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Enrico Schöbel / Sarah Fluchs / Adriana Neligan in ARGOS Wirtschaftsmagazin für Mitteldeutschland Gastbeitrag 12. Januar 2023

Circular Economy: Die deutsche Industrie in der Kreislaufwirtschaft

In dem folgenden Gastbeitrag beschäftigen sich Sarah Fluchs und Adriana Neligan gemeinsam mit Enrico Schöbel mit der Frage, welche Bedeutung die Kreislaufwirtschaft für die Industrie hat und stellen ihre Ergebnisse zum Thema zirkuläre Geschäftsmodelle auf Basis einer Unternehmensbefragung vor. Die Ergebnisse lassen erkennen, dass sich die Kreislaufwirtschaft im Aufbau befindet und dass sie weiter ausbaufähig ist.

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Ein Denken in Kreisläufen liegt der Ökonomik inne, spätestens seit François Quesnay 1758/1759 sein Tableau économique veröffentlichte. Als langjähriger Mediziner am Hofe des französischen Königs entwickelte er aus den damaligen Kenntnissen über die Kreisläufe im menschlichen Körper sein Modell eines Wirtschaftskreislaufs. Die damit verbundene Idee des nachhaltigen Wirtschaftens wurzelt im Philosophischen Denken der griechischen Antike.

Im einfachsten Kreislaufmodell der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (vgl. bspw. das Lehrbuch von Brümmerhoff und Grömling zur VGR, 10. Auflage, 2015) fließt einem Güterstrom immer der entsprechende Geldstrom entgegen. Beide spiegeln sich, z. B. fließt eine Menge eines Gutes vom Unternehmen zum privaten Haushalt und gleichzeitig fließt die entsprechende Geldzahlung vom Haushalt an das Unternehmen. Deshalb konnten Volkswirte zur weiteren Vereinfachung ihrer Modelle die Güterströme einfach weglassen und nur noch auf die Geldströme schauen.

Spätestens mit dem Umdenken von der Durchlaufwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft rücken aber die stofflichen Kreisläufe wieder in den Fokus, die in der ökonomischen Theorie über lange Zeit vernachlässigt wurden. So bemängelte bereits in den 1970er Jahren der renommierte Sankt-Gallener Volkswirt Hans Christoph Binswanger die sukzessive Vernachlässigung der Natur in der ökonomischen Theorie, speziell im mikroökonomischen Modell der Unternehmung (vgl. Natur und Wirtschaft – Die Blindheit der ökonomischen Theorie gegenüber der Natur […], in: Meyer-Abich (Hrsg.): Frieden mit der Natur, 1979).

In Deutschland wurde die Idee der Kreislaufwirtschaft im Jahr 1994 mit dem „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen“ institutionalisiert. Eine Neufassung trat 2012 mit dem „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“, kurz: Kreislaufwirtschaftsgesetz, in Kraft. Beide Male wurden EU-Richtlinien umgesetzt. Es gilt, die Schonung der natürlichen Ressourcen zu fördern und den Schutz von Mensch und Umwelt sicherzustellen. Die Neufassung 2012 soll die Kreislaufwirtschaft verstärkt fördern – durch Vermeidung und vor allem das verstärkte Recycling von Abfällen. Seitdem sind eine stärkere politische Verankerung und weitere Gesetzgebungen erfolgt, die auf ein ganzheitliches Umdenken hoffen und neue Geschäftsmodelle entstehen lassen.

Zur Umsetzung von zirkulären Geschäftsmodellen in der deutschen Industrie liegen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln empirische Erkenntnisse vor (vgl. Fluchs, Neligan, Schleicher und Schmitz: Zirkuläre Geschäftsmodelle: Wie zirkulär sind Unternehmen?, IW-Report Nr. 27, 20.05.2022). Befragt wurden Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes und der Unternehmensnahen Dienstleistungen nach konkreten Zielen, die für bestimmte Strategien stehen, genauer: diese konkretisieren. Die Ergebnisse lassen erkennen, dass sich die Kreislaufwirtschaft im Aufbau befindet und dass sie weiter ausbaufähig ist.

