1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. Ukraine-Krise: Mit höheren Gaspreisen droht eine Inflation von sechs Prozent
Zeige Bild in Lightbox
Ukrainische Demonstranten vor der russischen Botschaft in London (© Foto: GettyImages)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Galina Kolev / Thomas Obst Pressemitteilung 24. Februar 2022

Ukraine-Krise: Mit höheren Gaspreisen droht eine Inflation von sechs Prozent

Russland greift die Ukraine an und die NATO-Partner erlassen erste Sanktionen: Wenn in Folge der Krise die Gaspreise stark steigen, droht das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2023 geringer auszufallen. Auch die Inflationsrate würde weiter in die Höhe schnellen – bis zu 6,1 Prozent sind realistisch, zeigen neue Modellsimulationen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr als die Hälfte der Erdgasimporte bezieht Deutschland aus Russland. Auch wenn die Bundesrepublik kurzfristig einen Stopp der Gaslieferungen überstehen könnte, würden die Preise für Gas in die Höhe schnellen. Um die potenziellen Auswirkungen eines solchen Szenarios auf die deutsche Wirtschaft und die Verbraucher einschätzen zu können, hat das IW zwei Modellsimulationen vorgenommen. Im ersten Szenario bleibt der Gaspreis im Jahr 2022 auf dem Niveau aus dem vierten Quartal 2021. Das zweite Szenario geht von noch höheren Preisen aus: Hier wird mit einem Anstieg der Gaspreise um weitere 50 Prozent gerechnet. 

BIP wäre im schlimmsten Fall 1,4 Prozent geringer

Im ersten Szenario würde die Inflationsrate im laufenden Jahr auf 4,3 Prozent und 2023 auf 4,5 Prozent steigen. Die Verbraucher, aber auch die Unternehmen, hätten also noch weniger im Portemonnaie als ohnehin schon. Als Basis der Berechnung dient die jüngste Prognose der Bundesbank, die in 2022 von 3,6 Prozent Inflation ausgeht und in 2023 von 2,2 Prozent. Der private Konsum würde ebenfalls geringer ausfallen, was sich auch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) bemerkbar macht: 2022 fiele das BIP um 0,2 Prozent und 2023 um 0,7 Prozent geringer aus. 

Kommt es zu gravierenderen Liefereinschränkungen, könnte sich der Gaspreis allerdings noch weiter erhöhen. In diesem zweiten Szenario würde die Inflationsrate in diesem Jahr auf 6,1 Prozent und 2023 auf fünf Prozent klettern. Das BIP würde im nächsten Jahr ganze 1,4 Prozent geringer ausfallen. 

Erholung von Pandemie wird verlangsamt

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der schleppenden Erholung würde eine Eskalation den Weg zur wirtschaftlichen Normalität weiter erschweren. Zwar handelt es sich bei den Modellsimulationen um mögliche Entwicklungen und nicht um Prognosen, aber die Berechnungen zeigen deutlich, welche Auswirkungen die Krise noch haben könnte. „Wir untersuchen hier nur die möglichen Folgen eines höheren Gaspreises. Der Konflikt bringt schwindendes Vertrauen von Investoren, möglicherweise Handelssanktionen oder Produktionsausfälle mit sich“, sagt Studienautorin Galina Kolev. Ko-Autor Thomas Obst ergänzt: „Die wirtschaftlichen Folgen eines militärischen Konflikts sind kaum abzuschätzen. Die bedeutende Rolle von Energiesicherheit hin zur Klimaneutralität für die deutsche Wirtschaft steht vor einem Scheideweg.“ 

PDF herunterladen
Gesamtwirtschaftliche Effekte eines höheren Gaspreises
Galina Kolev / Thomas Obst IW-Kurzbericht Nr. 14 24. Februar 2022

Gesamtwirtschaftliche Effekte eines höheren Gaspreises

PDF herunterladen Zitieren

Kopieren Sie die Informationen:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
US-Präsident Joe Biden spricht vor dem Weißen Haus.
Jürgen Matthes IW-Kurzbericht Nr. 78 29. September 2022

Handelsbeziehungen zu den USA: Das Glas ist mehr als halb voll

Die transatlantischen Handelsbeziehungen haben sich unter der Biden-Administration – trotz verbleibender Konflikte – sehr deutlich verbessert. In der Folge sind die USA als Exportpartner mit einem Ausfuhranteil von fast 10 Prozent im ersten Halbjahr 2022 für ...

IW

Artikel lesen
Matthias Diermeier beim 20. owl-Fachkongress Video 25. August 2022

Die erschöpfte Globalisierung in Zeiten fundamentaler Transformation

„Während wir vor zwanzig Jahren noch verheißungsvoll auf die Globalisierung geschaut und versucht haben, Potenziale zu nutzen, geht es heute darum Risiken einzudämmen und unsere Resilienz zu stärken”, erklärte IW-Ökonom Matthias Diermeier beim 20. Fachkongress ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880