Allein die M+E-Industrie wiederum zeichnete sich im Jahr 2016 für Innovationsaufwendungen in Höhe von 97,5 Milliarden Euro verantwortlich und bestritt damit rund 61,4 Prozent der volkswirtschaftlichen Innovationsaufwendungen Deutschlands. Im Jahr 2010 betrugen die Innovationsaufwendungen der M+E-Industrie noch 66,3 Milliarden Euro, was einem Anteil von 55 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Aufwendungen entsprach. Von 2010 bis 2016 nahmen die Innovationsaufwendungen der M+E-Industrie damit um rund 47 Prozent zu.

Hoher Bedarf an Forschern, viele MINT–Forscher haben internationale Wurzeln

Insgesamt arbeiteten im Jahr 2015 rund 1.344.800 Personen in Forschungsabteilungen in Deutschland. Die hohe Bedeutung der M+E-Industrie für die Innovationsaufwendungen in Deutschland zeigt sich auch beim Personal in Forschungsabteilungen: rund 531.300 Erwerbstätige waren in Forschungsabteilungen der M+E-Industrie beschäftigt. 83 Prozent aller Erwerbstätigen in Forschungsabteilungen hatten im Jahr 2015 eine MINT-Qualifikation. Der Bedarf an MINT-Kräften nimmt weiter zu, wenn Deutschland das im Koalitionsvertrag genannte 3,5 Prozent-Ziel der Forschungsausgaben gemessen am BIP erreichen möchte. Allein die Anzahl der MINT-Erwerbstätigen in Forschungsabteilungen müsste um etwa 220.000 Personen zunehmen. Unter den MINT-Erwerbstätigen in Forschungsabteilungen in Deutschland hatten 15 Prozent eine eigene Migrationserfahrung. Dies zeigt deutlich, dass Offenheit für Zuwanderung auch einen wichtigen Beitrag für die Innovationskraft und Forschung in Deutschland leistet.

Nachholbedarf bei Digitalisierung

Der acatech-BDI-Innovationsindikator zeigt, dass Deutschland zu den innovationsstärksten Ländern der Welt gehört. Auch bei den Patentanmeldungen zeigt sich, dass Deutschland im internationalen Vergleich gemessen an den EPO-Patenten je 100.000 Erwerbspersonen zu den führenden Volkswirtschaften zählt. Betrachtet man die Struktur der Patentanmeldungen wird jedoch deutlich, dass Deutschland bei Digitalisierungspatenten im internationalen Vergleich nur durchschnittlich abschneidet. Forschung im Bereich der Digitalisierung wird in Deutschland stark von der Autoindustrie durchgeführt.

Offenheit schafft Wohlstand – 190 Mrd. Euro Wertschöpfungsbeitrag der zugewanderten MINT-Kräfte

Die gute Entwicklung der MINT-Erwerbstätigkeit wurde durch die Zuwanderung begünstigt. Der Anteil der zugewanderten MINT-Kräfte an allen erwerbstätigen MINT-Kräften stieg im Zeitraum von 2011 bis 2016 an – von 14,3 Prozent auf 19,9 Prozent unter MINT-Akademikern und von 11,9 Prozent auf 15,1 Prozent unter beruflich qualifizierten MINT-Kräften. Insgesamt waren im Jahr 2016 rund 563.500 zugewanderte MINT-Akademiker und 1.342.400 zugewanderte beruflich qualifizierte MINT-Kräfte erwerbstätig. Im Ganzen trugen die zugewanderten MINT-Kräfte dadurch zu einem Wertschöpfungsbeitrag im Jahr 2017 in Höhe von rund 190 Mrd. Euro bei.

