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IW-Kurzbericht Nr. 17 5. März 2026 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan Auswirkungen eines steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft

Der eskalierende Konflikt im Nahen und Mittleren Osten hat gravierende Implikationen für die wirtschaftliche Entwicklung.

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Auswirkungen eines steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft
IW-Kurzbericht Nr. 17 5. März 2026 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan

Auswirkungen eines steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft

Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der eskalierende Konflikt im Nahen und Mittleren Osten hat gravierende Implikationen für die wirtschaftliche Entwicklung.

Ein Anstieg des Ölpreises auf 100 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent wäre mit Kosten für die deutsche Wirtschaft in Höhe von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 verbunden. Insgesamt wäre das ein Verlust an Wirtschaftsleistung in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro über zwei Jahre.

Der US-israelische Krieg mit dem Iran löst zahlreiche Reaktionen in der Region aus, die einen raschen Anstieg der geopolitischen Unsicherheit befeuern samt erneuter Diskussion um eine drohende Energiepreiskrise und die Implikationen verschiedener Ölpreisszenarien.

Wenngleich die USA der größte Erdölproduzent weltweit sind, stehen die Länder des Mittleren Ostens für fast ein Drittel der globalen Erdölproduktion, wobei ein Zehntel allein auf Saudi-Arabien entfällt (Energy Institute, 2025). Zudem liegt in der Region mehr als ein Viertel der globalen Produktion von Flüssiggas (liquefied natural gas, LNG). Somit ist der Mittlere Osten ein wichtiger Anbieter fossiler Brennstoffe, die nicht nur für die Herstellung von Treibstoff unverzichtbar sind, sondern auch in den Herstellungsprozessen vieler energieintensiver Produkte eingesetzt werden. Zudem spielen Erdöl und Erdgas eine wichtige Rolle als Rohstoffe in der chemischen Industrie und werden für die Herstellung einer Vielzahl von Konsum- und Investitionsgütern benötigt.

Auch für die deutsche Wirtschaft sind Erdöl und Erdgas unverzichtbar. Trotz der sinkenden Erdölintensität über die letzten Jahrzehnte entfallen auf Deutschland nach wie vor circa 2 Prozent des globalen Erdölverbrauchs (Energy Institute, 2025). Dabei geben die privaten Haushalte rund 4 Prozent ihres Konsumbudgets für Brennstoffe und Heizöl aus. Die indirekten Kosten, die für die Käufe von Produkten anfallen, die mithilfe von Öl und Gas hergestellt werden, sind kaum verlässlich abzuschätzen: Verpackungsmaterial, Kosmetikprodukte, Autoreifen etc.

Auch der Dieselpreis steigt

Der Anstieg der Ölpreise bleibt zwar wenige Tage nach Beginn des Kriegs hinter den Befürchtungen zurück. Neben dem Rohöl gibt es aber auch Auswirkungen auf verarbeitete Mineralölprodukte. Besonders stark sind die Preisausschläge derzeit beim Diesel, also dem Kraftstoff des Güterverkehrs. Der Preis für einen Liter Diesel ist an der Londoner Börse seit dem 27. Februar um etwa 27  Cent pro Liter gestiegen. Bei Benzin betrug der Anstieg nur etwa 5 Cent pro Liter.

Hintergrund ist der seit dem russischen Überfall auf die Ukraine angespannte globale Dieselmarkt. Russland war früher der größte Exporteur von Diesel gefolgt von den Golfstaaten. Diese Kapazitäten fehlen jetzt dem Markt. 

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Handelsverflechtungen eher gering

Über die bereits beschriebenen Kanäle hinaus hätte die weitere Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen auch Implikationen für den deutschen Außenhandel. Zwar ist der deutsche Warenhandel mit dem Iran aufgrund der Sanktionen und der zunehmenden Isolierung des Irans seit Jahren stark rückläufig. So haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr lediglich Waren im Wert von 963 Millionen Euro in den Iran exportiert und von 234 Millionen Euro von dort bezogen. Im Vergleich zum Jahr 2016, dem ersten Jahr nach Inkrafttreten der Atomvereinbarung mit dem Iran, ist dies ein Rückgang um ein Viertel bei den Importen und um fast zwei Drittel bei den Exporten. Gemessen an den gesamten Exporten Deutschlands im Jahr 2025 macht der Iran lediglich 0,06 Prozent aus, bei den Importen gar nur 0,02 Prozent. Damit belegt der Iran Rang 85 unter den wichtigsten deutschen Handelspartnern.

Weitet man den Blick auf die unmittelbare Nachbarregion, so sind die deutschen Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) am engsten. Trotzdem stehen der Iran und die drei am stärksten von dem Konflikt betroffenen Länder (Katar, Saudi-Arabien, VAE) in Summe nur für rund 1,5 Prozent der gesamten deutschen Exporte und nicht einmal 0,3 Prozent aller Einfuhren.