So setzt ein knappes Viertel der Industrieunternehmen alle drei zirkulären Strategien: (1.) Kreisläufe schließen, (2.) Kreisläufe verlängern, und (3.) Kreisläufe schaffen bzw. ermöglichen, bereits um. Mehr als ein Drittel verfolgt keine der drei Strategien. Von den insgesamt 14 Zielen werden drei Ziele jeweils von einer Mehrheit sehr oder einigermaßen engagiert verfolgt: die Wiederverwertung und die Wiederverwendung von Produkten und die Reduzierung der Rohstoffabhängigkeit. Die Umsetzung von zirkulären Strategien geht, so ein weiteres Ergebnis der Studie, mit dem Unternehmenserfolg einher, der anhand der drei Indikatoren Umsatz, Beschäftigung und Investitionen gemessen wird. Die Unternehmen mit mindestens einer zirkulären Strategie verzeichnen einen größeren Erfolg als Unternehmen ohne eine zirkuläre Strategie. Jedes zweite Unternehmen mit drei zirkulären Strategien hat einen hohen Erfolg. Seltener findet sich ein hoher Erfolg in Unternehmen mit keiner oder weniger als drei zirkulären Strategien.

Umgekehrt weisen weniger als drei von zehn stark zirkulär ausgerichteten Unternehmen einen unterdurchschnittlichen Unternehmenserfolg auf. Von denen, die nicht auf die Kreislaufwirtschaft setzen, ist fast jedes zweite unterdurchschnittlich erfolgreich. Für diese Unternehmen könnte sich der Umstieg auf ein zirkuläres Geschäftsmodell lohnen. Im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI), der als Dachverband die Interessen seiner Mitgliedsverbände – mehr als 30 branchenspezifische Arbeitgeberverbände – und deren Mitgliedsunternehmen vertritt, wurde die Position erarbeitet, dass die deutsche Industrie (einschließlich industrienaher Dienstleistungen) ein Treiber der Circular Economy sein will. Im ganzheitlichen Schließen von Stoffkreisläufen und der wirtschaftlich sinnvollen Wiederverwertung von Rohstoffen wird ein enormes Potenzial für den Industriestandort Deutschland gesehen. Mit ihrer hohen technologischen Kompetenz, die als zentraler Schlüssel für ein nachhaltiges Wirtschaften gesehen wird, soll die deutsche Industrie weltweit zum Leitanbieter neuer Technologien werden. In diesem Sinne wurde im April 2021 die BDI-Initiative „Circular Economy“ gegründet, die ein Netzwerk von etwa 60 Akteuren verschiedener Branchen der Industrie und Experten aus dem IW Köln umfasst. Das Netzwerk unter stützt die Umsetzung in Unternehmen möglichst ganzheitlich von der Produktentwicklung, dem Rohstoffeinkauf, dem Verkauf, bis zur Wiederverwertung. Hierfür werden praxisnahe Formate zum Austausch über politische, wissenschaftliche und technologische Entwicklungen organisiert, um technologische Potenziale erkennen und die nötigen Rahmenbedingungen mitgestalten zu können. (Quelle: https://bdi.eu/umwelt-und-nachhaltigkeit/circular-economy/)

Im Alltag fällt der erste Blick beim Stichwort Kreislaufwirtschaft oft auf die Abfallwirtschaft, insbesondere die Abfallsammlung, energetische Verwertung und stoffliche Verwertung. Das Thema Kreislaufwirtschaft zieht sich mittlerweile aber quer durch die Branchen.

So wurde das Thüringer Unternehmen RITTWEGER und TEAM GmbH, eine Erfurter Design- und Werbeagentur und Teilnehmerin des Nachhaltigkeitsabkommen Thüringen (NAT), für ihr Ferienhaus mit dem Internationalen Green Concept Award 2022 ausgezeichnet. In der Kreislaufwirtschaft ermöglicht das Ferienhaus mit seiner Architektur, den Baumaterialien und der Digitalisierung die Bindung von CO2. Der Geschäftsführer Heiko Rittweger berät auch andere Unternehmen: „Unsere Vision für den Bausektor sind kreislauffähige Gebäude, die mehr CO2 binden, als sie in die Atmosphäre abgeben.“ (Quelle: https:// www.rittweger-team.de/winner-green-concept-award2022/)

Das Thüringer Unternehmen CFF GmbH & Co. KG aus Gehren im Ilm-Kreis bewarb sich zum Motto „Zellulose als bio-abbaubare Lösung zu Plastik in Kosmetik“ um den Thüringer Umweltpreis 2021 und erhielt den Sonderpreis, der für „Wege aus der Kunststoffflut“ verliehen wurde. Mikroplastik landet nachweislich in den Weltmeeren und letztlich in Lebensmitteln. Mit dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen und der Skinomics GmbH, beide in Halle (Saale), wurde eine Alternative aus Zellulose entwickelt und verbessert. (Quelle: https://wirtschaftsspiegel-thueringen. com/2021/12/06/sonderpreis-geht-an-cff-in-gehren/)

Zum Gastbeitrag auf argos-verlag.de

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