Im Jahr 2017 lebten in Deutschland 10,2 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung in Privathaushalten, so die aktuelle Auswertung des Mikrozensus durch das Statistische Bundesamt. Der größte Teil, rund 7,5 Millionen Menschen, war schwerbehindert, ihr Grad der Behinderung (GdB) betrug also 50 und mehr. 2,8 Millionen Menschen lebten mit einer leichteren Behinderung (GdB 20 bis 40). Am Arbeitsmarkt zeigt sich zwar eine geringere Teilhabe der behinderten Menschen im Vergleich zu den Nichtbehinderten. Gleichwohl liegt die Erwerbslosenquote der Behinderten im Alter von 15 bis 65 Jahren mit 4,3 Prozent recht nah an der entsprechenden Quote der Nichtbehinderten, die 3,4 Prozent betrug (Statistisches Bundesamt, 2020).

Betrachtet man die Menschen mit Behinderung nach ihrer Stellung im Beruf, so fällt auf, dass die meisten Menschen mit Behinderung, 1,8 Millionen oder 62,4 Prozent, als Angestellte arbeiten. Das ist fast gleich hoch wie bei den Menschen ohne Behinderung, von denen 64,2 Prozent als Angestellte arbeiten. Vergleichbar sind auch die Anteile bei den Beamtinnen und Beamten: Von den Menschen mit Behinderungen arbeiten 4,7 Prozent im Beamtenverhältnis, bei den Nichtbehinderten sind es 5,0 Prozent. Größere Unterschiede gibt es bei den Arbeiterinnen und Arbeitern sowie bei den Auszubildenden: Im Vergleich mit den Nichtbehinderten gibt es bei den behinderten Menschen sieben Prozentpunkte mehr Arbeiterinnen und Arbeiter und 2,5 Prozentpunkte weniger Auszubildende (Statistisches Bundesamt, 2020). Gerade das Thema Ausbildung behinderter Menschen wird vielfach in den Unternehmen unterschätzt - nicht nur hinsichtlich dessen, dass sich die Unternehmen so ihre eigenen Fachkräfte selbst ausbilden können, sondern auch, weil die Ausbildung von behinderten Menschen im Hinblick auf die Ausgleichsabgabe doppelt zählt. Aber dies wissen längst nicht alle Unternehmen und verpassen so gute Chancen. Eine Studie von Flüter-Hoffmann et al. (2017) zeigt am Beispiel von Menschen mit multipler Sklerose, wie sehr praxisnahe Informationen die Inklusion behinderter Menschen fördern können: Umfangreiches Wissen kann Unsicherheiten bezüglich der Ausbildung und Beschäftigung behinderter Menschen abbauen (Flüter-Hoffmann et al., 2017).

Im Vergleich der Tätigkeit in den verschiedenen Branchen fällt auf, dass die drei Branchen mit den höchsten Anteilen behinderter Menschen auch diejenigen sind, in denen die meisten Nichtbehinderten arbeiten (Grafik): In der Branche „Öffentliche und private Dienstleistungen (ohne öffentlicher Dienst)“ arbeiten 854.000 Menschen mit Behinderung. Das sind mit 29,7 Prozent fast ein Drittel aller behinderten Erwerbstätigen. Bei den Nichtbehinderten führt diese Branche ebenfalls das Ranking an, allerdings sind es hier nur knapp ein Viertel der Erwerbstätigen, nämlich 24,3 Prozent. An zweiter Stelle steht das Verarbeitende Gewerbe und der Bergbau: Dort arbeiten 518.000 Menschen mit Behinderung, also fast jeder fünfte (18 Prozent). Von den Nichtbehinderten sind es 19,3 Prozent, die in dieser Branche arbeiten. Und an dritter Stelle rangiert der Handel, das Gastgewerbe und die Reparatur von Kraftfahrzeugen: Hier arbeiten 414.000 Menschen mit Behinderung (14 Prozent). Bei den Nichtbehinderten sind es 17,7 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2020).

Die statistische Erfassung von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben in Deutschland war bisher lückenhaft, weil die Bundesagentur für Arbeit über das sogenannte Anzeigeverfahren nur etwa 165.000 Betriebe in Deutschland mit mindestens 20 Arbeitsplätzen erfasst, die gesetzlich verpflichtet sind, jährlich Angaben zur Beschäftigung von Schwerbehinderten zu machen (Jansen et al., 2020). Künftig liefert allerdings auch der Mi-krozensus jedes Jahr Daten zur Situation der behinderten Menschen im Erwerbsleben (vgl. Methodische Hinweise und Statistisches Bundesamt, 2020, 5).