1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. EU-Haushalt: Deutschland bleibt größter Nettozahler
Zeige Bild in Lightbox
Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. (© Sopa / Getty Images)
Berthold Busch / Björn Kauder / Samina Sultan Pressemitteilung 28. September 2023

EU-Haushalt: Deutschland bleibt größter Nettozahler

Mehr als 237 Euro zahlte im Jahr 2022 jeder Deutscher netto an die EU, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) – kein anderes Land hat so tief in die Tasche gegriffen. Am meisten Geld geht an Deutschlands östlichen Nachbarn Polen.

Im Jahr 2022 hat Deutschland insgesamt 19,7 Milliarden Euro mehr in den EU-Haushalt eingezahlt als es erhalten hat. Das zeigt eine neue IW-Auswertung, die auf Zahlen der Europäischen Kommission basiert. Zwar ging die Summe im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Milliarden Euro zurück – sie ist aber immer noch fast doppelt so groß wie die des zweitgrößten Nettozahlers Frankreich, dessen Zahlungen sich auf etwa zehn Milliarden Euro belaufen. Auch bei den Pro-Kopf-Zahlungen ist Deutschland vorne. So zahlte jeder Deutsche im Schnitt 237 Euro mehr ein als er erhielt. Dahinter folgen Irland mit 197 Euro und Schweden mit 196 Euro; Frankreich landet mit 147 Euro pro Kopf nur auf Rang 6. 

Polen bekommt am meisten

Hauptempfänger war auch im vergangenen Jahr mit großem Abstand Polen: Deutschlands östlicher Nachbar bekam 11,9 Milliarden Euro mehr als er einzahlte. Zu den weiteren Top-Empfänger zählten Rumänien mit 5,6 Milliarden Euro und Ungarn mit 4,4 Milliarden Euro. Am meisten Geld pro Kopf erhielten die Esten mit fast 678 Euro. Wegen der starken Wissenschaftsförderung bekamen Luxemburger im Schnitt knapp 669 Euro, Litauer erhielten 612 Euro.

Im Schnitt der Jahre 2014 bis 2020 hatte Deutschland netto nur 13,5 Milliarden Euro gezahlt. Mit dem Austritt der wirtschaftsstarken Briten muss Berlin nun mehr finanzielle Verantwortung übernehmen. Die schwächelnde deutsche Konjunktur dürfte das Gewicht aber zumindest leicht in Richtung florierender Staaten wie Spanien verschieben.

Neue Mitglieder, neue Herausforderungen? 

Der mögliche Beitritt neuer Mitgliedstaaten würde eine Diskussion um die Finanzierbarkeit entfachen. „Bei Neueintritten muss die EU genau auf das Wohlstandsniveau der Beitrittskandidaten achten“, sagt IW-Ökonomin Samina Sultan. Die Ukraine erreicht nur 53 Prozent des bulgarischen BIPs, Stand heute das ärmste Land in der EU, der Kosovo nur 49 Prozent ¬– beim EU-Beitritt könnten beide mit Zahlungen rechnen, die das bisherige Maß sprengen. 

„Politisch müssen wir die Länder näher an die EU führen. Um die Folgen für den EU-Haushalt abzufedern, sollte die EU Alternativen zur vollen Mitgliedschaft entwickeln“, sagt die IW-Studienautorin. Denkbar wäre hier beispielsweise eine abgestufte Integration.

Zur Methodik: Bis 2020 hat die Kommission die Statistik über die Nettozahler und -empfänger noch selbst veröffentlicht, verzichtet inzwischen aber aus politischen Gründen darauf. Zwar lassen sich die Effekte der europäischen Integration nicht auf die Nettopositionen der Mitgliedsstaaten reduzieren, aus Transparenzgründen ist ihre Berechnung dennoch wichtig.

Inhaltselement mit der ID 12732
PDF herunterladen
Nettozahler und Nettoempfänger in der EU
Berthold Busch / Björn Kauder / Samina Sultan IW-Report Nr. 48 28. September 2023

Wohin fließt das Geld aus dem EU-Haushalt?: Nettozahler und Nettoempfänger in der EU

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Aktuelle Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks
Markus Demary / Niklas Taft IW-Kurzbericht Nr. 42 8. Juli 2024

Aktuelle Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks

Seit der COVID-19-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben der Euroraum und die USA erhebliche Preissteigerungen erlebt.

IW

Artikel lesen
Hubertus Bardt bei phoenix Video 4. Juli 2024

Zölle für chinesische E-Autos: Sorge vor Gegenmaßnahmen gegen deutsche Exporte aus China

Im Gespräch mit phoenix gibt IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt seine Einschätzungen zu den vorläufigen Strafzöllen der EU auf E-Autos aus China. Deutschland begleitete diese Entscheidung kritisch und sorgt sich vor Gegenmaßnahmen gegen deutsche Exporte nach ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880