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Wido Geis / Jeannette Michaelle Nintcheu IW-Policy Paper Nr. 5 24. Februar 2016 Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise

Warum Deutschland trotz des starken Zuzugs Fachkräfte aus Drittstaaten gewinnen sollte

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Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise
Wido Geis / Jeannette Michaelle Nintcheu IW-Policy Paper Nr. 5 24. Februar 2016

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Warum Deutschland trotz des starken Zuzugs Fachkräfte aus Drittstaaten gewinnen sollte

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern, ist Deutschland vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren bis zum Jahr 2035 voraussichtlich um 10,5 Millionen Personen sinken, was einem jährlichen Rückgang um rund 530.000 Personen entspräche. Dabei werden sowohl Akademiker als auch Fachkräfte mit beruflichem Bildungsabschluss benötigt. Bereits im Jahr 2014 hatten 52 Prozent der Unternehmen in Deutschland Probleme bei der Rekrutierung von beruflich qualifizierten Fachkräften, 53 Prozent bei der Gewinnung von Mitarbeitern mit Fortbildungsabschlüssen, wie Meister oder Techniker, und 42 Prozent bei der Suche nach Akademikern. Differenziert man nach Berufssegmenten bestehen bei den fertigungstechnischen Berufen besonders große Bedarfe. Hier lag die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen im Oktober 2015 bei 91.000, wovon 71.000 auf Fachkraftstellen entfielen, die typischerweise einen beruflichen Abschluss voraussetzen.

Welchen Beitrag die aktuell in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zur Fachkräftesicherung leisten können, hängt von mehreren Faktoren ab. Insbesondere ist von großer Bedeutung, wie viele von ihnen überhaupt längerfristig im Land bleiben und welche Qualifikationen sie mitbringen oder in Deutschland erwerben können. Letzteres lässt sich derzeit kaum abschätzen, da keine verlässlichen Zahlen zu den Bildungsabschlüssen von Asylbewerbern vorliegen. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass ihr Bildungsniveau eher niedrig ist. So hatten im Juni 2015 nur 8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten oder erwerbssuchend Gemeldeten aus Kriegs- und Krisenländer einen Hochschul- und 8 Prozent einen beruflichen Abschluss. Damit einhergehend waren 44 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den Flüchtlingsländern Syrien, Afghanistan, Eritrea und Irak im Juni 2015 in Helferberufen tätig, im Vergleich zu nur 15 Prozent aller Beschäftigten. Die Zuwanderung aus den Flüchtlingsherkunftsländern steigert bisher also vor allem das Arbeitsangebot im niedrigqualifizierten Bereich, und es ist nicht davon auszugehen, dass Flüchtlinge in größerem Maße kurz- und mittelfristig Stellen in Engpassberufen besetzen können.

Um Wachstum und Wohlstand zu sichern, sollte Deutschland daher trotz des starken Zuzugs von Flüchtlingen die Erwerbs- und Bildungsmigration weiter fördern. Diese Formen der gesteuerten Zuwanderung ermöglichen es nämlich, gezielt die Fachkräfte zu gewinnen, die am Arbeitsmarkt auch tatsächlich gebraucht werden und die kein finanzielles Risiko für den deutschen Steuerzahler bergen.

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