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Externe Veröffentlichung 6. Juli 2026 Matthias Diermeier / Rebekka Vollmer* / Knut Bergmann / Dominik Hierlemann* / Thomas Beschorner* / Michelle Meggle* Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert

Unternehmen in Deutschland agieren derzeit unter den Bedingungen einer doppelten Krise. Auf der einen Seite leidet das Land unter einer langjährigen wirtschaftlichen Schwächephase.

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Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert
Externe Veröffentlichung 6. Juli 2026 Matthias Diermeier / Rebekka Vollmer* / Knut Bergmann / Dominik Hierlemann* / Thomas Beschorner* / Michelle Meggle*

Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert

Studie der Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) umgesetzt mit Institut der deutschen Wirtschaft, Universität St. Gallen und pollytik strategic research

Matthias Diermeier / Rebekka Vollmer* / Knut Bergmann / Dominik Hierlemann* / Thomas Beschorner* / Michelle Meggle* Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Unternehmen in Deutschland agieren derzeit unter den Bedingungen einer doppelten Krise. Auf der einen Seite leidet das Land unter einer langjährigen wirtschaftlichen Schwächephase.

Aufkeimende Hoffnungen auf wirtschaftliche Entspannung wurden zuletzt aufgrund neuer geopolitischer Unsicherheiten, gestiegener Energiepreise und einer anhaltend fragilen konjunkturellen Lage erneut deutlich gedämpft (BMWE, 2026). Auf der anderen Seite gerät die liberale Demokratie selbst mehr und mehr unter Druck. Politische Akteur:innen, die Polarisierung gezielt verstärken, sowie ein sinkendes Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des demokratischen Systems stellen den lange Zeit als selbstverständlich erachteten Rahmen wirtschaftlichen Handelns infrage (Boehnke et al., 2024; Franke et al., 2026; Mauk und Stroppe, 2024; Vehrkamp und Koß, 2026; Vorländer et al., 2025).

Diese doppelte Krise betrifft Unternehmen in zweifacher Hinsicht. Als wirtschaftliche Organisationen sind sie unmittelbar auf einen verlässlichen demokratischen Rahmen angewiesen. Zugleich werden sie zunehmend selbst als Akteur:innen adressiert, die zur Stabilisierung eben dieses Rahmens beitragen sollen. Im Zuge von Globalisierung und Digitalisierung haben sich gesellschaftliche Macht, Kommunikations- und Entscheidungsräume entgrenzt (Scherer und Palazzo, 2011): Politische Orientierung, Vertrauen und Erwartung richten sich nicht mehr ausschließlich auf klassische politische Institutionen, Parteien oder staatliche Akteur:innen. Zugleich sind private Akteur:innen, insbesondere wirtschaftliche Organisationen, sichtbarer und einflussreicher geworden.

Unternehmen geraten angesichts dessen zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Erwartungen, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, den Umgang mit gesellschaftlicher Polarisierung, Vielfalt und Antidiskriminierung betreffen (Getachew, 2024; Kroll und Edinger Schons, 2022, Wittenberg Zentrum für Globale Ethik, 2026). Diese Erwartungen knüpfen auch an die weitreichende gesellschaftliche Bedeutung von Unternehmen an: Diese prägen Arbeitsmärkte, organisieren soziale Teilhabe über Beschäftigung und wirken mittel oder unmittelbar auf gesellschaftliche Debatten ein. Nicht zuletzt treffen auch innerhalb der Unternehmen unterschiedliche gesellschaftspolitische Perspektiven aufeinander, sogar häufiger als im privaten Umfeld (Swigart et al., 2020). Damit sind Unternehmen Orte, an denen gesellschaftliche Konfliktlinien sichtbar und potenziell bearbeitungsbedürftig werden. Verdichten sich politische Divergenzen zwischen Beschäftigten, Führungsebenen oder Unternehmensleitungen, kann dies Betriebsfrieden, Organisationskultur und wirtschaftlichen Erfolg beeinträchtigen (Fos et al., 2022).

