Nach und nach stellen die Parteien ihre Ideen für die Bundestagswahl im Herbst vor. SPD, Grüne und Die Linke haben bereits einen Entwurf ihres Wahlprogramms präsentiert. CDU/CSU, FDP und AfD werden voraussichtlich in den kommenden Wochen folgen.

Steuerpolitisch liegt ein Augenmerk auf einer Reform der Einkommensteuer. Alle drei Parteien machen in ihren Programmentwürfen Vorschläge dazu. Die SPD will kleine und mittlere Einkommen entlasten, während die oberen 5 Prozent der Einkommensverteilung mehr bezahlen sollen. Festhalten wollen die Sozialdemokraten an der sogenannten Reichensteuer, der Aufschlag in Höhe von 3 Prozentpunkten soll künftig ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro gelten (SPD, 2021).

Beim Ziel, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten, stimmt die SPD mit den Grünen überein. Allerdings formulieren die Grünen (2021) ihr Vorhaben konkreter. Der Grundfreibetrag soll steigen, während der Tarif für kleine und mittlere Einkommen unangetastet bliebe. Allerdings sollen höhere Einkommen stärker belastet werden, indem für zu versteuernde Einkommen ab 100.000 Euro (bei Zusammenveranlagung 200.000 Euro) der Spitzensteuersatz sprunghaft von 42 auf 45 Prozent steigt. Analog soll auch der Reichensteuersatz um 3 Prozentpunkte auf 48 Prozent steigen. Wie bei der SPD soll der Reichensteuersatz bei Alleinveranlagung ab 250.000 Euro Jahreseinkommen greifen.

Am umfangreichsten und konkretesten sind die Vorstellungen der Partei Die Linke (2021). In Übereinstimmung mit den Grünen will Die Linke den Grundfreibetrag erhöhen. Als Zielwert sind 14.400 Euro pro Jahr angegeben – eine Erhöhung um 44 Prozent bezogen auf das Jahr 2022. Der Spitzensteuersatz des linear-progressiven Tarifverlaufs soll von 42 auf 53 Prozent steigen und ab 70.000 Euro Jahreseinkommen gelten. Derzeit beginnt der Spitzensteuersatz bei rund 58.000 Euro. Der bisherige Reichensteuersatz soll auf 60 Prozent festgelegt werden und zudem ein zweiter Reichensteuersatz in Höhe von 75 Prozent für Einkommen ab 1 Million Euro eingeführt werden. Diese Änderungen würden dazu führen, dass ein Alleinstehender mit einem zu versteuernden Einkommen bis 78.000 Euro pro Jahr insgesamt entlastet wird. Wer mehr verdient, müsste aufgrund der sehr hohen Steuersätze deutlich mehr zahlen als zurzeit.