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Thorsten Lang / Michael Grömling /Galina Kolev Gutachten 22. März 2019 Produktivitätswachstum in Deutschland

Die Arbeitsproduktivität wächst in der deutschen Industrie und den industrienahen Dienstleistungen langsamer als noch vor der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008/2009. Diese Entwicklung wird mit Sorge betrachtet, ist doch die Arbeitsproduktivität ein wichtiger Treiber der gesellschaftlichen Wohlfahrt.

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Produktivitätswachstum in Deutschland
Thorsten Lang / Michael Grömling /Galina Kolev Gutachten 22. März 2019

Produktivitätswachstum in Deutschland

Gutachten im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI)

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Die Arbeitsproduktivität wächst in der deutschen Industrie und den industrienahen Dienstleistungen langsamer als noch vor der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008/2009. Diese Entwicklung wird mit Sorge betrachtet, ist doch die Arbeitsproduktivität ein wichtiger Treiber der gesellschaftlichen Wohlfahrt.

Insofern reicht es nicht, darauf zu verweisen, dass auch in anderen Ländern das Produktivitätswachstum nachgelassen hat. Vielmehr ist zu fragen, welche Ursachen hinter der nachlassenden Dynamik des Produktivitätswachstums stehen.

Die Ursachenanalyse erfolgte in dieser Studie auf drei Ebenen: Gesamtwirtschaft, Branchen/Größenklassen sowie Unternehmen. Dazu wurde für diese Studie im IW-Zukunftspanel eine umfassende Unternehmensbefragung durchgeführt, in der 1.250 Unternehmen der Industrie und industrienahen Dienstleister geantwortet haben.

Beschäftigungsaufbau bei nachlassender Dynamik des Wertschöpfungswachstums

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zeigt sich, dass die nachlassende Dynamik der Arbeitsproduktivität in hohem Maße auf die höhere Beschäftigungsdynamik zurückgeht. Die Unternehmen haben nach der Krise deutlich Beschäftigung aufgebaut, ohne dass die Wertschöpfung in gleichem Maße gestiegen ist. Stattdessen hat nach der Krise die Wachstumsdynamik der Wertschöpfung nachgelassen, was aber nur einen Teil des langsameren Produktivitätswachstums erklärt. Hinter dem langsameren Wachstum der Wertschöpfung steht die nachlassende Dynamik der Ausfuhren und des weltweiten Warenexportvolumens.

Messprobleme zwar vorhanden, aber Problem bleibt bestehen

Die Arbeitsproduktivität ist das Verhältnis einer Output- zu einer Inputmenge. Während der Arbeitsinput eine Mengengröße ist und in Stunden oder Köpfen gemessen wird, wird die Wertschöpfung in Preisen gemessen und muss erst in eine Mengengröße umgerechnet werden. Die nominalen und realen Werte können auseinanderfallen, wenn sich lediglich die Preise, nicht aber die Mengen verändern. Auffällig ist, dass am aktuellen Rand die nominale und reale Wertschöpfung stärker auseinanderfallen. Hintergrund können Probleme bei der Messung von Dienstleistungen in der Industrie sein, die in die Produkte integriert sind. Werden die damit verbundenen höheren Preise von der Statistik lediglich als Preis, nicht aber als Qualitätseffekt bewertet, wird das reale Wachstum untererfasst. Gleichwohl bleibt der Befund eines nachlassenden Produktivitätswachstums auch bei der Betrachtung der nominalen Größen bestehen. Eine Untererfassung der Investitionen, weil sogenannte Intangible Assets an Bedeutung gewonnen haben, konnte zwar für das Niveau der Investitionen und damit der Wertschöpfung festgestellt werden, allerdings konnte kein Einfluss auf die Dynamik der Arbeitsproduktivität ermittelt werden.

Größere Industrieunternehmen als Treiber des Beschäftigungsaufbaus

Auf Branchen- und Größenklassenebene zeigen sich nur teilweise unterschiedliche Entwicklungen. Unterschiede finden sich vor allem beim Beschäftigungsaufbau nach der Größenklasse: Im Verarbeitenden Gewerbe sind es in erster Linie die großen Unternehmen ab 250 Beschäftigten und dort vor allem die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, die Beschäftigung aufgebaut haben. Außerhalb des Verarbeiten Gewerbes haben dagegen die mittleren Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten den höchsten Beschäftigungszuwachs zu verzeichnen. Auf Branchenebene sind die Unterschiede nicht derart stark ausgeprägt, hier ist über die meisten Branchen hinweg eine nachlassende Wachstumsgeschwindigkeit der Arbeitsproduktivität zu beobachten.

Geringere Umsatzdynamik und Beschäftigungsaufbau bremsen das Produktivitätswachstum der Unternehmen

Für die einzelwirtschaftliche Ebene existieren keine Datensätze, die vor dem Hintergrund der Arbeitsproduktivitätsentwicklung umfassend Auskunft über die möglichen Ursachen geben können. Deshalb wurde für diese Studie im IW-Zukunftspanel eine Unternehmensbefragung durchgeführt, um Näheres über die Hintergründe zu erfahren. Es zeigt sich, dass die Arbeitsproduktivität heute in mehr Unternehmen wächst als noch vor der Krise. Was nachgelassen hat, ist die Wachstumsgeschwindigkeit. Auf einzelwirtschaftlicher Ebene zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Umsatzentwicklung und der Entwicklung der Wachstumsgeschwindigkeit der Arbeitsproduktivität. Unternehmen, in denen die Wachstumsgeschwindigkeit des Umsatzes nachgelassen hat, zählen signifikant häufiger zu den Unternehmen mit einer nachlassenden Wachstumsgeschwindigkeit der Arbeitsproduktivität. Diese waren zudem häufiger Exportschwankungen und Auftrags-rückgängen ausgesetzt als Unternehmen mit schneller wachsender Arbeitsproduktivität. Die Gründe für die nachlassende Wachstumsgeschwindigkeit des Umsatzes sind in erster Linie bei der Absatzmenge des Kern-produkts zu suchen. Gleichzeitig haben nicht wenige Unternehmen ihr Personal schneller erhöht als den Um-satz, was in diesen Unternehmen zur geringeren Dynamik im Arbeitsproduktivitätswachstum beigetragen hat. Keinen Einfluss haben hingegen Strukturvariablen wie die Unternehmensgröße oder die Branche.

 

 

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Produktivitätswachstum in Deutschland
Thorsten Lang / Michael Grömling /Galina Kolev Gutachten 22. März 2019

Thorsten Lang / Michael Grömling /Galina Kolev: Produktivitätswachstum in Deutschland

Gutachten im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI)

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