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Michael Hüther in der Financial Times Deutschland Interview 27. Dezember 2011

"Delle würde Deutschland treffen"

Trotz gestiegener Risiken ist Michael Hüther, Direktor am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), verhalten optimistisch für die Bundesrepublik.

Die Konjunkturindikatoren deuten klar auf einen Abschwung in Deutschland hin. Wegen der Sparorgien droht die Nachfrage aus Europa einzubrechen. Wer wäre hierzulande von einem Abschwung besonders betroffen?

Eine Konjunkturdelle dürfte die deutsche Wirtschaft nach einem ähnlichen Muster treffen wie schon im Rezessionsjahr 2009. Die Ausfuhren steuern mehr als die Hälfte zur Wirtschaftsleistung bei. Über diesem Exportkanal bekommen besonders die Industrie und unternehmensnahe Dienstleistungen eine Flaute zu spüren. Die Autobranche und ihre Zulieferer wären belastet, vor allem die Stahlbranche. Allerdings sehen wir bislang nur eine Verlangsamung und noch keinen Absturz. Die Weltwirtschaft dürfte im kommenden Jahr immerhin um rund drei Prozent wachsen – dagegen war die globale Produktion 2009 sogar geschrumpft.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich nach der Rezession von 2009 äußerst stabil gezeigt. Ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich diese Erfolgsstory wiederholen lässt?

Die Erfahrungen aus der heftigen Rezession 2009 sind nicht zu unterschätzen. Die Firmen sind gut vorbereitet, die Arbeitszeitkonten wieder stärker gefüllt. Die Flexibilität ist nach wie vor hoch. Bislang reagiert keine einzige Branche erkennbar mit Entlassungen. Und wegen der demografischen Entwicklung dürfte die Zahl der Erwerbslosen sogar weiter sinken. Die Anpassung wird bei größeren Problemen eher dadurch stattfinden, dass Unternehmen sich bei großen Anschaffungen vorerst zurückhalten werden. Positiv ist, dass die deutsche Wirtschaft – ganz im Gegensatz zu vielen Euro-Randländern – noch keine Probleme hat, an Kredite zu kommen, um ihre Projekte und Investitionen zu finanzieren.

Die Risiken sind jedoch hoch. Ein Kollaps könnte drohen, wenn Chinas Immobilienblase platzt. Das Land ist zu einem der wichtigsten Handelspartner der deutschen Wirtschaft aufgestiegen.

Größere Korrekturen an Chinas Häusermarkt würden am Ende in der Tat auch die deutsche Wirtschaft belasten. Denn davon wären besonders die wohlhabenderen Bevölkerungsschichten in den Großstädten betroffen, die viele Luxusgüter aus Deutschland nachfragen. Allerdings verfügt Peking über einen hohen Bestand an Währungsreserven. Sollten die Probleme am chinesischen Bankenmarkt eskalieren, wird die Regierung keine Sekunde zögern, das Finanzsystem mit diesem Geld zu stabilisieren.

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