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Helen Hickmann / Lydia Malin Gutachten 16. Mai 2022 KOFA Kompakt 4/2022: Fachkräftereport März 2022 – Offene Stellen und Fachkräftelücke auf Rekordniveau

Der vorliegende KOFA Kompakt untersucht zum einen die langfristige Entwicklung von offenen Stellen und Arbeitslosen im Vergleich zu den Vorjahren. Zum anderen wird die aktuelle Entwicklung im ersten Quartal 2022, also von Januar bis März, analysiert.

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Fachkräftereport März 2022 – Offene Stellen und Fachkräftelücke auf Rekordniveau
Helen Hickmann / Lydia Malin Gutachten 16. Mai 2022

KOFA Kompakt 4/2022: Fachkräftereport März 2022 – Offene Stellen und Fachkräftelücke auf Rekordniveau

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der vorliegende KOFA Kompakt untersucht zum einen die langfristige Entwicklung von offenen Stellen und Arbeitslosen im Vergleich zu den Vorjahren. Zum anderen wird die aktuelle Entwicklung im ersten Quartal 2022, also von Januar bis März, analysiert.

Zahl offener Stellen auf Höchstwert

Im März 2022 erreichte die Zahl der offenen Stellen mit über 1,5 Millionen einen neuen Rekordwert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat März 2021 stieg sie um knapp 473.000 (plus 45,3 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum Vorjahreswert im März 2021 saisonbereinigt um etwa 461.000 (minus 16,7 Prozent) auf nun nur noch 2,3 Millionen. Damit lag sie nur noch marginal über dem Wert zu Beginn der Corona-Krise im März 2020. Im Verlauf des ersten Quartals 2022 sank die Zahl der Arbeitslosen um 4,7 Prozent (etwa minus 113.000). Somit dürfte die Fachkräftesituation für Unternehmen angespannter sein denn je, denn dem Höchstwert an offenen Stellen steht eine deutlich schrumpfende Zahl an Arbeitslosen gegenüber.

Fachkräftelücke auf Rekordniveau

Die Fachkräftelücke steigt bereits seit Beginn des Jahres 2021 saisonbereinigt kontinuierlich an und erreichte im März 2022 ebenfalls einen neuen Höchstwert. So fehlten im März 2022 saisonbereinigt gut 558.000 Fachkräfte. Damit stieg die Fachkräftelücke im ersten Quartal nochmal um gut 88.000 offene Stellen, für die es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab.

In absoluten Zahlen fehlten im März 2022 insbesondere Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung  (saisonbereinigt 345.865 Personen). Je höher das Qualifikationsniveau, desto höher ist jedoch der Anteil an offenen Stellen, welche nicht besetzt werden können (Stellenüberhangsquote). Daher sind Expert:innen besonders schwer zu finden: Im März 2022 lag die Stellenüberhangsquote bei 58,7 Prozent, es gab also für fast sechs von zehn offenen Stellen keine passend qualifizierten Arbeitslosen (Fachkräftelücke: 136.692). Bei Spezialist:innen waren es 46,9 Prozent (Fachkräftelücke: 75.706), bei Fachkräften mit Berufsausbildung 42,1 Prozent.

Erneuter Stellenzuwachs in allen Berufsbereichen

Im ersten Quartal 2022 stieg die Zahl der offenen Stellen in allen Berufsbereichen. Am stärksten stieg sie im Bereich „Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung“ mit 9,7 Prozent. Es folgt der Bereich „Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung“ mit 8,6 Prozent, in dem die offenen Stellen im Vergleich zum Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 am stärksten gestiegen sind (46,3 Prozent).

Die höchste Stellenüberhangsquote findet sich im Bereich „Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung“. Hier konnten im März 2022 gut sechs von zehn Stellen nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. Gegenüber dem Vorkrisenniveau im März 2020 stieg die Zahl der offenen Stellen hier zwar weniger deutlich als in anderen Berufsbereichen (plus 6,4 Prozent), allerdings ausgehend von einem seit längerem hohen Ausgangsniveau.

Große Stellenzuwächse in Berufen des Luftverkehrs und der Energietechnik

Betrachtet man einzelne Berufsgattungen (im Folgenden Berufe genannt), zeigt sich, dass es im ersten Quartal des Jahres 2022 große Stellenzuwächse im Bereich des Luftverkehrs gab. Darunter finden sich Luftverkehrskaufleute (plus 749,3 Prozent), Fachkräfte des technischen Luftverkehrsbetriebs (plus 169,5 Prozent) sowie Servicefachkräfte im Luftverkehr (plus 148,5 Prozent). Der Zuwachs erklärt sich durch die Wiederaufnahme des Flugverkehrs, nachdem dieser zu Pandemiebeginn vollständig eingebrochen war.

Der Blick auf die Top-5-Berufe nach Anforderungsniveau zeigt außerdem, dass die Fachkraft für regenerative Energietechnik im ersten Quartal 2022 die größten Stellenzuwächse hatte. Mit einem Zuwachs von 878,2 Prozent ist sie Spitzenreiter. Diese extrem hohe Steigerung lässt sich auch dadurch erklären, dass es sich um einen quantitativ sehr kleinen Beruf handelt, der im Dezember 2021 bundesweit lediglich zehn offene Stellen und nun 102 verzeichnete. Auch die Expert:innen für regenerative Energietechnik finden sich in den Top-5-Berufen mit dem größten Stellenzuwachs in den letzten drei Monaten. Hier stieg die Zahl der offenen Stellen um 53,8 Prozent.

Die mit Abstand meisten Stellen und Beschäftigten in Berufen der regenerativen Energietechnik gibt es jedoch bei Spezialist:innen mit Bachelor- oder Fortbildungsabschluss. Dies ist noch ein recht junges Berufsfeld, das nicht zwingend eine Ausbildung als Fachkraft in der regenerativen Energietechnik voraussetzt, sondern beispielsweise auch über eine Berufsausbildung im Metall- oder Elektrobereich mit anschließender Spezialisierung in der regenerativen Energietechnik erreicht werden kann. Inzwischen gibt es bundesweit 42 Studienangebote für ein grundständiges Bachelor-Studium in diesem Bereich an Universitäten und Fachhochschulen.

Stellenrückgänge vergleichsweise gering

Trotz des deutlich positiven Trends bei den offenen Stellen gibt es auch Berufsgattungen, in denen ein Rückgang zu verzeichnen war. Den größten prozentualen Stellenrückgang im ersten Quartal 2022 verzeichneten Spezialist:innen der Programmierung mit 61,3 Prozent.

Einige der Berufsgattungen, die im März 2022 weniger offenen Stellen als noch im Dezember 2021 aufwiesen, stammen aus dem Bereich Handel und Verkauf, beispielsweise Verkauf von Lebensmitteln (sonstige Spezialisierung) (minus 31,6 Prozent), Verkauf (ohne Produktspezialisierung) (minus 26,4 Prozent), Kaufleute im Handel (minus 16,1 Prozent) oder IT-Vertrieb (minus 13,6 Prozent).

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