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Christina Anger / Julia Betz IW-Kurzbericht Nr. 102 20. Dezember 2022 Auslandsschulen und Fachkräftesicherung

Vor allem aufgrund des demografischen Wandels steht Deutschland in den nächsten Jahren vor gravierenden Fachkräfteproblemen. Daher gewinnt die Zuwanderung von Fachkräften noch einmal stärker an Bedeutung. Einen Beitrag dazu können auch Absolventinnen und Absolventen der 140 deutschen Auslandsschulen leisten. Sie sind mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut und genießen Erleichterungen bei der Zuwanderung.

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Vor allem aufgrund des demografischen Wandels steht Deutschland in den nächsten Jahren vor gravierenden Fachkräfteproblemen. Daher gewinnt die Zuwanderung von Fachkräften noch einmal stärker an Bedeutung. Einen Beitrag dazu können auch Absolventinnen und Absolventen der 140 deutschen Auslandsschulen leisten. Sie sind mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut und genießen Erleichterungen bei der Zuwanderung.

Fachkräfteengpässe in Deutschland

In vielen Bereichen liegen in Deutschland gegenwärtig und voraussichtlich auch zukünftig Fachkräfteengpässe vor. Im MINT-Bereich tragen dazu beispielsweise die Demografie, die Digitalisierung und die Dekarbonisierung bei. Die Zuwanderung hat in diesem Bereich bereits in den letzten Jahren stark zur Fachkräftesicherung und Innovationskraft beigetragen. Es sind jedoch weiterhin Maßnahmen erforderlich, um die Potenziale von Zuwanderern zu vergrößern. Insbesondere sollten Maßnahmen ergriffen werden, um besonders qualifizierte Zuwanderungspotenziale zu erschließen.

Rolle der Auslandsschulen bei der Fachkräftesicherung

In der Diskussion um die deutsche Fachkräftesicherung wird die Rolle von Deutschen Auslandsschulen (DAS) bisher eher wenig thematisiert, wohl auch da die Absolventinnen und Absolventen dieser Schulen eine relativ kleine Gruppe darstellen. Vor dem Hintergrund der besonderen Qualifizierung, die sie mitbringen, ist eine stärkere Beachtung der DAS jedoch von Interesse.

Deutsche Auslandsschulen sind im Ausland befindliche Schulen, denen „aus einem erheblichen Bundesinteresse heraus der Status ‚Deutsche Auslandsschule‘ (…) verliehen worden ist“ (ASchulG §2 I). Neben nationalen und internationalen Abschlüssen, können Schülerinnen und Schüler meist auch deutsche Schulabschlüsse erlangen, gepaart mit der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur (WDA, 2019, 1). DAS-Absolventinnen und -Absolventen sind damit besonders auf die Anforderungen des deutschen Hochschulsystems und Arbeitsmarkts vorbereitet und dürften auch hinsichtlich einer gelingenden Integration bessere Ausgangsbedingungen haben, da Sprachbarrieren und kulturelle Fremdheit bereits abgebaut wurden (WDA, 2019, 2, 2017). 

Gefördert werden DAS durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), die im Auftrag des Auswärtigen Amts die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik realisiert. Die Funktionen der DAS sind vor diesem Hintergrund vielfältig. Die Schulen dienen der deutschen Sprach- und Kulturvermittlung und fördern qualifizierte Bildungsbiografien, stellen aber auch einen Ort der internationalen Begegnung dar und bilden ein Angebot für im Ausland lebende deutsche Familien (ZfA, 2022).

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Hervorzuheben ist aber vor allem auch, dass die Auslandsschulen als wichtiges Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort Deutschland und sein Hochschulsystem fungieren (ZfA, 2022).

Absolventinnen und Absolventen der DAS stellen aus verschiedenen Gründen ein besonderes Potenzial für die deutsche Wirtschaft und die Fachkräftesicherung dar. Nicht nur sind die Einstiegsvoraussetzungen aufgrund von deutschen Bildungszertifikaten, Sprach- und Kulturkenntnissen günstig. Weiterhin weisen die DAS häufig außerordentlich gute Bildungsbedingungen auf, so etwa in Bezug auf die Klassengröße oder die digitalen Lehr- und Lernmöglichkeiten (WifOR, 2018). Viele Schülerinnen und Schüler punkten darüber hinaus durch ihre sehr guten multilingualen Sprachkenntnisse (WDA/Netzwerk Mobilität, 2022).

