1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. EU-Lieferkettengesetz: Jedes fünfte Unternehmen will Preise erhöhen
Zeige Bild in Lightbox
(© Foto: GettyImages)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Galina Kolev / Adriana Neligan IW-Nachricht 23. Februar 2022

EU-Lieferkettengesetz: Jedes fünfte Unternehmen will Preise erhöhen

Die EU-Kommission legt heute einen Entwurf für ein EU-Lieferkettengesetz vor. Dabei will sie im Vergleich zu Deutschland mehr Unternehmen in die Pflicht nehmen, höhere Menschenrechts- und Umweltstandards in ihren Lieferketten sicherzustellen. Dies führt zwar zu mehr Transparenz, aber auch zu mehr Bürokratie und höheren Kosten, wie eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Noch bevor das deutsche Lieferkettengesetz 2023 in Kraft tritt, macht die EU Druck: Sie will per Gesetz Unternehmen verpflichten, stärker auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards zu achten. Betroffen sind Berichten zufolge Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem weltweiten Nettoumsatz von mindestens 150 Millionen Euro. Welche Auswirkungen Unternehmen erwarten, zeigt eine aktuelle IW-Studie: So wollen 18 Prozent der vor Kurzem vom IW befragten Unternehmen nur noch Vorprodukte aus Ländern beziehen, die ausreichend auf die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltschutzstandards achten. Etwa zwölf Prozent der Unternehmen planen, sich aus Ländern mit schwachen Governance-Strukturen zurückzuziehen – davon wären vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer betroffen.

Höhere Standards und mehr Bürokratie

Das neue Gesetz sorgt außerdem für zusätzliche Bürokratie: Acht Prozent der Unternehmen wollen für das entsprechende Monitoring externe Dienstleister beauftragen. Um die zusätzlichen Kosten zu finanzieren, beabsichtigt jedes fünfte Unternehmen, die Preise für seine Produkte zu erhöhen und damit an Kunden zu überwälzen. 

Nachteile für Entwicklungs- und Schwellenländer

Zwar zielt das Gesetz auf eine Verbesserung der Menschenrechte und Umweltstandards in Drittländern ab, doch es bringt auch unerwünschte Nebenwirkungen. Die Einführung einer Lieferkettenkontrolle ist teuer. Ziehen sich Unternehmen aufgrund der hohen Kosten aus Schwellen- und Entwicklungsländern mit schwacher Gesetzeskontrolle zurück, hätte dies verheerende Folgen für die dort von ihnen geschaffenen Arbeitsplätze, die etablierten Produktionsstandards sowie das bereits investierte Kapital. „Die neue EU-Regelung muss daher sorgfältig abgewogen werden“, sagt IW-Ökonomin Galina Kolev. „Sie sollte nur auf Unternehmen abzielen, bei denen Beweise für den Missbrauch schwacher Produktionsstandards in Drittländern vorliegen.“ So kann die neue Regelung wirksam umgesetzt werden, ohne dass es zu unerwünschten Nebeneffekten durch steigende Bürokratiekosten und zunehmende Unsicherheit kommt. 

PDF herunterladen
Survey-based results on the expected effects of the German Supply Chains Act
Galina Kolev / Adriana Neligan IW-Report Nr. 8 23. Februar 2022

Effects of a supply chain regulation: Survey-based results on the expected effects of the German Supply Chains Act

PDF herunterladen Zitieren

Kopieren Sie die Informationen:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Herausfordernde Zeiten für die USA und die EU – Wohin steuert die Wirtschafts- und Geldpolitik?
Sandra Parthie Veranstaltung 21. November 2022

Podiumsdiskussion: Herausfordernde Zeiten für die USA und die EU – Wohin steuert die Wirtschafts- und Geldpolitik?

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat massive Preissteigerungen ausgelöst. Doch schon zuvor gab es aufgrund der Corona-Pandemie und einer schleichenden Deglobalisierung hohe Inflationsrisiken. Wie sollten Regierungen und Zentralbanken jetzt ...

IW

Artikel lesen
Samina Sultan / Jürgen Matthes IW-Nachricht 9. November 2022

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt darf nicht weichgespült werden

Die Europäische Kommission will den Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP) reformieren – unter anderem sollen die Mitgliedstaaten mehr Flexibilität bei der Schuldentilgung erhalten. Hier drohen zu große Ermessensspielräume für die Kommission. Stattdessen braucht ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880