1. Home
  2. Studien
  3. Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie
Holger Schäfer Gutachten 9. Februar 2017 Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie

Das Familiengeld soll Eltern finanziell belohnen, die sich die Erwerbsarbeit in einem Korridor von 28 bis 36 Stunden gleichmäßig aufteilen. Eine Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Verbandes Gesamtmetall gemacht hat, zeigt, dass diese Leistung den Fachkräfteengpass in der Metall- und Elektro-Industrie verstärkt.

PDF herunterladen
Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie
Holger Schäfer Gutachten 9. Februar 2017

Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie

Kurzstudie für Gesamtmetall

PDF herunterladen

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Das Familiengeld soll Eltern finanziell belohnen, die sich die Erwerbsarbeit in einem Korridor von 28 bis 36 Stunden gleichmäßig aufteilen. Eine Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Verbandes Gesamtmetall gemacht hat, zeigt, dass diese Leistung den Fachkräfteengpass in der Metall- und Elektro-Industrie verstärkt.

Mit dem Familiengeld liegt ein Vorschlag einer neuen familienpolitischen Leistung vor, die solche Eltern finanziell belohnt, die sich die Erwerbsarbeit in einem Korridor von 28 bis 36 Stunden gleichmäßig aufteilen. Modellrechnungen deuten darauf hin, dass zunächst eher moderate Effekte zu erwarten sind. Je nach Gestaltungsparameter könnte das gesamte Arbeitsvolumen annähernd gleich bleiben, d.h. Arbeitszeitverkürzungen der Vollzeitbeschäftigten (meist Männer) werden von einer Arbeitszeitausdehnung der Teilzeitbeschäftigten (meist Frauen) ungefähr kompensiert.

Was bei der Konzeption aber nicht berücksichtigt wurde, sind die strukturellen Effekte auf das Arbeitskräfteangebot. Auswertungen zu Arbeitszeitkonstellationen zeigen, dass Erwerbstätige in der Metall- und Elektro-Industrie häufiger als in anderen Branchen vollzeitbeschäftigt sind und teilzeitbeschäftigte Partner haben, die in anderen Branchen erwerbstätig sind. Umgekehrt gibt es nur wenige Teilzeiterwerbstätige in der Metall- und Elektro-Industrie, die einen vollzeiterwerbstätigen Partner in einer anderen Branche haben. Im Ergebnis muss die Metall- und Elektro- Industrie Arbeitszeitverkürzungen ihrer Vollzeiterwerbstätigen hinnehmen, profitiert aber
kaum von einer Arbeitszeitausweitung der Teilzeiterwerbstätigen.

Unter der Annahme, dass die Reform den beabsichtigten Wertewandel auslöst und sich künftig alle anspruchsberechtigten Personen entsprechend der neuen Anreizsetzung verhalten (Maximaleffekt), müsste die Metall- und Elektro-Industrie mit einem Rückgang der Arbeitszeit in Höhe von bis zu 110.000 Vollzeitäquivalenten rechnen – darunter zum großen Teil MINT-Fachkräfte. Einen wesentlichen Teil des Effektes machen Arbeitszeitverkürzungen von Paaren aus, bei denen bereits beide Partner in Vollzeit beschäftigt sind – wo das Familiengeld also eine reine Subventionierung einer Arbeitszeitreduzierung darstellt. Kann der Arbeitszeitausfall nicht anderweitig kompensiert werden, wofür in einem Umfeld mit bereits bestehendem und voraussichtlich zunehmendem Fachkräftemangel einiges spricht, dann können die Arbeitszeitverkürzungen in einem Verlust von Wertschöpfung von bis zu 7,5 Milliarden Euro resultieren.

Unabhängig von der Validität der Annahme und der resultierenden Höhe des Arbeitsvolumeneffektes wird deutlich, dass die Sicherung der Fachkräftebasis in der Metall- und Elektro-Industrie durch das Familiengeld erschwert wird. Die Leistung würde den ohnehin schon bestehenden partiellen Fachkräftemangel und den Mismatch auf dem Arbeitsmarkt verstärken und zu einer weiteren Spaltung der Lohnentwicklung beitragen. Daraus wird deutlich, dass das eigentlich begrüßenswerte Ziel einer stärkeren Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben nicht auf Kosten einer niedrigeren Erwerbsbeteiligung von von Männern erreicht werden kann, ohne problematische strukturelle Wirkungen hervorzurufen.

PDF herunterladen
Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie
Holger Schäfer Gutachten 9. Februar 2017

Holger Schäfer: Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie

Kurzstudie für Gesamtmetall

PDF herunterladen

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Gleichzeitig: Wie vier Disruptionen die deutsche Wirtschaft verändern
Vera Demary / Jürgen Matthes / Axel Plünnecke / Thilo Schaefer IW-Studie 10. September 2021

Gleichzeitig: Wie vier Disruptionen die deutsche Wirtschaft verändern

Deutschland steht vor großen strukturellen Herausforderungen. Die Corona-Pandemie dominiert seit dem Frühjahr 2020 das politische wie wirtschaftliche Handeln. Darüber hinaus gibt es Entwicklungen, die Wirtschaft, Gesellschaft und Staat beeinflussen: ...

IW

Artikel lesen
Kristina Stoewe / Daniel Wörndl IW-Nachricht 24. August 2021

Trotz Corona: Mehr ausländische Fachkräfte anerkannt

Im vergangenen Jahr wurden mehr ausländische Berufsabschlüsse anerkannt als in den Vorjahren, zeigen neue Destatis-Zahlen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Coronakrise ist Deutschland auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880