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Michael Grömling in den VDI-Nachrichten Gastbeitrag 21. Februar 2020

IW-Konjunkturampel: Und jetzt auch noch Corona ...

Die Epidemie trifft Deutschlands wichtigste Kunden. Das birgt Risiken für die heimischen Bilanzen, schreibt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling in einem Gastbeitrag für die VDI-Nachrichten.

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Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. Die Industrie steckt im Rückwärtsgang fest. Alle Hoffnungen auf eine baldige Wende haben sich zuletzt wieder verflüchtigt. Noch kann die Bauwirtschaft, unterstützt vom milden Winter, kräftig dagegenhalten. Die Konsumtätigkeit ist ebenfalls noch robust, wenngleich die Beschäftigungssorgen der privaten Haushalte mehr und mehr auf die Konsumlaune drücken.

Die Industrie leidet aber unter der schwächer expandierenden Weltwirtschaft und vor allem unter der nur noch moderaten globalen Investitionstätigkeit. Die Handelsstreitigkeiten der USA mit China und Europa belasten nicht nur den Handel, sondern auch die Wertschöpfungsketten und den Technologietransfer.

Zwar hat das Aussetzen mancher Strafzölle zwischen den USA und China das Klima etwas entgiftet. Wie angespannt der internationale Umgang jedoch weiterhin ist, zeigt sich anhand der Sanktionsdrohungen der Amerikaner gegen deutsche Unternehmen im Zusammenhang mit der Gaspipeline Nord Stream 2. Die globale Investitionsflaute resultiert auch aus der Schwäche vieler Schwellenländer, ausgelöst durch geopolitische Spannungen sowie interne soziale Probleme. Der Brexit ist vollzogen, aber immer noch ohne politischen und ökonomischen Rahmen. Und nun kommt auch noch das Coronavirus dazu.

Die IW-Konjunkturampel signalisiert schon seit geraumer Zeit eine nachlassende Schlagzahl der chinesischen Wirtschaft. Die Volksrepublik legte gemessen an unseren Maßstäben bislang noch kräftig zu. Die hohen Zuwachsraten sind aber nach den kräftigen Aufholprozessen bei der Infrastruktur vorbei.

Inhaltselement mit der ID 6881 Inhaltselement mit der ID 6882

Der Konflikt mit den USA und die wachsende Vorsicht anderer Handelspartner hinsichtlich technologischer Abhängigkeiten gehen nicht spurlos an der chinesischen Exportindustrie vorbei. Und nun legt eine Epidemie das Land lahm. Diese wird zumindest im ersten Quartal 2020 die Wirtschaft deutlich abbremsen. Wie stark dann die Nachholeffekte im weiteren Jahresverlauf sein werden, ist noch offen. Derzeit läuft in den Regionen, die vom Coronavirus am stärksten betroffen sind, nur noch das Notwendigste.

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Für die deutsche Wirtschaft ist die Volksrepublik der größte Kunde. Die Konsum- und Investitionsausfälle in China treffen die deutschen Exporteure in einer sowieso schon schwachen Nachfragephase. Einheimische und ausländische Firmen in China sind zudem wichtige Zulieferer für unsere Inlandsproduktion, etwa die Metall- und Elektroindustrie sowie die Chemie- und Pharmaindustrie. Stocken diese Zulieferungen, droht die Gefahr, dass auch hierzulande die Bänder stillstehen.

Inwieweit das auf die Bilanzen deutscher Unternehmen durchschlägt, hängt von der Dauer der Coronakrise ab. Konzentrieren sich die Schäden auf das erste Quartal und kommt es danach zu Nachholeffekten, dann sind die Gewinneinbußen möglicherweise überschaubar. Mit zunehmender Dauer, globaler Reichweite und Ausmaß wachsen diese Belastungen aber sprunghaft an.

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