Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, hat die Bundesregierung ein umfangreiches Konjunkturpaket beschlossen. Unter anderem wurde zum Zweck der Ankurbelung des privaten Konsums der reguläre Mehrwertsteuersatz zum 1. Juli 2020 für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent und der ermäßigte Satz von 7 auf 5 Prozent gesenkt. Eine Befragung im Auftrag des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gibt Aufschluss darüber, wie die Mehrwertsteuersenkung in der Bevölkerung wahrgenommen wurde. Die Ergebnisse der Befragung basieren auf den Antworten von 1.202 Teilnehmern eines Online-Access- Panels, die zwischen dem 10. und 18. August 2020 durch das Marktforschungsunternehmen respondi AG befragt wurden (Beznoska et al., 2020).

Die Frage, ob wahrgenommen wurde, „dass die Unternehmen die Preise in Folge der Mehrwertsteuersenkung reduziert haben“, beantworteten 53 Prozent mit „ja“ oder „eher ja“. Ein Drittel der Befragten hat entsprechende Preissenkungen „teils, teils“ wahrgenommen und nur rund 14 Prozent der Befragten „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“. Gegenüber den Erwartungen vor dem 1. Juli fallen die Einschätzungen somit nach Einführung der Maßnahme deutlich positiver aus. In einer Befragung im Juni hatten ein Drittel der Erwerbstätigen angegeben, dass die Unternehmen gemäß ihrer Einschätzung die Mehrwertsteuersenkung überhaupt nicht in Form niedrigerer Preise weitergeben würden und nur 6,4 Prozent gingen von einer ganz überwiegenden Weitergabe aus (Behringer/Dullien, 2020).

Des Weiteren wurde gefragt, ob Verständnis dafür bestehe, wenn die Unternehmen die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weitergäben. Bei dieser allgemeinen Abfrage ist die Meinung geteilt, denn 37 Prozent der Befragten haben „etwas Verständnis“ oder „großes Verständnis“ dafür, während 40 Prozent „wenig Verständnis“ oder „kein Verständnis“ (22 und 18 Prozent) haben. Die restlichen Befragten (23 Prozent) stehen der Frage „neutral“ gegenüber. Schließlich wurde nach möglichen Umständen gefragt, unter denen die Befragten Verständnis für eine ausbleibende Senkung der Preise hätten. Vor allem für Unternehmen aus Branchen, die hart von der Corona-Krise getroffen wurden, äußerten 63 Prozent ein entsprechendes Verständnis (Abbildung). Zudem gibt es hohe Zustimmungswerte bei kleineren Unternehmen und auch für junge und lokal ansässige Unternehmen. Hingegen lässt das Verständnis bei großen, export­orientierten und ausländischen Unternehmen nach. Keine Gründe für eine ausbleibende Preissenkung lassen 15 Prozent gelten. Zusätzlich gab es eine offene Antwortmöglichkeit, bei der am häufigsten angegeben wurde, dass bei niedrigpreisigen Waren eine ausbleibende Senkung auf Verständnis stoße. Einige befürworteten auch, wenn anstelle der Kunden die Mitarbeiter eines Unternehmens von der Senkung profitieren würden (durch höhere Löhne oder ausbleibende Entlassungen). Mehreren Befragten war es zudem wichtig, dass der Nutzen den Aufwand übersteigen solle.