Implikationen für die Weltwirtschaft

Vor dem Hintergrund der direkten und indirekten Kosten hat der Ölpreisanstieg weitreichende Implikationen für die wirtschaftliche Entwicklung, die über die gravierenden Folgen dieser politischen und humanitären Krise in der Region hinausgehen. Dabei beeinflusst der Iran-Krieg die Wirtschaft über verschiedene Transmissionskanäle (Kolev-Schaefer et al., 2024): Energiepreisschocks, Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten, Unterbrechung der globalen Lieferketten.

Die geopolitische Unsicherheit führt zu Volatilität an den Aktien- und Anleihemärkten, die Risikoprämien und damit die Finanzierungskosten der Staaten und Unternehmen erhöht. Disruptionen der Handelswege führen in einer exportorientierten und handelsoffenen Volkswirtschaft wie Deutschland zu anhaltenden adversen Effekten.

Zudem steigen Frachtraten im Zuge der Unpassierbarkeit der Straße von Hormus und der erhöhten Gefahr beim Transport durch den Suez-Kanal. Dies setzt den deutschen Außenhandel unter Druck und erhöht die Inflationsrate kurzfristig (Obst/Förster, 2024).

Simulationsergebnisse

Um einen Eindruck von der Auswirkung eines Ölpreisschocks auf die deutsche Wirtschaft zu gewinnen, wurden Simulationen mit dem Global Economic Model von Oxford Economics durchgeführt. Dabei wurde im Einklang mit zahlreichen Prognosen vom Anfang des Jahres im Basisszenario ein Ölpreis von 60 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent für die Jahre 2026 und 2027 unterstellt. In zwei Alternativszenarien wurde stattdessen ab März 2026 ein Ölpreis von 100 und 150 US-Dollar unterstellt – Werte, die im historischen Kontext keine Ausnahme darstellen würden. Bei diesen Szenarien handelt es sich dennoch nicht um eine Prognose. Vielmehr soll mit ihnen die Größenordnung der Effekte eines drastischen Ölpreisanstiegs abgeschätzt werden.

Die Ergebnisse dieser Modellsimulationen sind in der Tabelle zusammengefasst. Demnach würde bei einem Anstieg des Ölpreises auf 100 US-Dollar pro Barrel das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 Prozent im Jahr 2026 und 0,6 Prozent 2027 geringer ausfallen. Insgesamt wäre das ein Verlust an gesamtwirtschaftlicher Leistung von real etwa 40 Milliarden Euro über zwei Jahre. Die Verbraucherpreise wären 2026 um 0,8 Prozent und 2027 um 1,0 Prozent höher.

Würde der Ölpreis auf 150 US-Dollar pro Barrel steigen, so beliefen sich die Kosten für die deutsche Wirtschaft 2026 auf 0,5 Prozent des BIP und 2027 auf 1,3 Prozent. In absoluten Werten entspricht das einem Verlust an Wirtschaftsleistung von real über 80 Milliarden Euro in zwei Jahren. Die Verbraucherpreise würden 2026 um 1,6 Prozent und 2027 um 1,9 Prozent höher liegen. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass die Modellsimulationen einen reinen Ölpreisanstieg und die daraus folgenden Anpassungen der Wirtschaft abbilden. Nicht erfasst ist der Anstieg der geopolitischen Unsicherheit, die mit der Verschärfung des Konflikts im Iran einhergeht.

Auch die Auswirkung eines höheren Gaspreises wird im Modell nur indirekt modelliert. Da die Region ein wichtiger Lieferant insbesondere für Flüssiggas ist, dürfte es über die Auswirkungen des Ölpreisanstiegs hinaus zusätzliche Effekte geben. Zwar bezieht die EU nur zu einem geringen Maß LNG aus dem Mittleren Osten. Dennoch würde ein deutlicher Anstieg des globalen LNG-Preises einen spürbaren Einfluss auf die Energiepreise in Deutschland haben. Besonders gravierend ist das aktuell vor dem Hintergrund, dass die Gasspeicher zum Ende der Heizperiode wenig gefüllt sind und Deutschland aufgrund der beschränkten Terminal- und Transportkapazitäten bereits mit dem Einspeichern für den nächsten Winter beginnt.

Kolev und Obst (2022) simulierten im Zuge des Kriegs in der Ukraine einen Gaspreisanstieg von 50 Prozent, der für zwei Jahre bestehen bleibt, und fanden beträchtliche gesamtwirtschaftliche Effekte. So würde die Inflationsrate innerhalb von zwei Jahren um bis zu 3 Prozentpunkte höher ausfallen, der private Konsum um bis zu 1,6 Prozent niedriger liegen und das reale BIP um bis zu 1,4 Prozent gegenüber dem Basisszenario in Deutschland sinken. Energiekrisen haben aber nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Folgen (Grömling, 2024). Steigende Energie- und Importpreise bedeuten einen gesamtwirtschaftlichen Einkommenstransfer von den Energieimportländern zu den Energieexporteuren – ein Effekt, der bereits 2022 zu einem stark gesunkenen Handelsbilanzüberschuss in Deutschland führte (Koenen/Obst, 2023). Strukturell kann dies das deutsche Produktionspotenzial bremsen. Dabei hängen die Auswirkungen entscheidend von der Dauer und dem Ausmaß der Ausbreitung des Konflikts ab. 

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IW-Kurzbericht Nr. 17 5. März 2026 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan

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