1. Home
  2. Studien
  3. KOFA Kompakt 8/2026: Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung
Gutachten 30. September 2026 Jurek Tiedemann / Gero Kunath KOFA Kompakt 8/2026: Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung

Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ausgebildete Fachkräfte, finden jedoch oft aufgrund von Fachkräfteengpässen keine.

PDF herunterladen
Kompakt
Gutachten 30. September 2026 Jurek Tiedemann / Gero Kunath

KOFA Kompakt 8/2026: Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung

Jurek Tiedemann / Gero Kunath Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ausgebildete Fachkräfte, finden jedoch oft aufgrund von Fachkräfteengpässen keine.

Gleichzeitig sind viele Menschen ohne Berufsabschluss arbeitslos oder arbeiten in Helfertätigkeiten, obwohl sie Erfahrung mitbringen. Die KOFA-Studie „Von Helfer:in zu Fachkraft: Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung“ untersucht, welchen Beitrag die Qualifizierung von Menschen ohne Berufsabschluss zur Fachkräftesicherung leisten kann und worauf Betriebe bei der Umsetzung achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechnerisch ließe sich rund jede sechste nicht besetzbare Fachkraftstelle durch die Qualifizierung arbeitsloser Helferinnen und Helfer besetzen.
  • Auch bereits beschäftigte An- und Ungelernte können qualifiziert werden: Sie kennen den Betrieb häufig gut und bringen wertvolle Berufserfahrung mit.
  • Ob Qualifizierung gelingt, hängt weniger am Angebot als an Perspektive, Begleitung und betrieblicher Organisation.

Die Studie weist aus, in welchen Engpassberufen das Qualifizierungspotenzial von arbeitslosen und beschäftigten Helferinnen und Helfern besonders groß ist und wo es an Grenzen stößt.

Fachkräftemangel ist vor allem ein Qualifikationsproblem

Bundesweit stehen genug Menschen zur Verfügung, um rechnerisch alle offenen Stellen besetzen zu können. Was jedoch fehlt oft fehlt, ist die berufliche und qualifikatorische Passung: Ein großer Teil der Arbeitslosen sucht eine Helfertätigkeit, für die es weniger Stellen als Bewerber gibt, während Betriebe qualifiziertes Personal nicht finden. Höherqualifizierung setzt genau an dieser Lücke an.

Für Unternehmen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Statt zu fragen, wo sich bereits qualifizierte Fachkräfte finden lassen, lohnt der Blick darauf, wen der Betrieb selbst dorthin entwickeln kann. Das erweitert den Bewerberkreis und macht den Personalbedarf planbarer.

Wo Qualifizierung ansetzen kann

Zwei Gruppen kommen infrage. Beschäftigte Helferinnen und Helfer kennen Abläufe, Kolleginnen und Kunden bereits – für sie ist die Hürde zum nächsten Schritt oft niedrig. Arbeitslose Helferinnen und Helfer bringen häufig Erfahrung aus früheren Beschäftigungen mit, an die eine Qualifizierung anknüpfen kann.

Entscheidend ist die berufliche Nähe. Wo Vorerfahrung und Zielberuf zusammenpassen, ist der Weg kürzer. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen erheblich: In reglementierten Berufen wie der Pflege ist ein formaler Abschluss nötig, in vielen anderen Feldern reichen Arbeitgebern auch Teilqualifikationen. Welche Berufsfelder besonders tragfähig sind, zeigt die Studie im Detail.

Qualifizierung im Betriebsalltag verankern

Qualifizierung scheitert selten am Willen, sondern an ungeklärten Fragen: Wer übernimmt die Aufgaben während der Lernzeit? Was folgt nach dem Abschluss? Gerade in KMU mit knapper Personaldecke fallen Abwesenheiten ins Gewicht. Zugleich haben kleinere Betriebe einen Vorteil, den große schwer nachbilden: persönliche Begleitung im Arbeitsalltag. Mentoring und arbeitsplatznahes Lernen binden neue Kompetenzen direkt an konkrete Aufgaben – für Geringqualifizierte oft der wirksamste Weg.

Empfehlungen für KMU

Wer Qualifizierung erst startet, wenn eine Stelle unbesetzt bleibt, beginnt zu spät. Sinnvoll ist eine vorausschauende Planung entlang absehbarer Kompetenzbedarfe. 

Diese Schritte helfen beim Einstieg:

  • Prüfen Sie, welche beschäftigten Helferinnen und Helfer für eine Höherqualifizierung infrage kommen und suchen Sie früh das Gespräch.
  • Benennen Sie konkret, welche Aufgaben, Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten nach der Qualifizierung folgen können.
  • Sprechen Sie individuelle Hürden offen an, etwa Einkommenseinbußen während der Lernphase oder familiäre Verpflichtungen.
  • Machen Sie Entwicklungswege sichtbar – auch in Stellenanzeigen.

Welche Berufsfelder das größte Potenzial bieten und wo die Grenzen liegen, lesen Sie in der vollständigen Studie.
 

DOI: 10.67087/2.21610

PDF herunterladen
Kompakt
Gutachten 30. September 2026 Jurek Tiedemann / Gero Kunath

KOFA Kompakt 8/2026: Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung

Jurek Tiedemann / Gero Kunath Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Berufliche Bildung unter Druck: Mit Zukunftsmut die Transformation gestalten
Veranstaltung 19. November 2026 Dirk Werner / Sibylle Stippler

Berufliche Bildung unter Druck: Mit Zukunftsmut die Transformation gestalten

Im nunmehr vierten Jahr der aktuellen Konjunktur- und Standortkrise geraten Arbeitsmarkt und Berufliche Bildung zunehmend unter Druck.

Dirk Werner / Sibylle Stippler IW

Artikel lesen
Gutachten 19. Oktober 2026 Valeria Quispe et al.

Wer baut die Zukunft? Fachkräftemangel als Bremse für Wachstum und Investitionen in Deutschland

Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) bietet eine vielversprechende Chance für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Gelingen Infrastruktur-Modernisierung und Klima-Transformation, profitieren Unternehmen, Beschäftigte und die Gesellschaft insgesamt.

Valeria Quispe / Alexander Burstedde / Paula Risius / Dirk Werner IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880