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Öffentliche Bekenntnisse zur Demokratie, wie hier in Dresden, sind unter ostdeutschen Unternehmen seltener als unter westdeutschen. (© getty images)
Pressemitteilung 12. August 2026 Knut Bergmann / Matthias Diermeier

Umfrage: Ostdeutsche Firmen sorgen sich um Demokratie

Über 90 Prozent der deutschen Unternehmen messen der Demokratie hohe Bedeutung bei – doch zwischen Ost und West zeigen sich Unterschiede in der Sichtbarkeit ihres Engagements, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Der vielfach vermutete Rückstand ostdeutscher Unternehmen beim Demokratieengagement lässt sich empirisch nicht belegen: 76 Prozent der ostdeutschen Geschäftsführer haben sich in den vergangenen drei Jahren für die Demokratie engagiert, im Westen sind es mit 82 Prozent kaum mehr. Der Unterschied zeigt sich woanders: Wahlaufrufe, öffentlichkeitswirksame Formate und explizite Demokratiestatements sind im Osten deutlich seltener als im Westen. Die eigentliche Bruchlinie verläuft also nicht beim Engagement, sondern bei dessen öffentlicher Sichtbarkeit – und das, obwohl ostdeutsche Unternehmer die Demokratie stärker gefährdet sehen: Sechs von zehn nehmen eine Gefährdung wahr, im Westen sind es 55 Prozent.

Ähnliches Engagement, weniger Sichtbarkeit

Knapp jedes zweite Unternehmen engagiert sich in Ost wie West über Verbände, Kammern oder Unternehmensnetzwerke, ein Viertel bietet Austauschformate zu gesellschaftspolitischen Themen an. Für die Studie hat das IW über 900 Unternehmen der Industrie und industrienahen Dienstleistungsbranche befragt. Deutlich wird der Unterschied erst, wenn das Engagement öffentlich sichtbar und explizit politisch wird: Hier werden ostdeutsche Unternehmen weniger aktiv.

Boykott-Angst und anderes Rollenverständnis

Hinter der Zurückhaltung steckt ein potenziell konfliktiveres Umfeld. Rund jedes vierte ostdeutsche Unternehmen nennt mögliche Boykotte, Hasskommentare oder Konflikte in der Belegschaft als Hemmnis für mehr Engagement. Konflikte mit Kunden und Lieferanten werden noch häufiger genannt. Hinzu kommt ein anderes Rollenverständnis: Im Westen sehen fast 65 Prozent der Geschäftsführer es als Aufgabe von Unternehmen an, sich für die Demokratie einzusetzen, im Osten sind es weniger als die Hälfte. Das größte Hemmnis bleibt jedoch in beiden Landesteilen dasselbe: Ressourcenmangel nennen 62 Prozent der westdeutschen und 57 Prozent der ostdeutschen Unternehmen.

„Ostdeutsche Unternehmen sind nicht weniger demokratieaffin – sie agieren aber unter schwierigeren Bedingungen und verstehen ihre Rolle defensiver", sagt Studienautor Knut Bergmann, Leiter des Berliner Büros des IW.

Die Studie basiert auf der Auswertung von Daten, die im Zeitraum Februar bis April 2026 im Rahmen der von der Bertelsmann-Stiftung geförderten Studie „Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert“ erhoben wurden. 
 

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IW-Kurzbericht 51/2026
IW-Kurzbericht Nr. 51 12. August 2026 Knut Bergmann / Matthias Diermeier

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Knut Bergmann / Matthias Diermeier Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

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