 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den Flüchtlingsländern Syrien, Afghanistan, Eritrea und Irak im Juni 2015 in Helferberufen tätig, im Vergleich zu nur 15 Prozent aller Beschäftigten. Die Zuwanderung aus den Flüchtlingsherkunftsländern steigert bisher also vor allem das Arbeitsangebot im niedrigqualifizierten Bereich, und es ist nicht davon auszugehen, dass Flüchtlinge in größerem Maße kurz- und mittelfristig Stellen in Engpassberufen besetzen können.

Um Wachstum und Wohlstand zu sichern, sollte Deutschland daher trotz des starken Zuzugs von Flüchtlingen die Erwerbs- und Bildungsmigration weiter fördern. Diese Formen der gesteuerten Zuwanderung ermöglichen es nämlich, gezielt die Fachkräfte zu gewinnen, die am Arbeitsmarkt auch tatsächlich gebraucht werden und die kein finanzielles Risiko für den deutschen Steuerzahler bergen.

IW policy paper

Wido Geis / Jeannette Michaelle Nintcheu: Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des starken Zuzugs Fachkräfte aus Drittstaaten gewinnen sollte

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Arbeit für Flüchtlinge
Gastbeitrag, 22. Juni 2017

Regina Flake in der Welt Arbeit für FlüchtlingeArrow

Wenn Politik und Wirtschaft eng zusammenarbeiten und die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelingt, kann Deutschland vom Zuzug profitieren. Den Fachkräfteengpass wird dies aber kurzfristig kaum abmildern, schreibt IW-Ökonomin Regina Flake in einem Gastbeitrag für der Welt. mehr

22. Juni 2017

Berit Schmiedendorf 110.000 neue BundesbürgerArrow

Rund 110.000 Ausländer haben sich im Jahr 2016 in Deutschland einbürgern lassen - gut 3.000 mehr als 2015. In den Jahren 2013 und 2014 war die Zahl der neuen Bundesbürger noch zurückgegangen. mehr auf iwd.de

18. Mai 2017

Wido Geis Bund muss Kita-Lücken schließenArrow

Seit August 2013 haben Eltern Anspruch auf einen Betreuungsplatz, sobald ihr Kind ein Jahr alt ist. Dennoch fehlen noch immer gut 293.000 Plätze für unter Dreijährige. Weil der Bedarf weiter steigen dürfte, ist das neue Investitionsprogramm des Bundes zur Kita-Finanzierung ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung. mehr auf iwd.de