Unternehmen sind folglich nicht nur Adressaten politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern selbst Teil der Auseinandersetzung darüber, wie der demokratische Rahmen, in dem sie agieren, erhalten und gestärkt werden kann. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Rolle Unternehmen in und für die Demokratie spielen wollen und können.

Daran schließen sich weitere Fragen an: etwa, ob die gestiegenen Erwartungen zu einem veränderten unternehmerischen Selbstverständnis und zu neuen Formen demokratiebezogenen Handelns führen. Oder, wie belastbar unternehmerisches Engagement ist, wenn der wirtschaftliche Druck zunimmt oder sich politische Differenzen in der Gesellschaft verhärten.

Diese Frage stellt sich insbesondere dort, wo demokratische Grundwerte selbst zum Gegenstand politischer Auseinandersetzung werden. Das Erstarken der politischen Ränder erhöht den Druck auf Unter nehmen, ihre Haltung zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlicher Offenheit zu klären. Die jüngsten Entwicklungen in den USA und Europa zeigen diese Dynamik deutlich: Nachdem sich in den USA zahlreiche Unternehmer offen hinter Präsident Trump gestellt oder sich mit diesem zumindest arrangiert hatten, entspann sich eine intensive Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und wirtschaftlichen Eliten (Eisen und Katz, 2025). Auch in Teilen Europas lassen sich Annäherungen führender Wirtschaftsakteur:innen an Parteien des extremen oder populistischen Spektrums beobachten (Feldmann und Morgan, 2023). In Deutschland ist seit Bekanntwerden des „Potsdamer Geheimtreffens“ eine gegenläufige Dynamik wahrzunehmen: Einige Unternehmen geben ihre traditionelle parteipolitische Zurückhaltung auf und positionieren sich öffentlich für Toleranz, Vielfalt und Demokratie (Bergmann et al., 2024a; Beschorner, 2024a; Beschorner, 2024b; Scholz, 2025; Schubert und Kuhn, 2025). Dieses Engagement reicht von persönlichen Stellungnahmen von CEOs über die Anpassung von Unternehmensleitbildern bis hin zu strukturierten Maßnahmen wie internen Schulungen, Dialogformaten oder der Beteiligung an Netz werken.

Während verschiedene Studien und Medienberichte diese veränderten Positionierungen von Unternehmen behandeln, fehlt bislang eine systematische, empirisch fundierte Analyse von Unternehmen als Akteuren der Demokratie. Die vorliegende Studie setzt hier an, analysiert Einstellungen und macht anhand konkreter Beispiele sichtbar, wie Unter nehmen diese Rolle in der Praxis interpretieren und ausfüllen.

Die Untersuchung verfolgt drei zentrale Fragestellungen:

  • Wie nehmen Unternehmen den aktuellen Zu stand der Demokratie in Deutschland wahr? Welche Bedeutung messen sie der Demokratie bei und welche Erwartungen haben sie?
  • Wie sieht das Selbstverständnis aus, das Unter nehmen in der Demokratie für sich entwickeln?
  • In welcher Form engagieren sich Unternehmen für demokratische Werte, wie schätzen sie die Wirkung dieses Engagements ein und welche Hemmnisse stehen einem (weitergehenden) Engagement entgegen?

Die Studie stützt sich auf ein mehrdimensionales empirisches Design. Den Ausgangspunkt bildet eine vom Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Unternehmensbefragung. Es handelt sich hierbei um die bis lang umfassendste Erhebung zum Themenfeld Demokratie im Unternehmenskontext in Deutschland. Vertieft wurden die Befunde durch qualitative Inter views mit Unternehmensvertreter:innen. Fallstudien ergänzen die Analyse um Beispiele guter Praxis unternehmerischen Demokratieengagements. Ausführliche Erläuterungen zur Methodik finden sich in Anhang A. Die empirischen Befunde wurden in der Gesamtschau aller methodischen Teile der Stu die ausgewertet und schließlich in Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft übersetzt, die einen praktischen Weg nach vorn weisen.
 

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