Seit mehr als einem Jahr ist unsere Gesellschaft mit den Folgen der Corona-Pandemie konfrontiert, die uns in vielen Bereichen vor große Herausforderungen stellt. Der heute erschienene Datenreport 2021 wirft jedoch auch einen Blick auf die Zeit vor Corona und erinnert daran, dass sich viele Daten bis zu Beginn der Krise sehr positiv entwickelt hatten. So verzeichnete Deutschland bis zum Jahr 2019 immer neue Beschäftigungsrekorde bei der sozialversicherungspflichtigen Voll- und Teilzeitbeschäftigung. Die Reallöhne waren substanziell gestiegen, die Einkommens- und Vermögensverteilung seit mindestens einer Dekade stabil. 

Lebenszufriedenheit jahrelang gestiegen

Dies spiegelt sich auch in den subjektiven Einstellungen der Menschen wider: Im Jahr 2019 war die allgemeine Lebenszufriedenheit in Ost- und Westdeutschland so hoch wie nie seit der Wiedervereinigung. Auch die Zufriedenheit mit dem persönlichen Einkommen war seit der ersten Erhebung der Daten im Jahr 2004 nie höher. Gleichzeitig sorgten sich im Jahr 2019 so wenige Menschen wie nie zuvor um ihre wirtschaftliche Situation oder den Arbeitsplatz. Auch wenn es richtig und notwendig ist, Problemlagen besonders zu adressieren, sollten diese nicht allein im Mittelpunkt stehen. Denn es besteht dabei die Gefahr, dass ein verzerrtes Bild der Realität entsteht und die Menschen das Vertrauen in den Staat und unsere wohlstandschaffende Wirtschaftsordnung verlieren.

Verfügbare Einkommen kaum gesunken 

Dabei hat sich der sozialstaatliche Ausgleich in der Corona-Pandemie bewährt. Wenngleich die Markteinkommen einiger Gruppen – beispielsweise Geringqualifizierte und Migranten, aber auch Selbstständige – besonders stark betroffen waren, haben sozialstaatliche Unterstützungen wie das erweiterte Kurzarbeitergeld, der vereinfachte Zugang zum Kinderzuschlag, zum Wohngeld oder zur Grundsicherung in Verbindung mit Überbrückungshilfen für Selbständige für einen erheblichen sozialen Ausgleich gesorgt und Einkommensverluste abgefedert. So sanken die Markteinkommen nach einer Simulationsstudie des IW im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2019 krisenbedingt um rund sechs Prozent, während die verfügbaren Haushaltseinkommen nach Steuern und Transferzahlungen um weniger als ein Prozent zurückgingen. Die relativen Veränderungen der verfügbaren Haushaltseinkommen sind dabei in den untersten Einkommensgruppen am geringsten.

Arbeitslosigkeit größtes Armutsrisiko

Aufgabe muss es daher sein, gezielt Hilfe zu leisten. Unternehmensinsolvenzen und Arbeitslosigkeit gilt es zu verhindern, damit nicht mehr Menschen in Armutsgefahr geraten und dort im schlimmsten Fall dauerhaft verharren. Denn der Datenreport 2021 zeigt auch, dass es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden ist, sich aus dauerhafter Armutsgefährdung nachhaltig zu befreien. Ungebrochen gilt, dass das größte Armutsrisiko weiterhin daran besteht, arbeitslos oder unterbeschäftigt zu sein.