1. Home
  2. Presse
  3. Lohnpolitik: Darum verdienen Ostdeutsche noch immer weniger als Westdeutsche
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Hagen Lesch auf handelsblatt.com Interview 4. August 2018

Lohnpolitik: Darum verdienen Ostdeutsche noch immer weniger als Westdeutsche

Westdeutsche verdienen mehr als Ostdeutsche. IW-Ökonom Lesch erklärt im Interview mit Handelsblatt Online, warum das so ist, der Mindestlohn daran kaum etwas ändert und die Politik oft machtlos ist.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Herr Lesch, wer in Westdeutschland arbeitet, verdient durchschnittlich rund 700 Euro mehr als Ostdeutsche. Wie bewerten Sie diese Situation?

Bruttolöhne sind nicht die real verfügbaren Einkommen. Zum einen führen die progressive Besteuerung und staatliche Transferzahlungen ja dazu, dass sich die Differenzen nicht so stark auf die Nettolöhne auswirken. Zum anderen sagen Löhne, die nicht kaufkraftbereinigt sind, nicht so viel über die Lebensqualität aus, wie es auf dem ersten Blick scheint.
Arbeitnehmer in Ostdeutschland verdienen im Durchschnitt zwar weniger. Allerdings sind zum Beispiel die Mietpreise in ostdeutschen Regionen nicht so hoch wie im Westen. Zu prüfen wäre auch, inwieweit andere Kosten im Osten des Landes niedriger sind. Hier zeigt sich, dass es schwierig ist, die ökonomische Situation der Menschen alleine durch einen Vergleich der Bruttolöhne zu bewerten.

Die Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann nennt es „beschämend“, dass Ostdeutschland flächendeckend von niedrigen Löhnen gekennzeichnet sei. Sie sagen: Die Zahlen sind nichts wert?

Der bloße Vergleich der Bruttolöhne ist sicherlich interessant, liefert aber keinen belastbaren ökonomischen Befund, aus dem sich etwa politische Forderungen ableiten lassen.

Warum gibt es überhaupt regionale Unterschiede im Lohnniveau?

Dafür sind zum einen regionale Knappheiten verantwortlich. In Ballungsräumen ist es für Unternehmen oft schwieriger, geeignete Arbeitnehmer zu finden. Das führt dazu, dass sie bereit sind, höhere Löhne zu zahlen. Auch die Industriestärke der einzelnen Regionen spielt eine Rolle. Es gibt viele ostdeutsche Regionen, die von Dienstleistungssektoren, wie zum Beispiel dem Tourismus geprägt sind. Dort werden nicht so hohe Gehälter wie in industriellen Großbetrieben gezahlt, die zu einem großen Teil im Westen angesiedelt sind.

Zudem werden in Ostdeutschland weniger Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt, weil die Gewerkschaften dort schwächer sind. Auch die unzureichende Mobilität spielt eine Rolle. Wäre es für potenzielle Arbeitnehmer, die in Ostdeutschland leben, einfacher, in wirtschaftsstarke Regionen zu ziehen, würde sich dies auch auf die Löhne in strukturschwachen Gegenden auswirken, weil die Arbeitskräfte dort knapper würden.

Das müssen Sie genauer erklären.

Arbeitnehmer könnten zum Beispiel von Mecklenburg nach München ziehen. Dann würden die Löhne in Mecklenburg steigen und in München sinken, sich also annähern. Diese zur Angleichung der Löhne nötige Mobilität wird aber durch viele Faktoren wie Wohnraumknappheit verhindert.

Welche Maßnahmen hat die Politik bereits ergriffen, um das Lohnniveau in Ost- und Westdeutschland anzugleichen?

Eine entscheidende Maßnahme war sicherlich der Mindestlohn. Gerade im Niedriglohnsektor haben viele Menschen aus Ostdeutschland von der Einführung des Mindestlohnes profitiert.

Hätte das nicht ein weiteres aufklaffen der Gehaltslücke verhindern müssen?

Da der Mindestlohn nur einen kleinen Teil des Arbeitsmarktes beeinflusst, sind auch seine Auswirkungen begrenzt.

Zum Interview auf handelsblatt.com

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Was kann Deutschland von Frankreich und dem Vereinigten Königreich lernen?
Hagen Lesch / Helena Schneider / Christoph Schröder IW-Analyse Nr. 145 20. Oktober 2021

Mindestlohnanpassung und Living Wage

Nach dem Mindestlohngesetz hat die Mindestlohnkommission die Aufgabe, alle zwei Jahre über eine Anpassung des Mindestlohns zu entscheiden. Neben einer Gesamtabwägung soll sie sich dabei nachlaufend an der Tariflohnentwicklung orientieren.

IW

Artikel lesen
Christoph Schröder IW-Policy Paper Nr. 25 8. Oktober 2021

Brauchen wir einen europäischen Mindestlohn?

In vielen Ländern deutet sich in der Mindestlohnpolitik ein Paradigmenwechsel an oder ist bereits vollzogen. Anstatt als untere Auffanglinie die Beschäftigten vor Ausbeutung zu schützen, soll der Mindestlohn – möglichst ohne staatliches Zutun – einen ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880