Internationale Studierende leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Sie stärken langfristig die öffentlichen Haushalte in Deutschland, da sie mehr Steuern und Abgaben zahlen, als sie staatliche Leistungen beziehen.
Volkswirtschaftliche Effekte der Zuwanderung über die Hochschulen: Auswirkungen auf öffentliche Haushalte und Wertschöpfung in Deutschland
Gutachten im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Internationale Studierende leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Sie stärken langfristig die öffentlichen Haushalte in Deutschland, da sie mehr Steuern und Abgaben zahlen, als sie staatliche Leistungen beziehen.
Während ihre Ausbildung zunächst Kosten verursacht, stärken sie in den Folgejahren die wirtschaftliche Entwicklung und die öffentlichen Haushalte. Die Effekte sind dabei umso größer, je mehr internationale Studierende nach Abschluss in Deutschland bleiben.
Es gibt verschiedene Gründe, die akademische Bildung für zuwandernde Personen aus dem Ausland zu öffnen. In angelsächsischen Ländern dienen internationale Studierende vor allem durch die Studiengebühren der finanziellen Stärkung der Universitäten und die Ausgaben der Studierenden selbst werden volkswirtschaftlich vor allem als Außenbeitrag der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zugeordnet. In Deutschland spielen internationale Studierende neben der Internationalisierung der Wissenschaft seit den 2010er Jahren auch für die Fachkräftesicherung eine wichtige Rolle. Aufgrund des demografischen Wandels entstehen in Deutschland in zunehmendem Maße Fachkräftelücken, die durch internationale Absolventen zu einem guten Teil geschlossen werden.
Entscheidend ist in diesem Ansatz, dass ein Teil der Studierenden nach ihrem Abschluss im Land bleibt. Wie viele Personen künftig genau bleiben werden, ist nicht bekannt. Eine OECD-Studie von 2022 zeigt, dass rund 45 Prozent der 2010 eingereisten Studierenden auch nach zehn Jahren noch in Deutschland leben – ein hoher Wert im internationalen Vergleich, der im Zeitverlauf zunimmt. Die wirtschaftlichen und fiskalischen Effekte der internationalen Studierenden werden auf Basis von drei Annahmen zum Verbleib für eine Anzahl von 1.000 internationalen Studienanfängerinnen und -anfängern berechnet:
- bei hoher Bleibequote: 50 Prozent der 1.000 Studienanfängerinnen und -anfänger schließen nach fünf Jahren ihr Studium ab und bleiben für zehn Jahre nach Abschluss in Deutschland, 375 davon bleiben dauerhaft.
- bei mittlerer Bleibequote: 400 Studierende verbleiben nach dem Abschluss für weitere zehn Jahre, 200 davon bleiben dauerhaft.
- bei niedriger Bleibequote: 300 bleiben nach dem Abschluss für weitere zehn Jahre, 75 davon dauerhaft.
Von den nicht in Deutschland bleibenden Anfängerinnen und Anfängern verlässt ein Teil Deutschland während des Studiums ohne Abschluss, der andere nach Studium mit Abschluss.
Die Wertschöpfung beträgt pro 1.000 Studienanfängerinnen und -anfängern über deren Lebenslauf in Deutschland je nach Verbleib im Land zwischen 0,62 und 1,77 Milliarden Euro.
Die fiskalischen Effekte sind komplexer zu berechnen, da verschiedene Zahlungsströme berücksichtigt werden müssen, darunter Rentenansprüche und Steueraufkommen. Rein auf direkte Effekte bezogen ergeben sich Nettoerträge bezogen auf 1.000 Studienanfängerinnen und -anfänger für die öffentliche Hand zwischen 93,3 Millionen Euro und 329,8 Millionen Euro. Gemessen an 78.900 Studienanfängerinnen und -anfängern mit Abschlussabsicht (wie im Jahr 2022) ergeben sich über den Lebenslauf der internationalen Studierenden hinweg positive Nettoeffekte für die öffentliche Hand in Höhe von:
- bei hoher Bleibequote: 26,0 Milliarden Euro
- bei mittlerer Bleibequote: 15,45 Milliarden Euro
- bei niedriger Bleibequote: 7,36 Milliarden Euro.
Unter Einbeziehung rechnerischer Anteile an nicht personenbezogenen, aber von der Bevölkerungsgröße abhängigen öffentlichen Ausgaben liegen die Nettoeffekte zwischen 5,16 und 20,57 Milliarden Euro. Würde man weitere indirekte Effekte, wie die Steuern und Abgaben der für die Ausbildung der internationalen Studierenden eingesetzten Lehrkräfte, sowie Zeitrundeneffekte mit in den Blick nehmen, dürften diese die von der Bevölkerungsgröße abhängigen Ausgaben decken.
Die Ausbildung internationaler Studierender amortisiert sich für die öffentliche Hand je nach Annahme zu den Bleibequoten bereits zwei bis fünf Jahre nach Studienende.
Neben finanziellen Vorteilen haben internationale Studierende eine stabilisierende Wirkung auf das Wirtschaftswachstum. Der demografisch bedingte Rückgang der jährlichen BIP-Wachstumsrate um 0,5 Prozentpunkte in den nächsten zehn Jahren wird durch eine jährliche Zuwanderung von Studierenden auf dem Niveau von 2022 (78.900 Personen) um 20 Prozent abgemildert.
Angesichts rückläufiger Studienanfängerzahlen in Deutschland könnten freie Kapazitäten gezielt für internationale Studierende genutzt werden. Wichtige Maßnahmen sind eine gezielte Gewinnung internationaler Studierender, eine bessere Unterstützung während des Studiums und eine erleichterte Integration in den Arbeitsmarkt. Dabei müssen Hochschulen, Politik und Wirtschaft zusammenarbeiten. Allerdings bleiben neben der Fachkräftesicherung auch die Internationalisierung der Wissenschaft und die Ausbildung von Fach- und Führungskräften, die Deutschland ein internationales Netzwerk aus Partnerinnen und Partnern weltweit ermöglichen, zentrale Ziele, die auch erreicht werden, wenn nicht alle internationalen Studierenden in Deutschland bleiben.
Volkswirtschaftliche Effekte der Zuwanderung über die Hochschulen: Auswirkungen auf öffentliche Haushalte und Wertschöpfung in Deutschland
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IW