MINT – bessere Karriereperspektiven und höhere Löhne

Die Arbeitsbedingungen für MINT-Kräfte sind sehr gut. Nur ein kleiner Anteil der MINT-Kräfte ist im Jahr 2016 befristet beschäftigt, eine MINT-Qualifikation ermöglicht sehr gute Chancen auf Karriere. Dies gilt vor allem für die M+E-Industrie, in der nur 4,4 Prozent der MINT-Akademiker befristet sind und 46,3 Prozent in leitender Position arbeiten. Auch die Löhne in den MINT-Berufen sind attraktiv. Der Median des Bruttomonatslohn von vollzeitbeschäftigten Personen in akademischen MINT-Berufen beträgt im Jahr 2017 gut 5.500 Euro und liegt damit über dem Median der anderen akademischen Berufe mit knapp 5.200 Euro. Der Medianlohn der in der M+E-Industrie besonders relevanten Ingenieurberufe der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie der Energie- und Elektrotechnik liegt sogar über der Beitragsbemessungsgrenze von 5.700 Euro (Ost, 2017). Auch in den Spezialisten- und Facharbeiterberufen zeigt sich, dass die MINT-Berufe höhere Medianmonatslöhne aufweisen als die anderen Berufe – 4.600 Euro versus 4.000 Euro bei Spezialisten und 3.300 Euro versus 2.800 Euro bei Facharbeiterberufen.

MINT mit höchstem Bildungsaufstieg

Akademische Bildungsaufsteiger findet man vor allem in den MINT-Berufen. 69,6 Prozent der Ingenieure und 66,3 Prozent der Personen in sonstigen akademischen MINT-Berufen waren im Durchschnitt über die Jahre 2001 bis 2016 Bildungsaufsteiger. Unter Juristen (43,9 Prozent) und Medizinern (49,8 Prozent) war der Anteil der Bildungsaufsteiger am geringsten. Besonders hoch ist der Bildungsaufstieg von Personen in akademischen MINT-Berufen in der M+E-Industrie. Hier waren rund 74 Prozent der Ingenieure und Personen in sonstigen akademischen MINT-Berufen Bildungsaufsteiger.

MINT bietet gute Chancen für Integration

Im Jahr 2016 waren 19,9 Prozent der erwerbstätigen MINT-Akademiker selbst zugewandert (eigene Migrationserfahrung). Der Anteil ist somit vom Jahr 2011 mit 14,3 Prozent bis zum Jahr 2016 um 5,6 Prozentpunkte gestiegen. Unter sonstigen erwerbstätigen Akademikern ist der Zuwandereranteil mit 15,4 Prozent geringer und seit dem Jahr 2011 auch langsamer gestiegen (plus 3,6 Prozentpunkte). Die Erwerbstätigenquote unter Akademikern mit Migrationserfahrung war im Jahr 2016 bei MINTlern mit 81,5 Prozent höher als bei Zuwanderern in anderen akademischen Fachrichtungen mit 75,0 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die beruflich qualifizierten Fachkräfte. Der Anteil von MINT-Zuwanderern an allen MINT-Erwerbstätigen lag mit 15,1 Prozent über dem Zuwandereranteil sonstiger Fachrichtungen (11,0 Prozent). Auch die Erwerbstätigenquote der Zuwanderer war mit 83,5 Prozent höher als bei sonstigen Fachrichtungen mit 77,0 Prozent.

MINT bietet gute Perspektiven für Flüchtlinge

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Personen mit einer Nationalität aus Eritrea, Irak, Afghanistan und Syrien in MINT-Berufen ist zuletzt dynamisch gestiegen. Aus diesen vier Hauptherkunftsländern der Flüchtlinge kamen im vierten Quartal 2012 2.711 Beschäftigte in MINT-Berufen. Im ersten Quartal 2016 waren es 5.348, im ersten Quartal 2017 bereits 10.132 und im ersten Quartal 2018 bemerkenswerte 19.234. Der Anteil der MINT-Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg unter den Personen aus den Hauptherkunftsländern der Flüchtlinge von 8,0 Prozent (Ende 2012) auf 12,4 Prozent im ersten Quartal 2018. Während die gesamte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Personen aus den vier Hauptherkunftsländern um 359 Prozent vom vierten Quartal 2012 bis zum ersten Quartal 2018 gestiegen ist, nahm die MINT-Beschäftigung der Flüchtlinge im selben Zeitraum um 609 Prozent zu. Auch der Ausblick zeigt günstige Perspektiven für die Geflüchteten in MINT-Berufen. Bis Ende 2020 dürfte die Anzahl der Beschäftigten in MINT-Berufen auf über 29.800 steigen.