Neben den DAS bestehen mit den Deutsch-Profil-Schulen (DPS) und Sprachdiplom-Schulen (DSD) weitere ausländische Schultypen, an denen Deutsch bzw. deutschsprachiger Unterricht in hohem Maße gelehrt wird. Ein deutscher Schulabschluss wird an manchen DPS angeboten, an DSD ausschließlich das deutsche Sprachdiplom (ZfA, o. D.). Im Vordergrund steht bei diesen Schulen somit mehr die reine Sprachvermittlung.

Drei Typen geförderter Bildungseinrichtungen im Ausland lassen sich demnach unterscheiden, wobei DAS grundsätzlich am umfangreichsten auf einen Arbeitsmarkteinstieg in Deutschland vorbereiten. Innerhalb der jeweiligen Typen kann es jedoch auch zu unterschiedlichen Ausgestaltungen kommen.

  • DAS (140 Schulen): I. d. R. Begegnungsschule mit internationaler Zusammensetzung; Unterricht in Deutsch und Landessprache; Vermittlung deutscher Kultur; meist deutsche, nationale und internationale Abschlüsse möglich (ZfA, o. D.)
  • DPS (26 Schulen): Einheimische Schule mit sehr hoher Gewichtung des Fachs „Deutsch“ und mindestens einem weiteren Fach in deutscher Sprache; Deutscher Abschluss z. T. möglich; nationaler Abschluss immer möglich (ZfA, o. D.)
  • DSD (1.100 Schulen): Einheimische Schule mit hoher Gewichtung von „Deutsch“ als Fremdsprache; Kein deutscher Abschluss, aber deutsches Sprachdiplom (ZfA, o. D.)

Bestandsaufnahme Auslandsschulen

Im Schuljahr 2019/20 wurden 140 DAS von der ZfA gefördert. Diese verteilen sich auf 70 Länder: 33 finden sich in Asien/Australien, 14 in Mittel-/Osteuropa bzw. in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), 37 in Lateinamerika, 8 in Nordamerika, 33 in Nord-West-Süd-Europa (inkl. Türkei) und 15 in Afrika (ZfA, 2022). 

Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an DAS ist in den letzten Jahren tendenziell angestiegen. Im Jahr 2011 betrug ihre Zahl 78.800 und im Jahr 2020 84.215. Fast die Hälfte von ihnen besuchte Schulen in Lateinamerika (ZfA, 2022). Zwischen den einzelnen Länderregionen unterscheidet sich der Anteil der Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Muttersprache. Während dieser Anteil im Schuljahr 2019/2020 in DAS in Nordamerika 74,4 Prozent betrug, belief er sich in Lateinamerika nur auf 13,1 Prozent (Grafik). Die gesamte Anzahl der Schülerinnen und Schülern an geförderten Schulen, inklusive DAS, DPS und DSD, ist von 390.500 im Jahr 2011 auf 507.288 in 2020 angestiegen (ZfA, 2022). 

Zuwanderungsmöglichkeiten für Absolventinnen und Absolventen deutscher Auslandsschulen

Absolventinnen und Absolventen, die das Abitur an einer deutschen Auslandsschule erlangt haben, gelten formal als Bildungsinländer und können unter dieser Klassifizierung ein Hochschulstudium in Deutschland aufnehmen (KMK, o. D.). Weitere Zuwanderungserleichterungen für Schülerinnen und Schüler deutscher Auslandsschulen umfassen:

  • § 34 AufenthV: Erleichterungen bei der Visumsvergabe für Studierende (keine Zustimmung der jeweilig zuständigen Ausländerbehörde nötig) 
  • § 17 I 1 AufenthG: Aufenthaltserlaubnis zur Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz
  • § 15 BeschV: zustimmungsfreie Praktika mit einer Dauer von bis zu sechs Wochen

Um das Potenzial von DAS-Absolventinnen und -Absolventen für den deutschen Arbeitsmarkt und das Hochschulsystem besser zu erschließen, sollten gesetzliche und bürokratische Regelungen möglichst unkompliziert gehalten werden. Die Vereinfachung der Visa-Vergabe für angehende Studierende ist hier bereits ein guter Schritt. Wie der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA, 2019, 5) jedoch bemängelt, findet diese Regelung nicht konsequent Anwendung. Sinnvoll wäre daher eine Intensivierung der Bemühungen – auch für jene Absolventinnen und Absolventen, die kein Hochschulstudium anstreben. 

DAS können einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten und sind daher auszubauen. Während es durch fehlende oder nicht-adäquate Qualifikationen und Sprachbarrieren häufig zu Abweichungen der Anforderungen des Arbeitsmarkts und den Qualifikationen der Zugewanderten kommt (Geis-Thöne, 2022), sind DAS-Absolventinnen und -Absolventen gut auf den Einstieg in Deutschland vorbereitet.

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