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Galina Kolev IW-Kurzbericht Nr. 73 19. November 2018 Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA: Pessimismus überwiegt

Der zunehmend protektionistische Kurs des US-Präsidenten verunsichert viele Unternehmen in Deutschland. Zwar sorgt die gute Konjunktur in den USA nach wie vor für steigende Exportzahlen im US-Geschäft. Doch der Blick in die Zukunft ist getrübter. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit der IW Consult zeigt, dass die deutschen Unternehmen eher mit einer Zuspitzung als mit einer Entspannung im Handelskonflikt rechnen.

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Pessimismus überwiegt
Galina Kolev IW-Kurzbericht Nr. 73 19. November 2018

Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA: Pessimismus überwiegt

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Der zunehmend protektionistische Kurs des US-Präsidenten verunsichert viele Unternehmen in Deutschland. Zwar sorgt die gute Konjunktur in den USA nach wie vor für steigende Exportzahlen im US-Geschäft. Doch der Blick in die Zukunft ist getrübter. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit der IW Consult zeigt, dass die deutschen Unternehmen eher mit einer Zuspitzung als mit einer Entspannung im Handelskonflikt rechnen.

Das Treffen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump im Juli 2018 hat viele Geister beruhigt und für mehr Hoffnung gesorgt, dass eine Verhandlungslösung im Handelskonflikt zwischen der EU und den USA gefunden wird. Doch der Waffenstillstand steht immer noch auf wackeligen Beinen, zumal in der in Washington getroffenen Vereinbarung der Handel mit Produkten der Automobilindustrie explizit herausgenommen wurde. Trotz der angekündigten Absicht zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen bleibt die Ungewissheit bezüglich der Weiterentwicklung des Handelskonflikts hoch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des IW in Kooperation mit der IW Consult, die im September und Oktober 2018 unter 1.111 deutschen Unternehmen durchgeführt wurde (Abbildung). So rechnen 44 Prozent der befragten Unternehmen mit einer weiteren Verschärfung des Handelsstreits zwischen der EU und den USA, während 34 Prozent dies nicht tun. Besonders pessimistisch sind kleinere Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern. Hier gehen 48 Prozent der Befragten von einer Zuspitzung des Handelskonflikts aus und nur 30 Prozent sind der Meinung, dass diese Entwicklung eher nicht zu erwarten ist.

Mit einer erfolgreichen Verhandlung eines transatlantischen Handelsabkommens rechnet nur jedes dritte Unternehmen in der Befragung (33 Prozent). Für 41 Prozent der Unternehmen ist ein Erfolg bei den angekündigten Verhandlungen eher unwahrscheinlich. Und auch hier ist der Pessimismus bei den kleineren Unternehmen wesentlich stärker ausgeprägt. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern verspricht sich keinen Erfolg in den transatlantischen Verhandlungen eines Freihandelsabkommens (49 Prozent). Immerhin rechnen 39 Prozent der durch die Umfrage erfassten Unternehmen in Deutschland nicht damit, dass die USA aus der World Trade Organization (WTO) austreten werden. Nur jedes vierte Unternehmen erwartet, dass die Zuspitzung des Handelskonflikts in einem Austritt der USA aus der WTO endet (25 Prozent), unter den Unternehmen mit eigener Produktion in den USA sind es sogar nur 16 Prozent.

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Bislang bleibt die Auswirkung des Handelskonflikts noch begrenzt, denn deutsche Unternehmen profitieren aktuell von der guten konjunkturellen Lage in den USA. Nach einem schwachen Start in das Jahr 2018 zeigte die US-Wirtschaft im weiteren Verlauf dieses Jahres trotz des sich zuspitzenden Handelskonflikts eine robuste Dynamik. Dazu trägt die expansive Fiskalpolitik Trumps bei, während die Geldpolitik die Zügel nach und nach etwas anzieht. Im zweiten Quartal 2018 erreichte das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts mit 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal den höchsten Wert seit fast vier Jahren. Sowohl die starke Binnennachfrage als auch der Außenhandel trugen hierbei positiv zum Wirtschaftswachstum bei. Im dritten Quartal ging das Expansionstempo auf 0,8 Prozent etwas zurück. Die infolge des Handelskonflikts gestiegene Unsicherheit trug zu einer Investitionszurückhaltung bei den US-Unternehmen bei. Die Anlageinvestitionen schrumpften zum ersten Mal seit Ende 2015 und auch das Exportgeschäft der US-Unternehmen war rückläufig. Die Importe, besonders von Waren, erfuhren hingegen dank einer regen Binnennachfrage einen kräftigen Zuwachs.

Auch deutsche Exporteure verbuchen trotz handelspolitischer Unsicherheit noch steigende Exportzahlen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2018 konnten sie ihren Exportumsatz in den USA um 2,2 Prozent steigern. Doch ein Wachstum von fast 5 Prozent wie im gleichen Zeitraum des Jahres 2017 konnten sie nicht erreichen. Die schwache Investitionstätigkeit im dritten Quartal hinterlässt bereits ihre Spuren – besonders bei den Exportzahlen der auf Investitionsgüter spezialisierten deutschen Hersteller. Die Ausfuhren von Maschinen und elektrischen Ausrüstungen konnten zwar in den Monaten Januar bis August um 4,5 Prozent zulegen, doch das Wachstum halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr fast. Das Exportgeschäft der Automobilindustrie ging sogar um 6,5 Prozent zurück, im Bereich Datenverarbeitung (einschließlich elektronischer und optischer Erzeugnisse) war das Wachstum mit 2,5 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert in Höhe von 8,3 Prozent ebenfalls schwach. Und auch bei den Exporten von chemischen Produkten konnte nur noch ein Wachstum von 4,2 Prozent verzeichnet werden – nach 9,2 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Die hohe Unsicherheit dürfte auch in den kommenden Monaten für Investitionszurückhaltung sorgen, die das Exportgeschäft deutscher Unternehmen nicht nur mit den USA, sondern ebenso mit anderen wichtigen Handelspartnern erschweren wird. Und auch die durch die Midterm Elections errungene Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus dürfte daran nichts ändern, zumal viele handelspolitische Entscheidungen dem Präsidenten überlassen bleiben. Der Sinkflug der deutschen Wirtschaft dürfte sich somit aufgrund der weltwirtschaftlichen Entwicklungen fortsetzen (IW-Forschungsgruppe Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur, 2018).

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